Historisches
Militärische Ambitionen im Postwesen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, 20. September 2008 um 17:49
In Brandenburg und Preußen hat es seit den Anfängen der Staatspost unter dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640 - 1686) zwischen dem Militär und der Post eine enge Verflechtung gegeben. Sie wurde durch den politischen Charakter des Landes bestimmt, der ausschließlich durch ein ausgeprägtes militärisches Machtgefüge wirksam war.

Unter diesen Bedingungen war (neben einer effektiven Brandenburg-/preußischen Feldpost zu Kriegszeiten) auch eine unmittelbare Teilnahme des Militärs am postalischen Geschehen in Friedenszeiten messbar. Dieser Zustand war im 19. Jahrhundert besonders dominant. Er ließ sich noch bis zum Ende des Deutschen Kaiserreiches 1918 und darüber hinaus in Teilen nachweisen.

Für diese enge Verflechtung militärischer und postalischer Belange hat es mehrere Gründe gegeben. Während der Herrschaft des Großen Kurfürsten entstand aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges heraus ein absolutistischer brandenburgischer Staat mit allen Voraussetzungen zum Königtum. Das war nur mit Hilfe einer starken militärischen Macht möglich, die unter prekären Bedingungen sogar zum unmittelbaren Postdienst eingesetzt wurde.

Dragoner als Postboten

Erwähnt sei hier die politisch besonders sensible Zeit der Osnabrückschen Friedensverhandlungen zum Dreißigjährigen Krieg zwischen 1645 und 1648. Brandenburg richtete hier zur Wahrung seiner Interessen eine eigens dafür geschaffene Dragoner-Stafettenpost zum sicheren und schnellstmöglichen Transport wichtiger strategischer Nachrichten und Weisungen ein. Allein mit ihr war es dem Großen Kurfürsten möglich, seinen Diplomaten am Verhandlungsort schnelle und wirksame Instruktionen für einen aus seiner Sicht günstigen Verlauf der Friedensregelungen zukommen zu lassen.

Diese Militärpost hatte sich so gut bewährt, dass auf sie auch im Krieg zwischen Brandenburg und Schweden (ab 1675, zur Befreiung des Landes von der schwedischen Besetzung) zurückgegriffen werden konnte. Unter der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm I. (1713 - 1740) kam diese Dragonerpost dann bei den Friedensverhandlungen mit Schweden 1717 noch einmal zum Einsatz.

In der folgenden Regierungszeit des 1688 zur Macht gekommenen Kurfürsten Friedrich III. (seit dem 18. Januar 1701 König Friedrich I. in Preußen bis 1713) wurde diese Verquickung militärischer und postalischer Aufgaben beibehalten. Der verschwenderische und vergnügungssüchtige Fürst orientierte sich in besonderem Maße an den schon damals erheblichen Posteinnahmen. Seine Minister und Räte fanden immer neue Mittel und Wege, um den goldenen Strom der Dukaten nicht versiegen zu lassen.

Dabei taten sich vor allen anderen seine zeitweiligen Günstlinge, zunächst bis 1697 sein ehemaliger Lehrer Eberhard Christoph Balthasar von Dankelmann, dann ein Johann Casimir Kolbe hervor, der mit der Gnade seines Herren zum Reichsgrafen Kolbe von Wartenberg erhoben wurde und bis zu seinem Fall im Jahre 1710 uneingeschränkte politische Macht besaß. Beide verfügten als leitende Minister in Personalunion mit dem Titel des General-Postmeisters von Brandenburg/Preußen sowohl über die brandenburgische Armee als auch über die Post. Deren Arbeitsweisen und Strukturen entsprachen überhaupt dem allgemeinen Leitungsschema der staatlichen Einrichtungen. Und das war ohne Abstriche auf militärische Zucht und Ordnung ausgerichtet.

Das „Blaue Tuch“ dominierte

In dieser Zeit wurden in Brandenburg für die Postbediensteten Uniformen eingeführt. Sie entsprachen in ihrem Aussehen der generellen militärischen Tracht jener Zeit – also dem dunkelblauen Rock, dem militärischen Dreispitz als Kopfbedeckung und dem obligatorischen Degen für die militärisch gleichgestellten Dienstränge der Postbeamten. Damit traten sie auch in die Öffentlichkeit. Etwa beim feierlichen Einzug der Prinzessin Sophie-Luise von Mecklenburg-Schwerin in Berlin, die Anfang 1709 mit König Friedrich I. als dritte Frau die Ehe schloss.

Eine königliche Order vom 8. Februar dieses Jahres hatte für jenes Spektakel die Bereitstellung von 3115 Talern und 16 Groschen bestimmt. Dafür wurden 50 Postmeister und Postillione, darunter aus Berlin, Saarmund, Spandau, Perleberg, Lenzen, Dessau und Gardelegen, sowie vier Sekretäre des Berliner Hof-Postamtes festlich eingekleidet und beköstigt, sowie Pulver für Musketen- und Kanonenschüsse und anderes mehr bezahlt.

Die Frage, warum an die Stelle der sie begleitenden Postbeamten als Geleit keine regulären Truppen gewählt wurden, wird sich damals wohl in ihrer Gleichstellung erübrigt haben. Gewiss waren auch die Postillione dank ihrer Fähigkeiten des Hörnerblasens beim Reiten allen anderen berittenen Soldaten weit überlegen. Die mit Gold- und Silbertressen geschmückten Poströcke aus blauem Tuch, Schabracken, Hüte, Posthörner, Schnüre und Tressen wanderten nach diesem festlichen Umzug in die Berliner Postkammer, um damit zwölf Hofpostillione vier Jahre lang zu bekleiden.

Die Sitte, im Postdienst eine rangmäßig vorgeschriebene Postuniform im militärischen Sinne zu tragen, hat sich in der Regierungszeit des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. (1713 -1740) in noch größerem Maße fortgesetzt. Bei ihm war das gesamte öffentliche Leben sowieso nach militärischen Regeln gestaltet, wobei es beispielsweise der preußischen Post zukam, ihre nicht geringen Gewinne ohne jeden Abstrich in die riesigen Rüstungskosten einzubringen. Um diese Einnahmen in jeder Hinsicht zu sichern, besaßen die Postbeamten je nach Dienstgrad eine ausgedehnte Befehlsgewalt. Die ihnen vorgeschriebenen Dienstuniformen gewährten ihnen dabei gegenüber Jedermann Autorität und Respekt, die sie auch bewusst im Sinne der absolutistischen Staatsmacht einzusetzen verstanden.

Anfänge des Beamtentums

In dieser Zeit der allgemeinen Militarisierung des preußischen Staates unter dem Soldatenkönig finden sich auch die Anfänge des absolut staatstreuen preußisch-deutschen Beamtentums, so wie es sich bis in die Jetztzeit als ein zuverlässiges, staatstragendes Verwaltungsinstrument erweisen konnte. Es bildete sich aus einer Vielzahl von Menschen, die sich unter den Bedingungen einer anerzogenen militärischen Zucht im preußischen Absolutismus zu widerspruchslosen Befehlsempfängern und treuen Vollstreckern jeder Weisung der Obrigkeit verformt hatten.

Sie rekrutierten sich aus der großen Zahl versorgungsberechtigter Ex-Soldaten, die nach zwölf- und mehrjähriger Dienstzeit als so genannte „Zwölfender“ und jetzige Unterbeamte im Polizeidienst, bei der Eisenbahn und vor allem bei der preußischen Staatspost eine Machtvollkommenheit erhielten, der sie meist mangels vorangegangener Bildung und ihrem Werdegang nicht gewachsen waren. Aber das spielte auch gar keine Rolle: Hauptsache war ihre anerzogene absolute Zuverlässigkeit gegenüber ihrer staatlichen Obrigkeit, die noch im Schlaf nicht das geringste Abweichen von vorgeschriebenen Wegen zuließ.

Die Feldpost als feste Einrichtung

Am 25. April 1715 – kaum zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt - ordnete der Soldatenkönig im Krieg gegen Schweden die Errichtung eines Feldpostamtes an. Dazu wurden Berliner Postoffizianten im Heerlager von Stettin stationiert. Sie mussten von dort aus den Depeschen- und Stafettendienst des Heeres über das General-Postamt in Berlin zum preußischen Hof und zu den Regierungsstellen gewährleisten. Als der nachfolgende König Friedrich II. (1740 - 1786) direkt nach seinem Machtantritt den l. Schlesischen Krieg gegen Österreich provozierte, griff er auf das bewährte Feldpostsystem zurück.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) besaß bereits jedes preußische Armeekorps ein Feldpostamt und jede Brigade eine Feldpost-Expedition. Ihre Angehörigen unterstanden der militärischen Befehlsgewalt und besaßen auch dementsprechende Vollmachten. Sie waren zur schnellsten und sichersten Beförderung von militärischen und Staatsdepeschen verpflichtet, übernahmen aber auch den Briefwechsel der Soldaten und im Notfall auch Pakete und Geldsendungen.

Die preußischen Feldpostmeister und -Sekretäre mussten selbst unter schwierigsten Bedingungen gewährleisten, dass keine Depeschen dem Gegner in die Hände fielen. Alle Sendungen waren - auch mit Waffengewalt - auf dem schnellsten Weg zum Empfänger zu befördern. Die kleinste Vernachlässigung der Pflichten zog unausweichlich unter preußischem Kriegsrecht die härteste Bestrafung der Schuldigen nach sich. Ein Feldpostmeister musste sich auch mit seiner Post-Expedition und den Post-Offizianten stets beim Hauptquartier der Armee aufhalten, um die Kuriere und Stafetten ohne Verzug absenden zu können. Die sichersten Wege der Beförderung durch feindliche Gebiete wies ihnen die militärische Führung zu. Außerdem gehörte es zu den Pflichten der Feldpost-Expeditionen und Postillione, alle erreichbaren Informationen und Hinweise über den Feind zusammenzufassen und sie sofort den Befehlshabern mitzuteilen. Für die Kriegsführung im Ausland hatten diese Berichte großen strategischen Rang.

Jedenfalls muss die friderizianische Feldpost ihren militärischen Auftrag zur besten Zufriedenheit erledigt haben. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges hatte sie die Ehre, 1763 an der Spitze der preußischen Armee in Berlin einzurücken. Bei diesem Einmarsch am 30. Mai 1763 ritten vor dem Zug der Feldpost sechs Postillione und Feldpost-Kuriere. Danach folgten hoch zu Ross der Feldpostmeister Lüdemann, neun Feldpost-Sekretäre und 72 Postillione in Extra-Uniformen. Den Schluss bildete der General-Postamts- und Hofpost-Sekretär, Postwagenmeister und Geheimer Postsekretär Bertram.

Das preußische Feldpostsystem wurde im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778 bis 1779 weiter ausgebaut. Für diesen Krieg war in Berlin ein größeres Feldpost-Dienstkorps aufgestellt worden, da mit lang dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen bis weit hinein nach Österreich und Bayern gerechnet wurde. Diesem Feldpost- Dienstkorps gehörten neben Postmeistern, Postsekretären und Postillionen nunmehr auch Postschreiber, Briefträger und Postboten an. Sie standen unter einem militärischen Eid. Für ihren Dienst galt ein umfassendes Dienstregelement, das in seinen Grundsätzen im Deutschen Kaiserreich bis in das 20. Jahrhundert hinein gültig blieb.

Dieser Krieg wurde am 15. März 1779 mit dem Frieden zu Teschen beendet. Zu seiner feierlichen Verkündung in Berlin ritten am 13. Mai 1779 20 preußische Postillione, an der Spitze vier Hofpost-Sekretäre in Gala-Uniform, vor einem festlich gekleideten Herold durch die Straßen der Hauptstadt. Die Postillione bliesen einen Festmarsch.

Eng verzahnte Arbeitsweise

Über das eng verflochtene Zusammenwirken der preußisch/deutschen Post und der Armee des Landes hat der „BRIEFMARKEN SPIEGEL“ in seinen Ausgaben 8 bis 10 von 1986 in einer umfassenden Darstellung der brandenburgisch/preußischen Feldpost berichtet. Die dabei dargestellten Kriterien einer engen Verzahnung der beiderseitigen Anliegen und Lösungen zwischen Post und Militär bestätigen das zu keiner Zeit unterbrochene Zusammenspiel beider Einrichtungen zur Erreichung der internationalen politischen Ziele Preußens / Deutschlands mittels militärischer Aktionen.

Erstmals wurde im Deutsch- Französischen Krieg von 1870/71 die preußische Feldpost als ein psychologisches Instrument zur Motivation für „heldische Taten“ eingesetzt.

Die in der Praxis wirksame Idee des damaligen Generalpostdirektor Heinrich Stephan, mit Hilfe eines bis zur letzten militärischen Einheit gestaffelten, lückenlosen Feldpostsystems eine ununterbrochene postalische Verbindung zwischen Heimat und Front herzustellen, zahlte sich moralisch aus. Im steten Wissen um die guten Wünsche der Angehörigen für sein Wohlergehen und diese oft unmittelbar bestätigende Nachricht auf einer eigens dafür geschaffenen Feldpostkarte nach einem Gefecht, minderten zumindest den seelischen Druck, der in einer solchen Situation zwangsläufig auf jedem Soldaten lastete.

Das Amtsblatt der Deutschen Reichpostverwaltung Nr. 5 des Jahres 1872 veröffentlichte unter dem 16. Januar 1872 eine General-Verfügung Stephans mit dem Titel „Denkschrift über die Wirksamkeit der Norddeutschen Feldpost im Feldzug 1870/71“. Sie musste als Pflichtliteratur in die Amtsbibliotheken aller Reichspostanstalten aufgenommen werden - zur Ehre und des Ruhmes der Post! Hier wurde mit der sprichwörtlichen Gründlichkeit der Reichspost, eine Bilanz des eigenen Anteils am Sieg über Frankreich gezogen - selbstverständlich unter strenger Beachtung aller dabei vollbrachten patriotischen Leistungen, die letztlich auch in ein noch perfekteres Postsystem im Dienste der kriegerischen Ambitionen des Deutschen Kaiserreiches einmündeten.

Das Militär-Postamt

Unter den Bedingungen dieser nun seit mehr als 100 Jahren bewährten engen Verbindung von Post und Militär wurde ihre Zusammenarbeit im folgenden Jahrhundert weiter ausgebaut und den jeweils neuen Bedingungen der Kriegsführung angepasst. Nach wie vor wechselten aber auch in Friedenszeiten invalide und demobilisierte Offiziere und Unteroffiziere bei nachgewiesener Befähigung in den Postdienst und haben sich dort auch bewährt.
Das beste Beispiel dafür gab der preußische General-Postdirektor und Leiter des General-Postamtes in Berlin, Gottlob Heinrich Schmückert (Amtszeit: 1850 - 1862). Er hatte in den Befreiungskriegen gegen Napoleon wegen außergewöhnlicher Tapferkeit vor dem Feind rasch das Offizierspatent erhalten, wurde mit den beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet und verlor am 13. Januar 1814 in einem Gefecht bei Wyhnghem vor Antwerpen das rechte Bein.

Als invalider Offizier erhielt er dann im September 1814 die Anwartschaft auf ein Kapitäns-Postamt in Bernau bei Berlin. Das war entsprechend der preußischen Versorgungsordnung ein Postamt, aus dessen Einkünften invalide Offiziere eine Rente bezogen, ohne jedoch die für den aktiven Postdienst erforderlichen Kenntnisse und Voraussetzungen zu besitzen.

Damit hat sich Schmückert zu keiner Zeit zufrieden gegeben. Er bewarb sich schon zwei Monate nach der Übernahme seines Bernauer Militär-Postamtes um einen verantwortungsvolleren Arbeitsplatz und erhielt nach einigen Querelen unerwartet am 16. August 1816 eine Berufung als Hilfssachbearbeiter an das Preußische General-Postamt. Danach dauerte es nur kurze Zeit, bis sich Schmückert zum Postdirektor empor gearbeitet hatte. Mit neu erworbener Sachkenntnis vertrat er häufig den preußischen Delegierten des Deutschen Bundestages in Frankfurt am Main, General- Postmeister Ferdinand von Nagler. Wesentliche Neuerungen im preußischen Postsystem setzte Schmückert eigenständig durch, während Nagler in Frankfurt weilte.

Wegen dieser vorgenannten Militär-Postämter hat es übrigens auf der 27. Sitzung des Deutschen Reichstages am 24. Mai 1872 zwischen dem Reichskanzler Fürst Bismarck und einem Reichstags-Abgeordneten Dr. Techow eine außergewöhnliche Auseinandersetzung gegeben. Er kritisierte bei der zweiten Lesung des Haushaltes für 1873 mit Nachdruck die Missachtung einer Reichstags-Resolution aus dem Jahre 1871- durch das Reichskanzler-Amt, endlich die Militär- oder Offizierspostämter aus der Zeit des Königs Friedrich II. aufzulösen. Im damals konservativen, von der Treue zur Monarchie durchdrungenen Berlin reichte dieser Angriff auf die Obrigkeit weit über das sonst übliche Geplänkel um Nebensächlichkeiten hinaus.

Es ging dabei um solche preußischen Postämter, die 1742 nach dem Zweiten Schlesischen Krieg (1744 - 1745) durch Friedrich II. vor allem zur Versorgung invalider Offiziere geschaffen wurden. Da diese aber nichts oder kaum etwas vom Postdienst verstanden und sich auch gar nicht dafür interessierten, suchten sie in der Regel „ihr Postamt“ nur zum Kassieren der Gehälter auf. Für den praktischen Postdienst aber beschäftigten diese Pseudo-Postmeister für geringes Entgelt einen Schreiber auf eigene Rechnung.

Ein unhaltbarer Zustand

Um 1800 wurde dieser Zustand unhaltbar. Die invaliden Kapitäne und Leutnants mussten lediglich zu Titular-Postmeistern ernannt werden und erhielten je nach Dienstgrad aus der Postkasse jährlich 200 bis 300 Taler für das bloße Nichtstun - sozusagen als Prämie für ihre absolute postalische Unfähigkeit. Wollte ein solcher Titular-Postmeister wirklich sein Amt ausüben, musste er zuvor seine Eignung durch eine Prüfung beweisen.

Seit dieser Zeit hatte die leidige Diskussion um diese Militär-Postämter zu wiederholten königlichen Anordnungen geführt. So am 27. Dezember 1824, als Friedrich Wilhelm III. (1797 - 1840) mit Kabinetts-Order die Zahl der Militär-Postämter auf 132 von damals 234 preußischen Postämtern festlegte. Weil die Kritik an dieser Regelung nicht verstummte, wurde den Titular-Postmeistern ab dem l. Januar 1850 vorgeschrieben, fortan ihre Postämter selbst zu verwalten. Am 13. Mai 1862 schrieb dann eine kabinettsorder des Königs Wilhelm I. (ab 1862, seit dem 18. Januar 1871 Deutscher Kaiser bis 1888) zwingend vor, „für die Folge nur solche verabschiedeten Offiziere zu Postamtsvorstehern zu ernennen, die körperlich und geistig völlig gerüstet waren, die zur Verwaltung eines Postamtes erforderlichen Dienstkenntnisse erworben und den Nachweis dieser Kenntnis durch eine Prüfung erbracht hatten“.

Die umstrittenen 132 Militär-Postämter blieben also bestehen und waren 1873 erneut Gegenstand heftiger parlamentarischer Auseinandersetzungen. Zumindest deren Kritiker sahen in diesen Einrichtungen eine Militarisierung des nach militärischen Regeln ohnehin streng geleiteten preußisch / deutschen Postwesens. Der schnarrende preußische Offizierston vertrug sich offensichtlich selbst nicht mit den nur lasch gehandhabten parlamentarischen Regeln des jungen Kaiserreiches. Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck dachte da anders: „Man habe sich mit dem preußischen Kriegsminister über diese Frage in Verhandlung eingelassen und sich ... von dem Bedürfnis zu einer Änderung der bestehenden Zustände nicht habe überzeugen können!“ Das General-Postamt wurde zu diesem Problem erst gar nicht konsultiert. Auf diese Weise kam Berlin in seiner näheren Umgebung auch zu einem solchen Militär-Postamt in der seit 1920 nach Groß-Berlin eingemeindeten Stadt Köpenick. Es wurde erst am l. April 1892 in eine von Zivilisten geleitete postalische Einrichtung umgewandelt.

Hatte dieses Köpenicker Militär-Postamt eigentlich nur dem Namen nach einem militärischen Anstrich, so traten andere Berliner Posteinrichtungen um so mehr mit militärischen Ambitionen in Erscheinung. Das galt vor allem für das Marine-Postbureau beim Postamt Berlin C.2 (Stadt-Postamt), von dem vor allem während der aggressiven Expansionspolitik des deutschen Kaiserreiches um die Wende zum 20. Jahrhundert und während des l. Weltkrieges (1914 - 1918) äußerst umfangreiche Aktivitäten bekannt sind. Alle Postsendungen jener Zeit zu und von den deutschen Kriegsschiffen liefen über dieses Postbüro. Hier wurde auch während des l. Weltkrieges die Marine-Feldpost auf verdächtige, den Krieg verdammende Äußerungen und Parolen durchschnüffelt. Die Matrosenaufstände seit 1917, die nicht zuletzt zum Sturz des Deutschen Kaiserreiches führten, konnten damit nicht verhindert werden.

Es hat in Berlin zumindest seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis 1918 schließlich noch eine rein militärische Posteinrichtung zum Austausch von Briefsendungen zwischen den in Berlin stationierten Armeeeinrichtungen gegeben. Diese Militär-Post hatte zuerst im Gebäude der Hauptwache am Kaiser-Franz-Josef-Platz, später an der Straße „Hinter dem Gießhaus“ ihren Sitz und befand sich zuletzt im Gebäude des heutigen Ehrenmals „Unter den Linden“. Hierher brachten Ordonanzen aller in Berlin stationierten Truppenteile zweimal am Tage die Kurierpost und holten sie auch von dort wieder ab.

Von dieser reinen militärischen Posteinrichtung wurde übrigens am l. August 1914 der Befehl des Kaisers Wilhelm II, (1888 -1918) zur Mobilmachung des deutschen Heers verbreitet und damit das Signal zum Beginn des l. Weltkrieges gegeben. Nach dessen Ende am 9. November 1918 hatte auch diese militärische Posteinrichtung keine Daseinsberechtigung mehr.



Fritz Steinwasser
überarbeitet M. M.

Quelle:
Fritz Steinwasser: Berliner Post - Ereignisse und Denkwürdigkeiten seit 1234,VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin 1988
 

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