| Luftverkehr LZ 127 |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Samstag, 20. September 2008 um 17:50 |
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Vor 75 Jahren: Beginn des kommerziellen Zeppelin-Luftverkehrs mit LZ 127 Trotz aller Projekte und praktischen Experimente: Die Luftschiff-Ära scheint abgeschlossen zu sein. Umso reizvoller ist es, der technischen Entwicklung und der aerophilatelistischen Dokumentation nachzuspüren. Von allen Luftschiff-Konstruktionen sind die des Grafen Zeppelin die erfolgreichsten gewesen, und das ist Grund für die Sprach-Gleichsetzung von Person und Werk. Nachdem LZ l am 2. Juli 1900 sein Debüt gab, folgten die Nummerierungen bis zur Zahl 120, vor allem durch den Bauboom im ersten Weltkrieg bedingt, was den Zeppelin-Luftschiffen einen militärischen Touch einbrachte. Zwar war nach dem Krieg 1919 mit dem kleinen Luftschiff „Bodensee“ (LZ 120) versucht worden, einen regelmäßigen Linienverkehr zwischen Friedrichshafen und Berlin-Staaken einzurichten, doch musste das Luftschiff, ebenso wie das verbliebene Schwesterschiff „Nordstern“ (LZ 121) als Reparationsleistung an Italien bzw. Frankreich abgeliefert werden. Ein „Zepp“ für die USA! Der Bau von LZ 126 als Reparationsleistung an die Amerikaner sorgte vor allem durch seine Überführungsfahrt am 12. bis 15. Oktober 1924 unter Führung von Hugo Eckener für weltweite Aufmerksamkeit. Erstmals überwand ein Zeppelin-Luftschiff die Wasserwüste des Nordatlantiks. Diese Leistung vor allem war der Ansporn für den Bau eines leistungsfähigen Groß-Luftschiffes für den Einsatz auf einem angedachten Linienverkehr zwischen den Kontinenten. Als auf der Botschafterkonferenz in Paris am 7. Mai 1926 die im Versailler Vertrag verankerten Beschränkungen für den Luftschiffbau in Deutschland aufgehoben wurden, war der Weg frei für den Bau neuer Zeppelin-Luftschiffe. Gemäß den positiven Erfahrungen der Spende nach der Echterdinger Katastrophe von 1908, wurde 1925 eine „Zeppelin-Eckener-Spende“ ins Leben gerufen, um die nötigen Mittel für den Bau eines Luftschiffes zusammenzubringen. Spenden für LZ 127 Alle damals verfügbaren Werbemittel wurden eingesetzt. Uns Aerophilatelisten erinnern Postsonder- und Maschinenstempel „Gedenket der Zeppelin-Eckener-Spende“ in Berlin, Spenden- und Sonderpostkarten sowie Spendenmarken an die Aktion. Letztere gibt es in drei Varianten: „Spende der deutschen Schuljugend“ (5 Pfg blau), „Spende der deutschen Frauen" (5 Pfg grün), „Spende des deutschen Volkes“ (10 Pfg rot). Immerhin wurde aus diesen Spenden mit 2,5 Millionen Mark ca. ein Drittel der Baukosten aufgebracht. Der leichte Gigant Im Sommer 1928 war das Groß-Luftschiff fertig gestellt. Mit 236,5 m Länge, 30,5 m Durchmesser und 112000 cm Gasraum war es das größte Zeppelin-Luftschiff. Und mit 73000 kg Nutzlast sollte es künftigen Passagieren höchsten Fahrkomfort gewährleisten. Die Taufe des LZ 127 erfolgte am 8. Juli 1928, dem 90. Geburtstag des Grafen Ferdinand von Zeppelin (er war am 8. März 1917 in Berlin gestorben) - auf seinen Namen. Damit waren die Begriffe „Luftschiff“ und „Zeppelin“ eins - und sind es für viele Menschen noch heute. In den Abmessungen eines Überseedampfers wiegt der Gigant nur 58 t. Die von Maybach gelieferten 12-Zylinder-Motoren vom Typ VL II, die leistungsfähigsten jemals von der Firma produzierten, hatten eine Leistung von 530 PS - in der Summe aller fünf Antriebe also 2650 PS (1950 kW). Die Motoren waren in zwei Steuerbord-, zwei Backbord- und einer Heck-Gondel untergebracht. Diese waren über Leitern vom Schiff aus erreichbar. Die Motoren verliehen dem Luftschiff eine - aus heutiger Sicht recht gemächliche - Geschwindigkeit von 35,5 m/s, knapp 130 km/h. Als Starrluftschiff konzipiert, bestand der „Zeppelin“ aus einem mit speziell behandeltem Baumwollstoff überzogenen Aluminium-Gerüst, in dessen Innerem sich Gaszellen befanden. Die Wasserstofffüllung der 17 Zellen sorgte für den Auftrieb. Im unteren Bereich des Schiffes war in 12 Zellen das Triebgas untergebracht, das ein Gewicht wie die umgebende Lufthülle aufwies, so dass beim ständigen Kraftstoffverbrauch das Schiff nicht leichter wurde und kein kostbares Traggas abgelassen werden musste. Unterhalb des Luftschiffes angebracht, in aerodynamischer Formgebung, befand sich die Vordergondel mit Steuerraum, Navigationsraum, Funktelegrafie, Küche und - hinter dem Einstieg – die Gasträume: Aufenthaltsraum, zehn Doppelkabinen, Waschräume. Der aus Innenfotos bekannte Komfort für Reisende und Personal ist heute noch beeindruckend. Erste Deutschlandfahrten Die erste Fahrt des „Grafen Zeppelin“ erfolgte am 18. September 1928, gefolgt von weiteren Probefahrten am 20., 26. und 28. September. Am 2./3. Oktober unternahm das Luftschiff eine Deutschlandfahrt, wobei u.a. Frankfurt, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Nürnberg berührt worden sind. Auf alle diesen Fahrten wurde schon Post befördert. Die Poststücke erhielten einen Bordstempel in Rot mit dem jeweiligen Datum (erstmals am 20. September verwendet), wurden über definierten Orten abgeworfen und später beim jeweiligen örtlichen Postamt abgestempelt. Am 20. September 1928 erschienen auch die ersten Zeppelin-Flugpostmarken zu 2 und 4 RM. Im Markenmotiv war das Programm abgebildet: Aufbau eines weltumspannenden Luftverkehrs mit Luftschiffen. Die Wertstufen entsprachen den zwischen Hugo Eckener und der Reichspost ausgehandelten Porti für Karten bzw. Briefe nach Amerika, denn eine Fahrt in die USA war schon fest eingeplant worden. Auf, auf, mit LZ 127 in die USA! Die erste Transatlantikfahrt mit LZ 127 fand schließlich vom 11. bis 15. Oktober 1928 statt. Wetterbedingt hatte sich der für den 9. Oktober geplante Start verzögert. An Bord waren 40 Leute Besatzung und 20 Passagiere, unter ihnen als einzige Frau die amerikanische Journalistin Lady Drummond Hay. Hugo Eckener wählte entsprechend eingegangener Wettermeldungen eine südliche Route, ab Gibraltar begann „das Feld, auf dem unsere eigentliche Aufgabe liegt, der Atlantische Ozean“. Über Funchal, Madeira wurde Post abgeworfen. Gegen Mitternacht des zweiten Tages waren die Azoren erreicht, danach geriet das Luftschiff in ein Schlechtwetter-Gebiet. Eckener berichtet: „Es steckte zunächst die Nase weg, richtete sich aber dann schnell wieder auf und wurde in eine Schräglage von etwa vierzehn bis fünfzehn Grad je um etwa einhundertfünfzig Meter empor gerissen.“ Den Passagieren jagte das von Eckener eher als harmlos eingestufte Ereignis Schrecken ein, zumal das Geschirr von den Tischen und aus den Schränken flog; Lady Hay notierte Todesängste. Als schlimmer erwies sich ein Riss in der Stoffverkleidung der Backbordflosse, der aber in artistischer Leistung als Außenbordarbeit repariert werden konnte. Über den Bermudas erfolgte ein weiterer Postabwurf: „Nach der langen wechselvollen Fahrt über dem Wasser schien uns dieser Vorgang wieder wie eine erste Berührung mit der Welt.“ Zur US-Ostküste! Entlang der nordamerikanischen Küste wurde „Graf Zeppelin“ vom Boden her begeistert begrüßt: Washington, Baltimore, Wilmington, Philadelphia und letztlich New York. Nach 111 Stunden über rund 10000 km war der Landeplatz Lakehurst erreicht. Die Treibstoffreserven hätten noch für etwa 4000 km gereicht. Ein Meilenstein im Weltluftverkehr war gesetzt worden! Die mitgeführten Poststücke, die sämtlich unter Umschlag an das Postamt Friedrichshafen einzuschicken waren, wurden hier gestempelt und erhielten einen ovalen Bestätigungsstempel „Mit Luftschiff LZ 127 befördert“ in Blau, der aber auch (seltener) in Violett, Grün und Rot zum Einsatz kam, gelegentlich ergänzt durch den Bordstempel in Rot. Mitläufer bzw. Vertragsstaatenpost ist aus Dänemark, Danzig, Liechtenstein, Saargebiet, Schweiz und Ungarn registriert. Insgesamt wurden 37590 Karten und 28124 Briefe befördert. Die vom 29, Oktober bis l. November währende Rückfahrt brachte 51938 Karten und 49745 Briefe nach Europa, die meisten in New York aufgegeben, aber auch einige Mitläufer aus Kanada. Die Postrate war auf 50 c für die Karte und l Dollar für den Brief festgesetzt worden. Die US-Postverwaltung setzte einen hübschen Bestätigungsstempel ein. Auf in den Orient! Mit der Orientfahrt (25. - 28. März 1929) war erstmals ein Bordpostamt mit eigenem Stempel „Luftschiff / Datum / Graf Zeppelin" eingerichtet worden. Für den Zeppelinpost-Sammler eröffneten sich mit den nachfolgenden Fahrten ein riesiges Sammel- und Forschungsgebiet, das bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Die verschiedenartigen Kombinationsmöglichkeiten von Frankaturen und Stempeln, die Zuleitungen und Vertragsstaatenpost, die Fülle der Fahrplan- und Sonderfahrten - all das macht die Vielfalt und den Reiz einer Zeppelinpostsammlung aus. Mit Hearst rund um den Globus Von der Fülle der Fahrten sollen nur noch zwei herausragende erwähnt sein. Um aller Welt die Leistungsfähigkeit des Luftschiffes vor Augen zu führen, wurde eine Weltumrundung ins Auge gefasst. Da der US-amerikanische Zeitungs-Zar Hearst diese weitestgehend finanzierte und auch das Monopol journalistischer Berichterstattung hatte, setzte er als Start und Landung die Freiheitsstatue von New York fest. LZ 127 musste demnach von Friedrichshafen zum Startort fahren (l. - 5. August 1929), um am 7. August auf Weltumrundungskurs zugehen. Die erste Etappe führte wieder nach Friedrichshafen (7. - 10. August), die nächste Etappe hatte Tokio zum Ziel (15. - 19. August), gefolgt von der erstmaligen Überquerung des Pazifischen Ozeans bis Los Angeles (23. - 26. August), und nach der Überquerung der USA von West nach Ost endete am 29. August die Weltumrundung . Letztlich steuerte die Mannschaft das Luftschiff noch in den Heimathafen, wo es am 4. September ankam. Der „First Round-the-WorId-Flight“ war zur Weltsensation geworden. 41 Besatzungsmitglieder betreuten die 20 Passagiere, die jeweils 40000 Mark zu berappen hatten. Den Sammlern brachte diese Fahrt eine Fülle hochinteressanter (und heute recht wertvoller bzw. teurer) Belege, die damals mit der Aufgabe die Fahrt finanzieren halfen. Zum Nordpol Hatte das Luftschiff seine Fahrtüchtigkeit über die nordamerikanische und eurasische Landmasse und über zwei große Ozeane unter Beweis gestellt, sollte es nunmehr unter arktischen Bedingungen getestet werden. Es gab ja schon früher Versuche, mit dem Luftschiff in die Arktis vorzudringen oder gar den Nordpol zu erreichen. Werbewirksam erschien Hearst der Gedanke, am Nordpol eine Begegnung zwischen dem Luftschiff und einem aus dem Eis auftauchenden U-Boot zu arrangieren. Als der australische Polarforscher Wilkins vom U-Boot-Plan zurücktrat, wurde eine Begegnung mit dem russischen Eisbrecher „Malygin“ erwogen und letztlich durch Regierungsverhandlungen ermöglicht. Am 27. Juli 1931 kam es zur Begegnung beider Transportmittel - und zum Treffen so renommierter Polarforscher wie Ellsworth, Wilkins und Nobile. Die wissenschaftliche Leistung der Polarfahrt ist unumstritten, die politische Wirkung war bedeutend und für die Sammler, die mit ihren Postaufgaben wieder erheblich zur Finanzierung der Fahrt beitrugen, gab es wunderschöne Poststücke. Fahrplanmäßige Zeppelinfahrten Inzwischen waren Wunsch und Wirklichkeit eines fahrplanmäßigen Luftschiff-Verkehrs zwischen der alten und der neuen Welt einander näher gekommen. Nach einer Dreiecksfahrt Europa - Südamerika - Nordamerika - Europa 1930 begann im Herbst 1931 der fahrplanmäßige Südamerika-Verkehr, zunächst mit drei Fahrten, später 1932 mit neun Fahrten ausgebaut. Und das war die eigentliche Zweckbestimmung des Luftschiffes: Passagiere und Post in Regelmäßigkeit und rascher als mit dem Schiff zu transportieren. Eine 1929 veröffentlichte Karte über das entstehende Welt-Luftverkehrsnetz sah Luftschifflinien zwischen allen Kontinenten vor. Welch eine verheißungsvolle Entwicklung, die dann gestoppt wurde durch die Katastrophe des LZ 129 in Lakehurst. Das Ende war den „Zepps“ schließlich durch den 2. Weltkrieg beschieden. Ohnehin befand sich der Zeppelin in Konkurrenz zum Flugboot, und dann verwies das schnellere Landflugzeug das Luftschiff in die weitere Geschichte. Gigantische Bilanz Die Bilanz der bis Juni 1937 durchgeführten 590 Fahrten des LZ 127 ist überwältigend:1700 000 gefahrene km, 13 110 beförderte Passagiere, 39219,1 kg Post... Und transportiert wurden dabei immerhin 30442,5 kg Fracht. Unspektakuläres Ende: Im Jahre 1940 ist LZ 127 abgewrackt worden. Horst Teichmann überarbeitet M. M. |
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