| Thurn und Taxis |
|
|
|
| Geschrieben von: Administrator |
| Samstag, 20. September 2008 um 18:01 |
|
Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit - diese Tugenden können den Fürsten von Thurn und Taxis als Resümee einer fast 370 Jahre währenden Herrschaft über große Teile des deutschen Postwesens kaum abgesprochen werden. Immerhin haben sie sich dabei bis heute aus bescheidensten Anfängen heraus in den Besitz einer deutschen Fürstenkrone nebst großen Ländereien und noch mehr materieller Gütern gebracht. Welcher Mittel und Methoden sie sich dabei bedienten, schilderte ein Postrat a.D. B. Lensing aus Bocholt im Archiv für Post und Telegraphie von 1938: „Thurn und Taxissche Posten im ehemaligen Fürstbistum Münster, ihre Entstehung und ihre Beziehungen zu den münsterischen Landesposten". Dort heißt es: „Philipp der Schöne von Burgund, Sohn des Kaisers Maximilian, hatte im Jahre 1500 Francesco de Tassis zum Leiter seines Postwesens ernannt und ihm vier Jahre später den Auftrag zu dessen weiterem Ausbau erteilt. Er musste vom Hoflager des Königs reitende Boten zur Residenz des Kaisers Maximilian, zum Hofe des Königs von Frankreich und zum spanischen Hoflager in Granada oder Toledo einrichten. Diese Posten waren zunächst nicht an bestimmte Wege gebunden, sondern änderten ihren Kurs je nach dem Aufenthaltsort der Herrscher. Später bildeten sich fest stehende Linien heraus, die vom niederländischen Hof in Brüssel ausgingen, und von denen eine durch Frankreich nach Spanien, die andere über das Rheinland, die Pfalz, durch Baden, Württemberg, über Augsburg, Innsbruck, Verona, Rom nach Neapel verlief. Diese Posten schlugen im Gegensatz zu den früheren gleichartigen Einrichtungen, die meist ausschließlich den Belangen der Herrscher und ihrer Staaten oder einzelner bevorzugter Stände dienten, alsbald eine mehr dem Allgemeinen dienende Richtung ein, indem sie auf möglichst rasche, sichere und billige Weise auch Briefsendungen für Privatpersonen beförderten. Dieser entscheidende Schritt vom mittelalterlichen Botenwesen zum ersten modernen Postwesen in Deutschland (den Ordinariposten) wurde, den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen der unterschiedlich entwickelten Territorien seit Mitte des 16. Jahrhunderts entsprechend, über einen langen Zeitraum vollzogen. Es begann die große Zeit der Thurn und Taxis. Im Schutze des Kaisers Bei diesem Geschäft waren die Tassis schon bald zur Würde von Grafen gekommen. Sie dehnten unter dem ausdrücklichen Schutz der deutschen Kaiser ihre Posten immer weiter aus. Dabei machte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts der in ihren Diensten stehende Kölner Bürger Jakob Henot um ihren Ausbau sehr verdient. Auf seine Anregung erfolgte die Verstaatlichung und Monopolisierung der Reichsposten. Kaiser Rudolf II. (1574 -1612) erklärte 1597 die Post als kaiserliches Regal, nachdem er durch Patent vom 16. Juni 1595 den Grafen Leonhard von Taxis zum General-Oberpostmeister ernannt hatte. Sein General-bevollmächtigter war zunächst Jakob Henot. Beide gingen mit großem Eifer an die lohnende Aufgabe, ein innerdeutsches Postnetz zu schaffen. An dieses schlossen sich bald die bedeutendsten süddeutschen Reichsstädte Augsburg, Frankfurt, Nürnberg und Regensburg an. Kaiserliche Vorherrschaft Innerhalb weniger Jahre waren die kaiserlichen Posten auch in den westlichen Teilen des Reiches vorherrschend. Manche Städte versuchten zwar, sich gegen diese Einrichtung zu wehren. „Meist jedoch war (laut Lensing) in kurzer Zeit der Sieg für die kaiserliche Post gesichert, weil die Machtmittel der Städte gering waren und die Taxis mit rücksichtslosem Zielbewusstsein ihre Belange wahrnahmen.“ Dem unermesslichen Machtstreben der Taxis konnten sich auf Dauer nur die mächtigen Reichsfürsten im Norden Deutschlands widersetzen. Kurbrandenburg, Kursachsen, Braunschweig-Lüneburg und Hessen-Kassel wiesen die Angriffe der Kaiser auf ihre souveränen postalischen Hoheitsrechte erfolgreich ab. Auch sie hatten rechtzeitig den Wert des längst gewinnträchtig gewordenen Postwesens erkannt und verfochten mit Erfolg ihre damit verbundenen Interessen bis zum äußersten. Die Posten dieser Länder blieben damit, allen kaiserlichen Anordnungen zum Trotz, landeseigen. Die kleineren geistlichen und weltlichen Herrscher im Reiche besaßen dagegen nicht die genügende Macht, um sich gegen den vom Kaiser protegierten General-Oberpostmeister durchzusetzen. Er führte in diesen Gebieten ungehindert auf den wichtigsten und einträglichsten Strecken eine Reihe von Reichsposten ein. Damit wurde die taxische Post im Westen des Reiches durch den besonderen Einfluss Henots schon sehr früh Ton angebend. Jakob Henot hatte im Jahre 1578 sein Amt als taxisscher Postmeister in Köln angetreten. Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zu Streitigkeiten zwischen ihm und seinem Brotgeber Leonhard von Taxis, der ihn dann 1603 aus seinen Diensten „entließ“. Nach 1612 gelang es ihm jedoch, mit Unterstützung seines Sohnes und auf Verwendung des Erzbischofs von Mainz seine Unschuld nachzuweisen. Er wurde daher 1623 wieder in sein Amt als Kölner Postmeister eingesetzt und starb drei Jahre später im Alter von 90 Jahren. In Münster Fuß gefasst Im Fürstbistum Münster, in dem schon sehr früh eigene Stadt- und herrschaftliche Botendienste bestanden, hatte der Fürstbischof Ferdinand I. von Bayern (1612 - 1650) den Grundstock zu einer eigenen souveränen Landespost gelegt. Dennoch gelang es den Grafen von Taxis, auch hier bei der erstbesten Gelegenheit Fuß zu fassen. Diese bot sich, als Münster und Osnabrück im Jahre 1643 endgültig als Orte der Friedensverhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges bestimmt worden waren. Ein schon seit 1640 einsetzender Zustrom der Friedensunterhändler mit ihrem großen Tross erforderte dringend die Wiederherstellung und den Ausbau der in langer Kriegszeit weitgehend zerstörten Einrichtungen zur Beförderung von Waren, Personen und Nachrichten. Dabei erschien eine Postverbindung von Münster nach dem Rhein (mit Anschluss an die dort bestehenden Reichspostlinien) sowie nach Hamburg über Osnabrück besonders dringlich. Als erster Bewerber für diese Einrichtung erschien der Graf von Taxis auf dem Plan. Er hatte die Gewinnträchtigkeit dieser unerlässlichen Postkurse sofort erkannt und dazu bei seinem kaiserlichen Gönner die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Als der Beginn der Friedenstagung endgültig festgesetzt worden war, benachrichtigte der Kaiser seinen Wiener Gesandten von Krane durch ein Handschreiben von 1643, dass „den Taxis wegen Bestellung der Posten von Cölln über Münster und Osnabrück nach Hamburg die Nothdurfft zugeschrieben“ sei. Damit wurde ohne Verzug eine kaiserliche Reitpost Köln - Münster - Osnabrück - Hamburg eingerichtet, die jeden Mittwoch und Sonnabend von Köln aus über Haltern und Dülmen in Münster eintraf und von dort nach einstündigem Aufenthalt und Pferdewechsel über Lengerich nach Osnabrück weiter ging. Postmeister Kaspar Arninck Als seinen Vertrauensmann stellte Taxis in Münster einen gewissen Kaspar Arninck ein. Er wurde später zum Postmeister und Posthalter in Münster „mit allen gewöhnlichen und dazu gehörigen Privilegien, Gerechtigkeiten, Freiheiten, Exemptionen (Befreiung von bestimmten allgemeinen Lasten und gesellschaftlichen Pflichten), Präminentien (Prämien?) und Nützungen“ (Zuwendungen) ernannt. Dabei erscheint es sonderbar, dass einem landfremden Fürsten im Hoheitsgebiet des Fürstbischofs von Münster solche Vergünstigungen gewährt wurden - galten sie doch für die Befreiung von allen bürgerlichen Lasten, von Kriegskontributionen, Einquartierungen, von Wehrdienst und Steuern. Kaspar Arninck stand von 1643 bis 1662 ununterbrochen in taxisschen Diensten. Die Taxis richteten ferner unmittelbare strategische Postverbindungen zwischen Münster und dem kaiserlichen Hof in Wien, sowie zwischen Münster und den Niederlanden zur direkten Lenkung der Friedensverhandlungen ein. Sie fielen mit dem Abschluss des Westfälischen Friedens im Jahre 1649 wieder weg. Diese Reitposten - so genannte Ordinariposten - verkehrten einerseits aus Den Haag / Amsterdam über Zwolle, Enschede, Gronau, Burgsteinfurt nach Münster, andererseits zwischen Münster und Wien über Warendorf, Paderborn, Kassel, Erfurt und Prag. Zudem gab es während der Friedensverhandlungen außer den städtischen, fürstbischöflichen und kaiserlichen Postverbindungen von und nach Münster noch viele private Botenverbindungen auch mit kleineren Orten des Fürstbistums, womit der Nachrichtenverkehr in jeder Beziehung gesichert war. Die Nachricht vom endgültigen Abschluss des Westfälischen Friedens löste in ganz Deutschland und besonders im Münsterland unermessliche Freude aus. Um diese Botschaft möglichst schnell zu verbreiten, schickte der taxissche Postmeister Arninck am 25. Oktober 1648 aus dem Reichspostamt in Münster Postillione und Postreiter ab, die den Friedensschluss ausrufen sollten. Aus diesen Tagen stammt das noch in neuerer Zeit wiederholt interpretierte „Lied und Horngeschmetter des Münsterischen Postillions von l648“: „Freu dich! Spring auf du Christenheit, ich bring dir gute Märe. Von Osnabrück, wie dieser Zeit viel Guts beschlossen wäre. Dass ich als ein Postillion verkünden soll den Frieden schon von Münster aus Westphalen.“ Die Postpolitik des Fürstbischofs Nach dem Friedensschluss von 1648 blieben die bisher eingerichteten regulären Postlinien der Thurn und Taxisschen Reichspost im Fürstbistum Münster bestehen. Damit gab es nun an diesem Ort zwei gleichberechtigt mit einander konkurrierende Postverwaltungen. Dieser Widerspruch an sich war in einer Zeit des absoluten Kampfes aller deutschen Fürsten um die Wahrung und Sicherung ihrer hoheitlichen Rechte, unter denen das eigene Postregal mit an oberster Stelle stand, eigentlich ein Unding. Dennoch wurde es von dem 1650 an die Macht gekommenen, sonst sehr kämpferischen Fürstbischof Christof Bernhard von Galen ohne große Gegenwehr ertragen. Galen hatte mit allem Eifer damit begonnen, sein aus tausenden Wunden blutendes Land wieder aufzubauen sowie Handel und Verkehr neu zu beleben. Dazu erkannte er als das geeignetste Mittel, die erhalten gebliebenen Postlinien weiter zu fördern und dazu neue zu schaffen. Wenn er zur gleichen Zeit auch den Bestrebungen der Thum und Taxis zum weiteren Ausbau ihrer postalischen Einrichtungen keinen Widerstand entgegenbrachte, dürfte dies als ein Beispiel staatsmännischer Kunst des Fürstbischofs gesehen werden, der das Wohl seines Landes über seine eigenen Vorteile stellte. So konnte sich die Reichspost im Fürstbistum Münster fast ungehindert ausdehnen. Sie besaß am Ende des 17. Jahrhunderts in Münster vier reitende Posten, eine nach Wesel über Dülmen, Haltern und Dorsten, eine zweite nach Köln über Dülmen, Haltern, Mari, Kettwig und Düsseldorf, eine dritte nach Paderborn über Warendorf und Nietberg und die vierte nach Hamburg über Lengerich und Osnabrück. Hinzu kam noch eine kaiserliche Reitpost von Münster nach Urma über Sendenhorst und Hamm mit Anschluss an die taxissche Reitpost von Köln über Paderborn nach Hamburg. Mit der Macht wuchs das Begehren Es gelang den Grafen von Taxis sehr bald, sich das alleinige Recht der Briefbeförderung im ganzen Fürstbistum Münster anzueignen. Fürstbischof Galen ließ sie gewähren, weil er die unverkennbaren Vorteile dieser Einrichtung für sein Land und besonders seiner Handelsbeziehungen erkannt hatte. Mit der sehr gut geleiteten Reichspost, die mit den besten Postanschlüssen nach allen Richtungen im In- und Ausland konkurrenzlos war und sich zudem durch Pünktlichkeit und Sicherheit auszeichnete, hätte die eigene fürstbischöfische Post nicht konkurrieren können. Taxis hatte beispielsweise durch exakte Vorschriften die termingerechten Abgangs- und Ankunftszeiten der Reitposten in Münster geregelt, feste Gebührensätze eingeführt und in jeder Beziehung die allgemeine Benutzung der Posteinrichtungen den gesellschaftlichen Bedürfnissen angepasst. So wohlwollend sich der Fürstbischof in dieser. Angelegenheit gegenüber dem Grafen Taxis auch verhielt, umso mehr blieb er darauf bedacht, sich sein eigenes Postregal nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Schon zu Beginn seiner Regierung hatte er versucht, im Wettbewerb mit den Taxis eine eigene Postlinie von Münster nach Lippstadt einzurichten. Hier gab es einen Anschluss an die seit 1649 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der 1,, Große Kurfürst“) geschaffene strategische Postlinie von Cleve über Bielefeld, Minden, Halberstadt nach Berlin mit direkter Weiterführung nach Preußen, dem Baltikum und Russland. Außerdem kreuzte auch die Reichspost von Köln über Paderborn nach Hamburg in Lippstadt den brandenburgischen Postkurs. Diesen Plan konnte Graf Lamorial II. Claudius Franz von Taxis noch durch einen Einspruch mit Berufung auf seine kaiserliche Beleihung mit dem Postregal für das Münsterland vereiteln. Als Galen jedoch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine landeseigene Personen- und Fahrpost einrichtete, zeigte er den Taxis bei weiteren Versuchen, ihn daran zu hindern, was Sache war. Dem Bischof war nicht verborgen geblieben, welche reichen Einkünfte das dem Grafen großzügig überlassene Briefpostregal abwarf. In dem er jetzt den ergiebigen postalischen Personen- und Warenverkehr nach dem Vorbild anderer Reichsfürsten in eigene Regie nahm, versuchte er, seinen finanziellen Verlust wenigstens durch die Einnahmen der eigenen Fahrpost wieder wettzumachen. Taxis musste nun für jede neue Postanlage im Münsterland bei der Hofkammer in Münster um eine Genehmigung ersuchen. Querelen ohne Ende Die kaiserlichen Reitposten der Taxis konnten sich auch in der Herrschart der nachfolgenden Fürstbischöfe Ferdinand von Fürstenberg, Christian Friedrich von Plettenberg und Franz Arnold weiter behaupten. Obwohl ihm die Konkurrenz der Reichspost im eigenen Lande ein Dom im Auge war und er immer wieder versuchte, dieses zugestandene Recht auf die Briefbeförderung zu beschneiden, wurde es von Fürstbischof Plettenberg im Jahre 1689 erneut bestätigt. Gleichzeitig aber unterlief dieser Herrscher seine eigene Zusage, indem er die nur für den Briefverkehr, eingerichtete landeseigene Kanzleipost nach Lingen und Köln entgegen dem Protest der Taxis weiter betreiben ließ. Zudem wurden jetzt auch Briefsendungen mit der fürstlichen Fahrpost nach Wesel und darüber hinaus befördert. Fürstbischof Franz Arnold trug sich sogar mit dem Gedanken, die gesamte taxissche Briefpost in seinem Lande zu liquidieren und an deren Stelle eine Wagenpost von Leipzig über Kassel, Paderborn, Münster, Bocholt, Arnheim nach Amsterdam aufzubauen. Zu diesem Plan hatte der sächsische Ober-Postkommissar Renner fundierte Anregungen gegeben. Bei seiner Verwirklichung wäre dem preußischen und taxisschen Postwesen im Nordwesten Deutschlands großer Schaden zugefügt worden. Sie erhielten jedoch durch einen abgefangenen Brief so rechtzeitig Kenntnis, dass sofort geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden konnten. Der Fürstbischof musste sich 1714 schließlich dazu bequemen, das von seinem Vorgänger Galen im Jahre 1661 erteilte Briefvorrecht den Taxis erneut zu bestätigen. Die größte Ausdehnung gewann das Postwesen im Hochstift Münster während der langen Regierung des Fürstbischofs Clemens August von Wittelsbach / Bayern (1719 - 1761). In dieser Zeit hatten Handel und Verkehr und damit das Allgemeinwohl einen großen Aufschwung erfahren, woran die beiden münsterischen Posteinrichtungen einen großen Anteil hatten. Dabei waren die Postunternehmer Thurn und Taxis, die 1681 erbliche Fürsten und seit 1696 Reichsfürsten geworden waren, auch in dieser neuen Würde immer einflussreicher und wohlhabender geworden. Der Prunk liebende und verschwenderische Fürstbischof Clemens August war stets in erheblichen Geldschwierigkeiten. Gern hätte er die reichen Einnahmen der taxisschen Post aus seinem Lande für sich in Anspruch genommen. Er bot also jeden politischen Einfluss dazu auf, das gesamte Verkehrswesen der unterstellten Bistümer (Köln, Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück) unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Folgen einer Schaukelpolitik Clemens August erließ im Jahre 1721 eine Verordnung an die Städte seiner Bistümer, den Reichsposten künftig die Stadttore zu verschließen und damit das bestehende kaiserliche Postregal der Thurn und Taxis gegenstandslos zu machen. Die wiederum wandten sich an den Kaiser Karl VI. (1711 - 1740), der diesen Versuch postwendend revidierte. Dazu schrieb der Kaiser an den Fürstbischof, „er sei zweifellos nur durch übel gesinnte Ratgeber zu diesem rechtswidrigen Schritt verleitet worden. Er solle vielmehr dem rühmlichen Beispiele seiner Vorfahren nachfolgen und die Reichsposten zu seines Landes Besten auf jede Weise fördern.“ Weil Clemens August vielfach auf kaiserliche Hilfe angewiesen war, nahm er von seinem Vorhaben Abstand und erneuerte das 1661 durch Bernhard von Galen zugestandene Privileg an die Reichspost. Im Verlaufe seiner langen Regierungszeit hat dann dieser Fürstbischof die landesherrlichen Wagenposten mit großem Eifer und unter Aufwendung beträchtlicher Geldmittel weiter gefördert. Er schuf die Grundlagen für eine geordnete Verwaltung und ordnete eingehend die Dienstverhältnisse des Personals. In Streitigkeiten mit den benachbarten Postverwaltungen von Preußen und Hamburg vertrat die Hofkammer mit Nachdruck die Rechte des Bischofs. Gegenüber den Fürsten von Thurn und Taxis aber verfolgte er, im Gegensatz zu früher, jetzt eine friedliche Postpolitik. Er räumte ihnen sogar neue Vorrechte ein und verteidigte sie auch gegen unberechtigte Eingriffe benachbarter Landesherren. Diese von stets wechselnden Interessen bestimmte Schaukelpolitik hat dann dazu geführt, dass der Reichspost im Jahre 1742 die Einrichtung einer neuen Postlinie Münster - Frankfurt / Main über Drensteinfurt und Hamm, quer durch das Sauerland, gestattet wurde. Von dort wurde eine Postverbindung mit Mergentheim hergestellt, wo der inzwischen zum Hochmeister des Deutschritterordens gewählte Fürstbischof häufig Hof hielt. Auch hier heiligte der Zweck die Mittel... Gegen Ende seines Lebens kümmerte sich Clemens August immer weniger um sein Bistum Münster. Nach und nach zerfiel die durch ihn geförderte Landespost, bis sie in den Wirren des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) praktisch den Todesstoß erhielt. Die Post der Thurn und Taxis aber konnte sich mit Hilfe ihrer weit verbreiteten Organisation und Kraft in Deutschland auch im Münsterland weitgehend behaupten. In dieser Situation kam es 1763 zur Verpachtung der Landespost an den bisherigen Ober-Postkommissar Duesberg, der diese Einrichtung dann bis zur Übernahme des Fürstbistums im Jahre 1802 durch Preußen und darüber hinaus erfolgreich - nun als preußischer Postmann - weiterführte. Obwohl die Thurn und Taxis ebenfalls an einer Einverleibung interessiert waren, traten sie noch vor dem Termin des Reichsdeputations-Hauptschlusses von Regensburg im Jahre 1803 schließlich doch von diesem Plan zurück, um danach umso nachdrücklicher ihre Ansprüche auf diese Posten im Münsterland zu vertreten. Der taxissche Beauftragte im Hauptschluss, Baron von Treuenfeldt, behauptete dabei, die kaiserliche Post in Münster sei bereits vor dem Friedensvertrag von Lüneville im Jahre 1801 (als Stichtag für einen Bestandsschutz) immer als Reichsdeputat tätig gewesen. Preußen widerlegte dies mit dem Hinweis auf eine Regelung von 1661 durch Fürstbischof Galen auf Widerruf (precario modo). Die Verhandlungen schleppten sich hin. Nachdem der Streit ausuferte, ordnete der preußische König Friedrich Wilhelm III. (1797 - 1840) im Jahre 1803 endgültig an, die Reichspost der Thurn und Taxis aus Münster zu entfernen. Und dabei blieb es, denn Preußen war inzwischen stärker, als das in Auflösung begriffene Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Fritz Steinwasser überarbeitet M. M. Quelle : Archiv für Post und Telegraphie, 1938: „Thurn und Taxissche Posten im ehemaligen Fürstbistum Münster, ihre Entstehung und ihre Beziehungen zu den münsterischen Landesposten“ von Postrat a.D. B. Lensing, Bocholt |
Neuaufnahme im Shop:
Überarbeitung im Shop:
|
Partnerseiten
Briefmarkenfreunde 1924 e.V. MGPhilaSeiten.de Philanet |