| Heuss - völlig von der Rolle...(1) |
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| Samstag, 20. September 2008 um 13:02 |
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Neben den Postwertzeichen aus Bogen und MHB sind bereits kurz nach der Ausgabe der ersten Heuss-Marken auch Werte in Form von Rollen herausgegeben worden. Um den Hintergrund und die Bedeutung der Erscheinungsform von Briefmarken in Rollen etwas anschaulicher darzustellen, folgt hier zunächst ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Rollenmarken. Bereits vor fast 100 Jahren (ca. 1908) fing die Reichsdruckerei (die Vorgängerin der Bundesdruckerei) damit an, versuchsweise Rollenmarken aus Schalterbogen zu fertigen, um das Frankieren von großen Mengen von Postsachen für Großabnehmer einfacher zu gestalten. Zunächst einmal wurden dazu mangels besserer Technik einhundert Schalterbogen aneinander geklebt, um Rollen von 1.000 Marken herzustellen. Erst 1911 ging man dazu über, von Rotationsdruckmaschinen aus den Endlospapierbahnen Rollenmarken ohne Klebestellen zu fertigen. Abnehmer dieser Marken waren vornehmlich Firmen, die ganze Rollen kauften, um ihre Post damit zu frankieren oder Werbedrucksachen in größerer Menge rationeller zu bekleben. In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg gab es eine ganze Reihe von Marken des Deutschen Reiches, die in Rollen produziert worden sind. Mit dem Zusammenbruch 1945 ging natürlich auch das Postaufkommen erheblich zurück und es dauerte wieder einige Jahre, bis mit der wieder erstarkten Wirtschaft auch der Bedarf nach Frankaturware - insbesondere für Werbezwecke - wieder anstieg. Nach dem Kriegsende dauerte es allerdings noch einige Zeit, um diese druck- und produktionstechnisch ziemlich aufwendige Form von Briefmarken in Rollen wieder herzustellen. Im Gegensatz zur Bogenherstellung wurden die Klischees, die den Ober- und Unterrand der Marken enthielten, gegen normale mit Marken ausgetauscht. Auf diese Weise erhielt man, wenn die fertigen Marken nicht in Bogen getrennt wurden, endlose aufgewickelte Bahnen, die man dann in Rollen zu je 500 oder später auch 1.000 Marken aufteilte. Da nicht nur die Technik der Herstellung ziemlich aufwendig war, sondern auch die Verpackung, wurden erstmals im Sommer 1951 von der Bundesdruckerei mit den Posthornmarken zu 10 Pf und 20 Pf in Deutschland wieder Rollenmarken produziert, im Frühjahr 1952 folgten dann Rollen des Wertes zu 4 Pf. Bei der Fertigung von Marken in Bogen kann man einen so genannten Druckbogen genau definieren. Beim Zweiformendruck erhält man zwei Schalterbogen pro Druckbogen(zwei Bogen übereinander), beim Vierformendruck sind es insgesamt vier Schalterbogen(zwei mal zwei Bogen a 100 Marken). Diese exakte Abgrenzung kann man bei der Rollenfertigung natürlich nicht vornehmen, da keine Bogenränder vorhanden sind und die Trennung in Schalterbogen nach dem Druck nicht erfolgt. Aber durch eine Umdrehung der Druckwalze entstehen 10 x 22 Marken beim Zweiformendruck und 20 x 22 Marken beim Vierformendruck. Steigender Markenbedarf mit zunehmendem Wirtschaftswachstum: Mit dem Wirtschaftswunder erhöhte sich auch das Postaufkommen erheblich. Viele Firmen meldeten großen Bedarf an Rollenmarken an, insbesondere für Werbedrucksachen. Diese Anfang der 50er Jahre herausgebrachten Rollenmarken unterschieden sich natürlich noch stark von den später üblichen Rollenwertzeichen. Genau wie die Ausgaben des deutschen Reiches wiesen sie noch keine Nummern auf und es wurden nur komplette Rollen abgegeben. Briefmarkenhändler blieben daher meist die einzige Quelle für die Beschaffung der für die Sammler so wichtigen 11er-Streifen, anders konnte damals ein Nachweis der Herkunft von Marken aus Rollen nicht erbracht werden. Nur wenige Philatelisten hatten Zugang zu den Poststellen großer Firmen, um sich von dort mit den gewünschten Einheiten zu versorgen. Die Existenz von Rollenmarken war daher auch nur einer relativ kleinen Schar von Sammlern bekannt. Außerdem machte der hohe Preis für elf Exemplare einer Marke das Sammeln von Rollenmarken von vorne herein nur zu einer Angelegenheit für betuchtere Philatelisten, so dass sich in der Nachkriegszeit nur wenige diesen Luxus leisten konnten. Die standesgemäße Unterbringung der Rollenmarken stellte ein weiteres Problem dar, das erst in den achtziger Jahren durch Angebote passender Alben gelöst werden konnte. Entsprechend wenige dieser Stücke aus der Anfangszeit sind heute erhalten geblieben, und ziemlich hoch sind daher die heute bewilligten Preise für die 11er-Streifen oder Rollenenden der ersten Nachkriegs-rollenmarken. (Eine beim Auktionshaus Grobe & Lange im Herbst 2001 angebotene Zusammenstellung von alten Rollenmarkenstreifen und -enden von Bund und Berlin erbrachte bei einem Ausruf von 2.000 Mark den stolzen Zuschlag von immerhin 17.500 DM). Erst im Zuge der Postautomation, im Rahmen der Rationalisierung von Herstellung und Abgabe der Briefmarken, wurden die Rollenmarken zur Erleichterung der Abrechnung mit rückseitigen Nummern versehen. Da dieser Übergang in den Produktionszeitraum der Heussmarken fiel, existieren heute von dieser Dauerserie Rollenmarkenausgaben ohne und mit Nummer. Und in diese beiden großen Teilabschnitte kann man die Heussausgaben auch deshalb einteilen. Die Heuss-Rollenmarken ohne Nummer Bereits im Februar 1954, also kurz nach der Ausgabe der ersten Marken dieser Serie wurden die ersten Rollen von der Drucksachenmarke zu 4 Pf hergestellt. Für die mit dem Aufschwung der Wirtschaft einhergehenden umfangreichen Werbemaßnahmen wurden die Vierer wieder in großen Mengen benötigt, denn das Verkleben von Bogenmarken war wesentlich zeitaufwendiger und Freistempelmaschinen gab es noch nicht im gleichen Umfang wie heute. Es folgten dann innerhalb kurzer Zeit Rollen zu 500 Marken der Werte zu 10 Pf und 20 Pf und ab Anfang 1955 auch von der neuen Drucksachenportomarke zu 7 Pf. Auf Wunsch der Wirtschaft wurden später auch von den Werten zu 7 und 20 Pf Rollen zu 1.000 Marken hergestellt. Im September 1955 kam dann auch der Füllwert zu 5 Pf in Rollen zu 1.000 Stück heraus. (Ob es auch vom 10 Pf-Wert Rollen zu 1.000 Marken ohne Nummerierung gegeben hat, ist noch nicht ganz geklärt. Im Amtsblatt 354/1955 vom 12. Juli wird mitgeteilt, dass neben den oben bereits genannten Werten auch die Marke zu 10 Pf in dieser Größe hergestellt worden sein soll. Im MICHEL-Rollenmarkenkatalog wird diese Rollengröße aber nicht erwähnt; auch im Spezialkatalog von Herrn Rumpel ist sie nicht aufgeführt). Alle diese Marken wurden wieder vornehmlich für Firmen produziert, die Abgabe erfolgte daher zunächst nur in kompletten Rollen oder einzeln aus den bekannten gelben Automaten mit der Kurbel, wie sie noch Jahrzehnte später Verwendung fanden. Ende 1955 und im Frühjahr 1956 folgte dann (wohl ebenfalls auf Wunsch der Wirtschaft) die Produktion der am meisten benötigten Stichtiefdruckwerte 40 Pf (für Briefe über 20 g) und 70 Pf (Einschreibbrief) in Rollen zu 1.000 Stück. Es handelte sich dabei um die ersten deutschen Briefmarken dieses Druckverfahrens, die als Rollenmarken hergestellt wurden (eine Rollenmarkenproduktion von Tiefdruckmarken war von früheren Markenausgaben nicht möglich, da erst die Heussmarken von 30 Pf bis 3 DM im großen Stil im Rotationsdruck hergestellt worden sind. Bei den Ausgaben der Posthornserie wurden die höheren Werte ab 30 Pf zunächst ebenfalls im Stichtiefdruck per Platte gedruckt, erst später folgte die Produktion im Stichtiefdruck-walzendruck). Das größere Format dieser Marken machte die Produktion und Verpackung zu einer aufwendigen Angelegenheit. Auch der damals horrende Preis von 400 bzw. 700 Mark für eine ganze Rolle war daher nur für Firmen oder Briefmarkengroßhändler erschwinglich. Zum Vergleich:ein ganzer Karton mit zehn Rollen der Mi.-Nr. 191 kostete Mitte der 50er Jahre etwa so viel wie ein fabrikneues Auto(!). Die Nachfrage war dementsprechend gering. Es wurden nur je 10.000 Rollen von diesen Marken in Rollen hergestellt. Auch war eine Unterscheidung der 500er von der 1.000er Rolle in Zeiten der nummernlosen Rollen anhand der Marken alleine nicht möglich; nur die Verpackungsbanderolen mit Daten über die enthaltene Markenmenge gaben Aufschluss über die Rollengröße. Zur damaligen Zeit war die Bedeutung des Absatzes von Briefmarken in Rollenform noch niemanden bewusst. Der Verkauf erfolgte ja auch praktisch nur an Großabnehmer oder einzeln für die Postkunden aus den Automaten mit der Kurbel. Eine Abgabe vom Schalter war (noch) nicht vorgesehen. Von allen damals existierenden Werten gab es auch nur die gängigsten in Rollenform. Die Stückzahl der in Rollen produzierten Marken eines Wertes war daher im Verhältnis zur Gesamtauflage verschwindend gering (damals wurden die Leute allerdings auch nicht so mit Werbesendungen „zugemüllt“ wie heute). Erst als die stark gestiegene Nachfrage nach Briefmarken bei gleichzeitigem Personalmangel (es herrschte damals Vollbeschäftigung!) die rationellere Abgabe von Briefmarken notwendig machte, kam man auf die Idee, die Rollenmarken auch in den vom Kunden gewünschten Mengen vom Postschalter aus zu verkaufen. Bevor es dazu kam, verlangte der deutsche „Amtsschimmel“ natürlich nach präzisen Möglichkeiten, um die in einer Restrolle noch enthaltenen Marken zu zählen und ihren Geldwert zu ermitteln. Eine angefangene Rolle jedes Mal abzuwickeln und die noch enthaltenen Marken zu zählen, war zu aufwendig. Daher wurden Marken mit rückseitiger Nummer entwickelt, die aus den damals modern erscheinenden so genannten Schalterwert- zeichengebern von den Postbeamten in gewünschter Stückzahl an die Kunden abgegeben werden konnten. Moderne Zeiten - Rollenmarken mit rückseitiger Nummer Im Amtsblatt 133 vom 3. Dezember 1957 kündigte die Post schließlich die Abgabe dieser nummerierten Rollen an: Für die Schalterwertzeichengeber (Hand) sind Postwertzeichen-rollen zu 1.000 Stück folgender Werte hergestellt worden: 5 Pf, 7 Pf, 10 Pf, 15 Pf, 20 Pf, 25 Pf, 40 Pf, 70 Pf. Jede fünfte Marke dieser Rollen ist auf der Rückseite mit einer Zahlenangabe versehen, aus der die Stückzahl der auf der Rolle noch vorhandenen Postwertzeichen hervorgeht. Nun wurden Rollenmarken auch für den Otto-Normalverbraucher unter den Philatelisten bekannt und interessant. Neu war vor allem ab Mitte 1957 die Ausstattung der Postämter in großem Stil mit den schon erwähnten Wertzeichengebern, Vorläufer der Geräte, wie man sie heute von jedem Postschalter kennt. Damit war auch eine Abgabe der Rollenmarken in geringen Mengen vom Schalter aus möglich(berüchtigt waren und sind diese Geräte vor allem wegen der scharfen Abrisskante in Sägeform, die bei übereiltem oder nachlässigem Umgang häufig oben oder unten verkürzte Marken produzierte). Diese einfach abzurechnenden Rollenmarken wurden in kurzer Zeit der Renner an den Postschaltern. Im Zuge der Umstellung auf nummerierte Rollen gab die Post gleich einige weitere häufiger benötigte Werte in dieser Form heraus: die Marken zu 15 und 25 Pf, diese Werte wurden ebenfalls nicht mehr nur in Bogenform gedruckt. Damit sah die Palette der Heuss-Marken in Rollenform schon ziemlich umfangreich aus, da auch die Stichtiefdruckwerte zu 40 und 70 Pf der Serie Heuss II in Rollen mit Nummern produziert wurden. Nun konnten alle gängigen Werte auch rationell von «den Wertzeichengebern in gewünschter Menge am Schalter angeboten werden. Die Bundesdruckerei schlug mit dieser Umstellung gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die immer stärker werdende Nachfrage nach Briefmarken zu 25 Pf konnte mit den bisher nur im Plattendruck hergestellten Bogenmarken nicht mehr gedeckt werden. Also wurde bei diesem Wert die Einstellung dieser langsamen Einzelbogenfertigung beschlossen und die 25er fortan nur noch im Rotationsdruckverfahren hergestellt: in Rollen zu 1.000 Marken mit Nummern und im Walzendruck in Bögen, beides von der gleichen Maschine mit den oben bereits erwähnten Wechselklischees für Bogen- oder Rollenfertigung. Außerdem hatten die Marken von Heuss II auch das gleiche Format wie die Buchdruckwerte der Ausgabe von 1954. Heuss I war die letzte bundesdeutsche Dauerserie, von der es Briefmarken in unterschiedlichen Formaten gab (Größe I für die Buchdruckwerte, Größe II für die Pfennigwerte im Stichtiefdruck und Größe IV für die Markwerte). Schlussverkauf der alten Rollenmarken In den Postwertzeichenverteilungsstellen der Oberpostdirektionen waren allerdings zum Zeitpunkt der Neuausgaben der nummerierten Rollenmarken noch umfangreiche Restbestände der Rollen ohne Nummer vorrätig und drohten zum Ladenhüter zu verkommen. Also erfolgte auf Anweisung von oben ein Ausverkauf in abrechnungsfreundlichen 10er und 20er Streifen von den Postschaltern aus. Damit wurden die alten Rollenmarken auch für Sammler mit kleinen Geldbeuteln erreichbar und es war nicht mehr notwendig, auf die teuren Angebote der Händler beim Rollenmarkenkauf zurück zu greifen. Die meisten der heute noch erhalten gebliebenen Elferstreifen der Rollenmarken ohne Nummer (insbesondere der höheren Werte) dürften aus dieser Schlussverkaufsaktion stammen. Um die Restbestände der unnummerierten Marken an den Postkunden zu bringen, waren auch die Postler nicht gerade unkreativ. Pfiffige Beamte kamen auf die Idee, die Nummern handschriftlich mit Bleistift auf der Rückseite zu vermerken. Wesentlich „cooler“ gingen die Mitarbeiter der Post in Bremerhaven zu Werke. Dort wurde Mitte des Jahres 1959 ein Paginierstempel verwendet, um die noch vorhandenen Rollen zu 40 Pf von Heuss I in einen abrechnungstechnisch zeitgemäßen Zustand zu versetzen. Da ein solcher Stempel anders zählte, konnte man nicht jede fünfte Marke stempeln. Also wurde kurzer Hand jede Marke rückseitig mit einem, violetten Stempelabdruck versehen und fertig war das Bremerhavener Rollenmarkenprovisorium - die heute teuerste und seltenste einzelne Rollenmarke aller Bundausgaben, von der nur ungefähr drei Rollen in Handarbeit hergestellt worden sind. Im MICHEL-Rollenmarkenkatalog von 1999 wird dieses Stück sogar mit 800 MM bewertet, ein stolzer Preis. Eine Bewertung für die gestempelte Erhaltung ist nicht vorhanden. Da der größte Teil der Auflage wohl jedoch bedarfsgemäß und unerkannt verwendet worden ist, sollte auf Briefstücken vielleicht noch das eine oder andere Exemplar mit Stempeln von Bremerhaven aus dem Jahr 1959 vorhanden sein. Im gleichen Postamt sollen auch Rollen der 70 Pf-Marke mit roter Farbe rückseitig gestempelt worden sein. In Freudenstadt haben angeblich ebenfalls kreative Postbeamte 70 Pf-Marken von Heuss I rückseitig mit Handstempeln versehen. Ein Paar dieser Marken wurde im Juni 2001 bei Grobe und Lange für 180 DM verkauft. Für die letztgenannten Stücke gibt es allerdings keine postamtliche Bestätigung. Soweit bekannt, werden diese aufgrund der Möglichkeit der Manipulation auch nicht geprüft. Spezialisierung auf die Marken einer Dauerserie - erst bei Heuss gesellschaftsfähig Zwar gab es auch schon vor dem Krieg Sammler, die sich mit Rollenmarken beschäftigten, denn aus der Inflazeit war noch einiges Sammelnswertes aus Restbeständen vorhanden, aber die Existenz von rückseitigen Nummern auf den Marken ergab wesentlich mehr Möglichkeiten, sich intensiver mit den Varianten von nur einer Dauerserie zu beschäftigen. Heute ist die Spezialisierung auf ein einziges Sammelgebiet weit verbreitet. Vor 50 Jahren sah das etwas anders aus. Deutschland hatte damals vier Gebiete, die Briefmarken herausgaben (Bund, Berlin, DDR und Saar). Das Sammeln von Dauerserien war damals noch nicht gesellschaftsfähig oder sogar verpönt. Um das etwas besser zu verstehen, muss das Rad der Zeit etwas zurück gedreht werden. In den 50er Jahren war die Kritik an der Gestaltung der deutschen Dauerserien und Sondermarken mannigfaltig, und in fast jeder philatelistischen Zeitschrift konnte man über Beschwerden der Sammler und Eingaben an den Bundespost-minister lesen. Der heute wohlbekannte Kunstbeirat für die Auswahl der Briefmarken war damals eigens ins Leben gerufen worden, um eine aus Sammlersicht bessere Qualität bei der Gestaltung der Briefmarken zu erzielen. Auch die Heuss-Marken waren ein Ergebnis dieser Kritik. Bereits bevor die Posthornmarken an den Schaltern zu haben waren, wurden Stimmen und Proteste über die schlechte Gestaltung der Marken laut (!). Sogar der deutsche Bundestag beschäftigte sich damit und rief den oben erwähnten Ausschuss ins Leben, der eine objektive Beurteilung der Entwürfe vornehmen sollte. Die Post bekam die Auflage, innerhalb von etwa zwei Jahren eine Dauerserie zu gestalten, die bei den Sammlern mehr Anerkennung finden sollte. Das war dann mit sehr kurzer Vorlaufzeit die Heuss-Serie. Die Marken dieser Ausgabe erfuhren über das Jahrzehnt ihrer Verwendung zahlreiche Veränderungen aufgrund von technischen Fortschritten und der Weiterentwicklung von Druck- und Ausgabetechniken. Es entstanden etliche Varianten beiden Bogen und Rollen, Heftchen und Ganzsachen, die das Sammeln der Marken dieser Dauerserie zu einer interessanten und vielfältigen Aufgabe machten. Bei den Rollenmarken entstanden durch die Abgabe aus Automaten, die aufwendige Verpackung und die mit der Herstellung aus Endlosrollen verbundenen technischen Schwierigkeiten weitere Varianten, die wir von anderen Markenformen in dieser Form nicht kennen: Rollenenden in verschiedenen Formen und Leerfeldfarben, Rollenanfänge, Flickstellen, Ausgleichszähne, Einzelmarken mit gerader und ungerader Nummer, Dreier-, Fünfer- und Sechserstreifen (mit zwei Nummern), also ein Eldorado für Spezialisten. Die Varianten der Rollenmarken mit und ohne Nummern rannten bei spezialisierungs-freudigen Philatelisten offene Türen ein. Als es nun anhand der Nummern auch noch möglich war, 500er und 1.000er Rollen voneinander zu unterscheiden und die ungeraden l .000er Nummern in drei- und vierstelligen Typen auftauchten, war ein neues Sammelgebiet entstanden: das Zusammentragen von Rollenmarken in jeder möglichen Form. Die ab 1958 verwendeten Postwertzeichenpapiere mit glatter Gummierung brachten weitere Varianten. Diese Vielfalt offenbarte sich natürlich nicht gleich bei der Ausgabe der Marken. Denn wie üblich gingen Post und Bundesdruckerei mit ihren Neuerungen nicht hausieren. Erst die umfangreichen Recherchen akribisch forschender Sammler brachten diese Besonderheiten teils erst sehr viel später ans Tageslicht des Philatelistenalltags. Da damals noch nicht sehr viele Sammler diese Spezialitäten zusammen trugen, sind die meisten dieser Besonderheiten heute hoch bezahlte Raritäten. Und einige dieser Besonderheiten sind auch heute noch nicht umfassend erforscht.
Uwe Bleeker
Leserhinweis: Diese ArGe beschäftigt sich mit der Erforschung der Besonderheiten der beiden im Titel genannten Dauerserien. Kontakte und Informationsmaterial über : |
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