| Gewinne, die in Ecken stecken |
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| Samstag, 20. September 2008 um 13:49 |
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Bereits seit einigen Monaten kann man beobachten, dass Bogenecken von bundesdeutschen und Berliner Markenausgaben sich wieder steigender Nachfrage und entsprechend anziehender Preise erfreuen. Den Gründen für diese Bevorzugung, die durchaus vielfältig sein können, wollen die folgenden Überlegungen nachspüren. Dies soll einerseits anhand der philatelistischen Merkmale solcher Eckrandstücke geschehen und sich andererseits auf Marktpreise stützen, die während der ersten Monate des Jahres 2003 im wesentlichen bei Auktionen notiert wurden. Die folgenden Betrachtungen werden sich auf Ausgaben der Bundesrepublik konzentrieren - mit dem generellen Hinweis, dass der Sachstand für Berliner Markenausgaben Sehr ähnlich ist. Schon für Standardware von Bund (und auch von Berlin) gilt zunächst, dass sie sich in den vergangenen Monaten nach den teils empfindlichen Bewertungsreduktionen, die der MICHEL-Katalog im Zuge der Währungsumstellung von D-Mark auf Euro vorgenommen hat, wieder leidlich erholen könnte. Ungeachtet verbreiteten Wehgeschreis über die sich verfinsternde Zukunft der Bund-Philatelie angesichts eines befürchteten fortschreitenden Wertverfalls, hat das Preisniveau sich im vergangenen Jahr mindestens stabilisiert und zeigt nicht nur vereinzelt positive Tendenzen. Einzige, aber entscheidende Voraussetzung ist tadelsfreie Markenqualität und, bei gestempelten Marken, die (ggf. von Prüfern versicherte) Gewissheit, dass die Abstempelungen echt sind. Frühe Sätze der Bundespost, die diese Kriterien erfüllen, kosten heute bei Auktionen im Durchschnitt bereits um zehn Prozent mehr als noch vor Jahresfrist. Und da auch der Handel sich zu diesen Konditionen noch bei Auktionen bevorratet, besteht Hoffnung, dass es sich um mehr als bloßes Strohfeuer handelt. Denn der Handel würde kaum dauerhaft zu höheren Preisen nachkaufen, wenn er nicht die Erwartung hegte, dass er diese Konditionen an seine Kundschaft entsprechend weitergeben könne. Bogenecken keine Eckensteher Gerade in den ersten Monaten dieses Jahres erweist sich, dass Eckrandstücke bundesdeutscher Marken, vor allem der frühen Ausgaben, diese preisliche Entwicklung nicht nur mitvollziehen, sondern geradezu anführen. Ein erster Grund für diese Bevorzugung ist bereits angedeutet worden: das Qualitätsargument. Denn zumindest für postfrische Bogenecken gilt, dass der Sammler sich um die Zähnungsgüte zumindest an zwei Markenseiten keine Gedanken machen muss. Wenn an einer Marke zweiseitig intakte (nicht vorgefaltete oder angetrennte!) Bogenränder anhängen, dann ist die Zähnung dort definitionsgemäß einwandfrei. Ein zweiter Grund ist ein wenig trügerisch. Er scheint ebenfalls auf der Hand zu liegen, ist in unserem Zusammenhang aber nur bedingt einschlägig: Denn manche Bogenecken empfehlen sich persee der ganz besonderen Beachtung und Wertschätzung. Es sind jene, deren Eckränder Merkmale tragen, die andere Randstücke nicht aufweisen und die sie gerade deshalb für den Philatelisten zusätzlich interessant machen. Dazu zählen, wie hier im Bild gezeigt, Bogennummern (z.B. bei Mi.-Nr. 116, sonst meist mittig am Seitenrand), Hausauftragsnummern (z.B. Mi.-Nr. 209, bei Bund eh selten und sonst meist auf der Mitte des Unterrandes), Plattennummern und Drucker- kennzeichen bei Posthorn und anderen Dauerserien etc. Solche Stücke tauchen in den Katalogen, philatelistisch wohlbegründet und im übrigen marktkonform, mit eigenen Unternummern und Bewertungen auf. Sie erfordern daher eine Beurteilung, die von der für Bogenecken ohne vergleichbare Merkmale unabhängig ist. Auch die in letzter Zeit wieder zunehmend gesuchten so genannten „Korrigierten Bogenwertzudrucke“ (KBWZ) bei bogenweise klischeegestempelten Marken vor allem aus den siebziger bis neunziger Jahren gehören im Prinzip hier her. Mehrere große Sammlungen solcher KBWZ von Bund und Berlin haben in den letzten beiden Jahren bei Auktionen ganz bemerkenswerte Kurse erzielt. Eine Zwitterstellung nehmen in dieser Hinsicht, drittens, die Formnummern ein, die bei den meisten bundesdeutschen Ausgaben zumal der ersten Markenjahrzehnte auf der rechten unteren Bogenecke stehen (eine Ausnahme bilden die Mi.-Nr. 111-112, deren Plattennummern unter Feld 45 auf die Mitte des Unterrandes aufgedruckt sind.). Da manche Ausgaben, namentlich die hochauflagigen Dauerserienwerte, von mehr als nur einer Druckform gefertigt worden sind, können die Bogenecken ein und derselben Marke entsprechend verschiedene Formnummern aufweisen. Im MICHEL-Katalog wird nur in Ausnahmefällen auf diese Nummern hingewiesen. Der Interessent findet sie jedoch vollständig erfasst und bewertet in Spezialkatalogen von Günther Schwarz aus Ratingen. Da es sich zu einer kleinen philatelistischen Lebensaufgabe auswachsen kann, eine komplette Formnummern-Dokumentation etwa für eine Dauerserie einzeln zusammenzutragen, boomen auf dem Markt zunehmend Komplettangebote dieser Erhaltungsform. Zu heftigen Gefechten zwischen schriftlichen, Saal- und Telefonbietern kam es beispielsweise im Januar bei einer Steltzer-Auktion in Oberursel. Zwei Sätze Heuss II postfrisch mit geriffelter Gummierung (Mi.-Nr. 259-265v) einheitlich mit den Formnummern „l“ und „3“ wurden dort erst für 360 (Ausruf 40) Euro zugeschlagen, drei Sätze mit glatter Gummierung (Mi.-Nr. 259-265w) und den Formnummern „2“ bis „4“ mit 420 (60) Euro. Das spricht für sich selbst. Viertens mögen auch ästhetische Gründe die floride Vorliebe für Bogenecken beflügelt haben. Vielen scheint diese Erhaltungsform nicht nur optisch attraktiver als nackte, randfreie Marken. Sie entspricht vielmehr auch einer inzwischen offenbar fest etablierten Neigung, sich - wenigstens zusätzlich zur Normalsammlung im standardisierten Vordruckalbum - auch das Besondere zu gönnen. Dass darf dann getrost auch etwas mehr kosten, getreu dem Slogan der Zigarettenwerbung aus den Siebzigern, dass es schon immer etwas teurer gewesen sei, einen besonderen Geschmack zu haben. Außerdem fällt auf dem Markt, fünftens, auf, dass gestempelte Eckrandstücke wenigstens so gesucht sind und auch mindestens so gute Kurse erzielen wie postfrische Ecken. Zwar ist die Zahl derjenigen, die gestempelte Bogenecken sammeln, traditionell kleiner als die der Postfrisch-Freunde. Dafür sind aber auch das Angebot und der potentielle Nachschub deutlich geringer. Dass Bogenecken von postfrischen Marken nicht abgetrennt werden, ist unter Sammlern verständlich. Gleiches mag auch noch für Ecken mit Entwertungen der Versandstellen gelten. Bei postalisch gebrauchten Marken fehlen die Ränder jedoch fast immer. Das macht die Nachbeschaffung ausgesprochen schwierig. Hier tritt zudem das Qualitätsproblem neu in den Vordergrund. Gebrauchte Bogenecken tragen allermeist Spuren der Verwendung, wie leicht gestauchte Ränder, unsaubere Stempel, im Wasserbad angetrennte Zähne u. dgl. mehr. Wirklich einwandfreie Stücke für die Sammlung zu beschaffen, erfordert viel Ausdauer und Geduld oder eben die Bereitschaft, bei Auktionsgeboten entsprechend großzügiger zu Werke zu gehen. Auktionsbeispiele 2003 Abschließend zur Illustration des vorstehend gesagten einige wenige Preisbeispiele, die während der ersten drei Monate dieses Jahres bei verschiedenen Auktionen für Bund-Eckrandmarken oder -Sätze notiert wurden. Es sind jeweils zwei Preise angegeben, der Ausruf und der Zuschlag, sowie die prozentuale Relation des aus dem Zuschlag errechneten Endpreises zur MICHEL-Bewertung. Dabei verdient Beachtung, dass zum Teil nicht Sammler, sondern Händler die Auktionskäufer waren. Gestempelte Ecken sind bei Liebhabern aus guten Gründen mindestens so gesucht wie postfrische. Mi.-Nr. 113-115 gestempelt, verschiedene Bogenecken: Ausruf 70 Euro/Zuschlag 150 Euro/MICHEL-Relation 126 Prozent. Mi.-Nr. 117-120 postfrisch, einheitlich rechte untere Bogenecke: Mi.-Nr. 121-122 postfrisch, einheitlich rechte untere Bogenecke: Mi.-Nr. 139-140 gestempelt, Ecken rechts bzw. links oben: Mi.-Nr. 140 postfrisch, rechte obere Bogenecke: Mi.-Nr. 143-146 postfrisch, einheitlich linke obere Bogenecke: Mi.-Nr. 144-146 gestempelt. Teilsatz, verschiedene Bogenecken: Mi.-Nr. 167-170 postfrisch, einheitlich rechte untere Bogenecke mit Formnummer „l“: 80 Euro/140 Euro - 177,4 Prozent. Gerd H. Hövelmann |
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