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Samstag, 20. September 2008 um 13:55

Wohlfahrtsmarken vor 50 Jahren

Im Oktober 1956 erschien die traditionelle Wohlfahrtsserie der Bundesrepublik erstmals in neuer, zeitgenössischer Gestaltung aus der Hand des Grafikers Bert Jäger. Die Porträtserien wurden von grafisch strukturieren Darstellungen abgelöst. Wertgewinner blieben die Spitzenwerte. Der Wechsel in der Motivgestaltung stellt sich in mehrfacher Hinsicht dar. So wurde aus den zeitlosen Hochformaten mit sorgfältig schattierten „Köpfen“ im Stichtiefdruck ein Quartett im Querformat, gedruckt in klaren Farben im Offset-Verfahren. Die Tätigkeit der Menschheitshelfer Dr. Ignaz Semmelweis, der Hebamme, Mutter und Krankenschwester kommt durch szenische Zeichnungen im Stil von Holzschnitten zur Geltung.

Die Wertstufen blieben gegenüber 1955 unverändert: 7+3, 10+5, 20+10 und 40+10 Pfennig   (Mi.-Nr. 243-246). (BUN00267) Trotz des ebenso geringen Zuschlags von einem Groschen wie beim Inlands-Standardbrief (in Grundfarbe orangerot) ließ sich der Spitzenwert für Auslandspost (nach UPU in blauem Grundton) nur in zwei statt 5,5 Millionen Stück absetzen. Verteilt auf die beiden, in vergleichbaren Relationen bewerteten Erhaltungsformen postfrisch und gestempelt, doch eine recht knappe Menge, die später zu überdurchschnittlichen Wertsteigerungen führte. Gegenüber den Zahlen von 1955 stellten die Verkaufszahlen des Wohlfahrts-Jahrgangs 1956 dennoch Steigerungen bis über zehn Prozent dar. Die Satzpreis-bestimmende „Florene Nightingale“ Mi.-Nr. 225 (BUN00235) liegt mit einer Menge von 1,6 Millionen zwar nur 20 Prozent unter Mi.-Nr. 246, in den Bewertungen aber mindestens doppelt so hoch.

Beim nachfolgenden Satz der Wohlfahrt vom l. Oktober 1957 zum Thema „Kohlebergbau“ blieben die technischen Basisdaten von 1956 unverändert: Querformate im zweifarbigen   Offsetdruck, holzschnittartige Darstellungen von Bert Jäger, gleiche Wertstufen. Doch bei den Verkaufsmengen kamen Steigerungen in Millionenhöhe zum Tragen. Die Satzauflage stieg durch den Höchstwert von zwei auf 2,65 Mio. Serien. Umso bemerkenswerter, dass sich im Markt Mi.-Nr. 273 (BUN00280) mindestens ebenso gut behaupten konnte wie ihre Vorgängerin. Nicht übersehen sollte man bei diesen Ausgaben einen Hinweis, der im Deutschland- Katalog von Michel vermerkt ist. Obwohl die Höchstwerte der Wohlfahrtserien 1956 und 1957 „nur mittlere Standardware“ für den Handel darstellen, sind vor einigen Jahren Ganzfälschungen von Mi.-Nr. 246 und 273 in nicht unerheblichen Quantitäten auf dem Markt aufgetaucht. Offenbar haben sie ihren Ursprung in der Produktionsstätte des Peter Winter. Michel nennt als Vergleichsfaktoren der Fälschungen Ausgabe 1956: „gezähnt 14; Papier gelblich; Gummi nicht geriffelt; etwas größeres Format“. Vor allem bei oberflächlicher Betrachtung von Sammlungen können solche Stücke falsche Wertillusionen schaffen. Doch auch bei der Erhaltung der echten Höchstwerte kann „gepfuscht“ werden; Falzware und Mängelstücke werden nachgezähnt, entfalzt, falsch gummiert oder gestempelt. Massenware sind sie eben doch nicht, die perfekten Wohlfahrtssätze von 1956 und 1957. (BUN00268) , (BUN01104)

 

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