für die Post in Neuseeland zum Alptraum! Das Szenario ist Sammlern bekannt: Da plant eine Postverwaltung eine Marke, Entwürfe werden gestaltet und freigegeben, es folgt der Druck und dann, in letzter Minute gibt es von kompetenter Seite Einspruch. So passiert vor wenigen Wochen in Neuseeland, wo am 7. Juni 2006 eine Sondermarken-Serie erscheinen sollte, die die traditionelle Kunst der Ureinwohner Neuseelands, der Maori (in Maori: kapa haka), näher im Markenbild vorstellen und würdigen sollte. Eine gute Absicht, aber offenbar gab es in letzter Minute Einspruch von Maori-Seite. Damit nahm ein „philatelistisches Schicksal“ seinen Lauf, für die Post eine Art Albtraum, aber für Sammler?
Fünf farbenfrohe Sondermarken hatte die Post in den Wertstufen zu 0,45; 0,90, 1.35, 1.50 und 2 NZ-$ zur Ausgabe vorgesehen. Die Entwürfe - über Geschmack kann man wirklich streiten! - waren mit Experten des Museums von Neuseeland (Te Papa Tongarewa) und dem Ministerium für Maori-Entwicklung (Te Puni Kokiri) sorgfältig beraten und abgestimmt worden. So glaubte man sicherzustellen, dass „sie gegenwärtig ein akkurates Bild der Kunst, die von großer Bedeutung für Neuseeland ist“, widerspiegelten. So stand es zumindest in der Ankündigung vom 11. Mai 2006 zu lesen. Am 2. Juni informierte ein Presseschreiben, „dass nach sorgfältigen Überlegungen die Post von Neuseeland entschieden habe, die Ausgabe zu den Maori-Kunst-Markenserie zu stoppen“. Was war geschehen? Dem Schreiben war zu entnehmen, dass die Entscheidungen nach Beratung mit einer Reihe von Maori-Kunst- und Kulturgemeinschaften im Lande gefallen sei, die offenbar an dem Design der Marken doch erhebliche Kritik geübt hatten. Es war gar die Rede davon, dass die Markenabbildungen von den Maoris als Beleidigung empfunden würden.
Bis hierhin wäre dies zwar eine seltene, aber doch schon bekannte Geschichte, denn selbst in Europa, auch in Deutschland, sind ja genügend Vorfälle bekannt, wo aus welchen Gründen auch immer zur Ausgabe vorgesehene Marken zurückgezogen werden. Der Leser ahnt allerdings schon, dass auch in diesem Fall das Spiel ein Nachspiel hat, denn - auch darüber informierte die Post den Handel und die Presse - die Entscheidung fiel zu spät. In der Zwischenzeit waren nämlich schon einige wenige, genau acht Kundenaufträge - nichtwissend um den neuen Sachstand - ausgeführt worden. Auch einer der Berater für die Markenentwürfe hatte Originale vorhanden und 48 Blanko-FDC waren im Vorausbezug ausgeliefert worden, um diese kundenseitig mit einem Ersttagsstempel an einem Postshop versehen zu lassen.
Die neuseeländische Postverwaltung reagierte umgehend und veröffentlichte die genauen Zahlen der durchgeschlüpften Marken, soweit ihr derzeit bekannt: Sondermarken mit Gummierung vier x $ 2 postfrische Einzelmarken, neun FDC, sechs Sets von Blocks mit Plattennummern, drei komplette postfrische Markenserien, eine kompletter gestempelte Serie. Selbstklebende Marken Eine Spenderbox mit postfrischen 45c-Marken, zwei 45c-Marken postfrisch, eine gestempelte 45c-Marke, elf Markenheftchen. Außerdem sind drei ungebrauchte Präsentations-Packs und 48 Blanko-FDC, wie schon gesagt, zur Auslieferung gekommen. Die Post hat zwar versucht, auf telefonischem oder schriftlichem Wege die Bezieher um Rückgabe der Marken zu bewegen, weil sie die von den Maori vorgetragenen Gründe respektiert sehen will. Deshalb wird sie auch die Gesamtauflage vernichten. Aber man darf wohl davon ausgehen, dass auch in diesem Fall nicht alle Marken den Weg zur Post zurückfinden, sondern einige auch den Weg auf den freien Markt. Was für die Post eine Art „Albtraum“ ist, kann sich dann für Sammler zum „Traum“ entwickeln, zumal, wenn er einer der Glücklichen war, der diese Marke im Vorbezug zugesandt erhielt. So oder so: es wird eine Ausgabe mit einer ganz besonderen Geschichte sein, mit einer Vita, wie sie nur das Leben schreiben kann.
Wolfgang Maassen überarbeitet M. M.
Quellen: Ankündigung der Post von Neuseeland; Fax der Fa. Hermann Walter Sieger, Lorch; Stamps of India. Pressedienst von Madhukar und Savita Jhingan, AIJP
|