| Das Abartenfieber geht um... |
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| Samstag, 20. September 2008 um 14:46 |
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Immer mehr Sammler begeistern sich für Briefmarken mit Fehlern, die aus normalen Standardstücken seltenere Besonderheiten machen. Abarten gibt es solange wie die Briefmarke selbst. Schon die, ersten deutschen Postwertzeichen hatten Exemplare aufzuweisen, die ganz erheblich von der Norm abwichen. Bei Bayerns Nummer l wurde in einigen Druckbogen das Markenklischee der „Schwarzen Einser“ irrtümlich kopfstehend eingefügt. Diese „kopfstehenden Bildteile“ zählen zu den Top-Raritäten Altdeutschlands. Als die ersten Briefmarken für Holstein erschienen, wurde bei wenigen Exemplaren zu 2 Schilling das farblose Wappen im Mitteloval versehentlich doppelt eingeprägt. Auch preußische Gründlichkeit konnte nicht verhindern, dass die Werte der ersten Preußen-Ausgabe mit kopfstehendem Wasserzeichen vorkommen. Vertauschtes Papier ließ in Baden die wertvollste deutsche Briefmarke entstehen: die 9 Kreuzer auf blaugrünem statt rosafarbenem Untergrund. Nur drei Exemplare wurden bekannt, eines auf Brief brachte 1985 weit über zwei Millionen Mark! Werkzeug zur Fehlersuche Doch es muss nicht unerschwinglich teuer sein, eine Standardsammlung zu einer Spezial-Kollektion auszubauen. Noch findet man ausreichend preiswerte Angebote von Spezialitäten, die sich jeder Sammler leisten kann. Am meisten Freude bereitet es natürlich, wenn man selbst eine Abart gefunden hat, die man als Normalmarke günstig eingetauscht oder gekauft hat. So vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Entdeckungen gemacht werden. Zunehmend greifen Sammler zu Lupen und Mikroskopen, um Details im Markenbild zu kontrollieren. Immerhin wurde schon so mancher kleine oder größere „Schatz“ auf diese Weise entdeckt. Zur Abartenjagd sollte man mit einer oder besser mehreren guten Lupen „bewaffnet“ sein. Qualitätsprodukte sind stabiler, zuverlässiger und schonen das Auge – damit machen sie sich auf lange Zeit bezahlt. Neben Stiel- und Standlupen haben sich Fadenzähler und Taschenmikroskope bewährt. Praktisch sind Geräte mit einer eigenen Lichtquelle. Mindestens sechsfache Vergrößerung sollte erreicht werden, bei 10- fachem Faktor erhält man noch einen wesentlich detaillierteren Eindruck. Wichtig und hilfreich ist für Anfänger und Fortgeschrittene ein Bändchen aus dem Schwaneberger Verlag, der „Michel-Abartenführer“. Er erklärt in verständlicher Form, welche Arten von Abarten es gibt, wie sie entstehen, weshalb sie katalogisiert werden oder auch nicht. Mit diesem Werk lassen sich die meisten Fragen klären, wenn etwas Merkwürdiges aufgefallen ist. Auch modernste Technik in der Bundesdruckerei schützt nicht vor Fehlproduktionen, wie man an immer neuen Abartenfunden sehen kann. Am seltensten und teuersten sind in der Regel Exemplare, bei denen komplette Druckfarben oder die Zähnung teilweise oder ganz fehlen. Nur selten kommen solche Stücke zum Schalterverkauf; die meisten werden als Makulatur ausgesondert und vernichtet. Doch seit in den neunziger Jahren die Qualitäts-Kontrollen zurückgefahren wurden, sind deutlich mehr Angebote solcher Fehlproduktionen auf dem Markt zu beobachten. Sofort auffallen müsste es eigentlich, wenn das Papier mit der falschen Seite in die Maschinen eingespannt wurde. Dennoch kommt es vor, dass Marken auf der Gummiseite bedruckt wurden. Diesen Fehler entdeckte man beispielsweise bei der Ausgabe „Schleswig-Holstein-Kanal“ (Mi.-Nr. 1223 G) von 1984. Die ersten Exemplare wurden um 250 DM versteigert - heute steht der achtfache Wert im Katalog. In ähnlicher Form liegt Mi.-Nr. 1773 G „Wormser Reichstag“ aus 1995 vor, mit 350 Euro notiert. Besonders beliebt ist die Jagd auf die „Plattenfehler“. Hierbei handelt es sich um Beschädigungen oder Abweichungen im Druckbild, die regelmäßig an einer bestimmten Stelle des Bogens wiederkehren. Das können „gebrochene“ Buchstaben oder Zahlen sein, kleine zusätzliche oder fehlende Striche, in manchen Fällen auch nur Punkte. • Primäre Plattenfehler nennt man Merkmale, die sich von Anfang an auf den Druckplatten befinden. Sie schleichen sich schon bei der Vervielfältigung des Urklischees ein. • Sekundäre Plattenfehler können während der Montage der Druckplatten entstehen, etwa durch unsachgemäße Handhabung. • Tertiäre Plattenfehler ergeben sich während des Druckvorgangs, beispielsweise durch Abnutzung der Druckplatten. Schon ein Kratzer an einer Stelle genügt, um beim späteren Druck vervielfältigt und eines Tages von aufmerksamen Sammlern als Plattenfehler entdeckt zu werden. Wenn ein Plattenfehler beim Druck auffällt, wird er meist schon bei der Produktion soweit möglich behoben - man nennt das „retuschieren“. Doch bei den Millionenmengen, die heutzutage von jeder Briefmarke in Umlauf kommen, ist eine genaue Kontrolle kaum noch möglich. Wenn nur eine von fünfzig Marken im Bogen einen Plattenfehler aufweist, ist diese Marke natürlich viel seltener als die 49 normalen Marken. Auch bei den Zehnerbögen kommt ein Plattenfehler meistens nur auf einem der Bögen des Druckbogens vor, der mindestens aus acht Nutzen (Zehnerbögen) besteht. Wenn die Entdeckung eines Plattenfehlers erst lange nach Erscheinen der Marke erfolgt und der allergrößte Teil bereits unerkannt verbraucht wurde, bereitet es große Schwierigkeiten, noch eine nennenswerte Anzahl der Abarten aufzutreiben. So braucht es nicht zu verwundern, dass viele solcher Exemplare einen weit höheren Wert haben als die vielfach häufigeren Marken ohne Fehler. Liebhaberpreise - hoch oder niedrig? Zu unterscheiden sind die Plattenfehler von den so genannten „Putzendrucken“. Sie entstehen, wenn Fremdkörper auf den Druckformen oder dem Gummituch haften bleiben und mitgedruckt werden. Oft entsteht dabei ein „Mond“, eine farbige Stelle, umgeben von einem weißen Rand. Bei solchen und anderen Stücken, die als „Druckzufälligkeiten“ nicht katalogisiert werden, empfiehlt sich meist Zurückhaltung. Es können durchaus markante, sammelwürdige Abweichungen sein. Aber die meisten Sammler richten sich nach dem Katalog, und was darin nicht aufgeführt ist, hat nur einen begrenzten Markt. Wer mehr als fünf Euro für einen „weißen Kringel“ im Markenbild ausgibt, wie sie durch Verunreinigung der Druckwalzen immer wieder vorkommen, hat es meist schwer, beim Verkauf wieder seinen Einstandspreis zu erhalten. Die Michel-Redaktion gab als Hinweis auf den Wert solcher Stücke einmal den Tipp: „eine Maß Bier unter Freunden“. Gewaltige Wertsprünge Eines sollte dem Sammler klar sein: auf dem Markt für Abarten gelten in der Regel „Liebhaberpreise“. Wenn bestimmte Stücke nur in kleinster Zahl vorhanden sind, kann die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigen und die Preise nach oben treiben. Doch auch wenn Wertsprünge nach Oben vorkommen können - garantieren lässt sich ein Gewinn nicht. Jedes weitere auftauchende Stück kann den Preis reduzieren. Immerhin findet man unzählige Beispiele aus allen deutschen Gebieten, wo Plattenfehler mit Beträgen von zehn bis über 500 Euro angesetzt werden, so dass sich die Jagd schnell lohnen kann. MICHAEL BURZAN überarbeitet M. M. |
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