| Bedarfsbelege |
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| Samstag, 20. September 2008 um 14:49 |
Lasst die Kirche im Dorf!Ganzbriefe - vorzugsweise mit portogerechten Einzel- und Mehrfachfrankaturen - stehen seit einigen Jahren beim Deutschland-Sammler besonders hoch im Kurs. Die Auktionsergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Dabei fällt immer wieder der fast magische, aber kaum scharf umrissene Begriff (echte) „Bedarfspost“. Firmen- und Behördenbriefe, bei denen nur selten philatelistische Beweggründe für die Versendung anzunehmen sind, werden strengen Maßstäben am ehesten gerecht. Jedoch sollte der Sammler die Kirche im Dorf lassen. Auch Philatelisten muss zugestanden werden, Bedarfspost aufgeben zu können. Gleichwohl begegnen solche Sendungen bei den „Puristen“ einem gewissen Misstrauen: Die Marken sind fast immer akkurat aufgeklebt, mit einem ausreichenden Abstand zum Rand. Die Bogenränder werden nicht entfernt. Eine saubere Handstempelung krönt den Beleg. Der Zeitgenosse ohne sammlerische Ambitionen geht da meist sorgloser vor. Markenränder werden oft abgetrennt, weil sie den Gesamteindruck stören. Schließlich gelangt die Sendung, soweit es sich nicht um eine bescheinigte handelt, fast immer in den nächsten Briefkasten. Der Weg zur Postfiliale, um dort eine Handstempelung der Frankatur zu erlangen, wäre viel zu mühsam. Sammlerpost ist jedoch für Freunde von Ganzbriefen kaum entbehrlich. Viele Portostufen gäbe es ohne sie nicht oder zumindest nicht in ausreichender Zahl. Davon künden bekannte Korrespondenzen, etwa die zwischen dem Infla-Prüfer Eduard Peschel, Passau, und seinem Sammlerfreund Paul Pischinger, Aschaffenburg, oder die zahlreichen Auflieferungen von Walter Prell, Chemnitz („Prell-Briefe“) und von Adolf Leidner, Aschaffenburg, der sich auf Mehrfachfrankaturen spezialisiert hatte. Immer wieder zieren Belege aus diesen Quellen Auktionskataloge und zeichnen sich durch stattliche Ausruf- und Zuschlagspreise aus. Wer kann heute noch feststellen, ob mit dem jeweiligen Beleg lediglich ein Stück Versteifungspappe befördert oder ein Gedankenaustausch erfolgte? Jedem Ganzstück ist aber auf den ersten Blick anzusehen, dass es ein Philatelist auf den Weg gebracht hat. Anders ist es, wenn Absender und Empfänger identisch sind oder die Distanz zwischen ihnen so kurz ist, dass die postalische Beförderung gekünstelt erscheint. Allerdings gibt es zerstrittene Nachbarn, die sogar innerhalb eines Hauses ihre Auseinandersetzungen auf dem Postweg austragen. Auch gestempelte Adressen (anders als Absenderangaben) sollte man meiden, wobei dies für Antwortumschläge (oft in der Mitte gefaltet) nicht gilt. Hinweise wie „Sammlermarken, bitte sauber stempeln“ oder „Ersttagsbrief“ und ähnliche Bemerkungen philatelistischer Art sind wenig beliebt, aber keineswegs ein sicheres Indiz für mangelnden Bedarf. Bei Postkarten entlarvt oftmals der Text den Anlass für die Inanspruchnahme der Beförderung. Läppische Kurzmitteilungen müssen aber nicht rein philatelistische Beweggründe verraten, sind doch viele Menschen schreibfaul und beschränken sich etwa auf bloße Grüße aus dem Urlaubsort oder frohe Ostern. Die Post hat dies zeitweilig sogar dadurch prämiert, dass Postkarten mit Minitexten als Drucksachen verschickt werden durften. Ein ausführlicher Text aus der Feder eines Sammlers wird auch nicht nur deshalb zum „gemachten“ Beleg, weil dort philatelistische Fragen erörtert werden oder um Rückgabe der Karte an den Absender gebeten werden. Zeppelin-Briefe - oft bunt frankiert und sofort als Sammlerpost erkennbar – sind begehrt und werden recht hoch gehandelt, obwohl sie kaum Korrespondenz enthalten haben dürften. Hier sind die Philatelisten seltsam inkonsequent. |
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