Philatelie
Berliner Kinder, die Geschite(n) machten PDF Drucken E-Mail
Samstag, 20. September 2008 um 14:50

Über interessante Berliner Briefmarken mit Darstellungen bedeutender Frauen und Männer haben wir im BMS vom Mai und April berichtet. Doch auch Kinder und Jugendliche spielten im Markenprogramm der Post für Berlin eine wichtige Rolle. Die Premiere erfolgte mit zwei jugendlichen Sammlern auf den Zuschlagsmarken zu 10+3 und 20+2 Pfennig vom 7. Oktober 1951. In den Festsälen des Berliner Zoos wurden damals mit Unterstützung der Senatspost erstmals annähernd 25 000 Briefmarken und Ganzsachen gezeigt, die in allen Mitgliedsländern des Weltpostvereins zwischen 1945 und 1951 neu erschienen waren. Zu dieser Ausstellung „Briefmarken der Welt“ und zum „Tag der Briefmarke“ gab es die Marken vom 7. bis 14. Oktober 1951 nur am Sonderpostamt, ab 15. Oktober auch an anderen Postschaltern Westberlins.

Die Jungsammler auf Mi.-Nr. 80-81 wurden in einer Auflage von je 60.0000 Stück gedruckt. Absetzen konnte man immerhin 514.000 der niedrigeren und 506000 der höheren Wertstufe, die Restbestände wurden vernichtet. Postfrische Sätze kosten heute weit mehr als den hundertfachen Ausgabepreis - in Relation zur knappen Auflagezahl aber dennoch preiswert.  gestempelte Stücke mit erkennbarem Datum aus der Gültigkeitszeit bis 31. Oktober 1954 werden sogar noch höher angesetzt. Als Seltenheiten gelten die offiziellen Ankündigungs-Kartons der Bundesdruckerei, auf denen die Marken als Fotos in schwarz-weiß abgebildet sind  (Ak 9 mit Michelwert 500 Euro). Erwähnung verdient hat auch die Sonderpostkarte Berlins mit Wertstempel wie Mi.-Nr. 80. Sie erschien etwas später zum „Tag der Briefmarke“ am 28. Oktober 1951 und verzeichnet mit 10.000 Stück eine Kleinstauflage. Ungebraucht oder gestempelt in Besterhaltung hat sich der Wert seit 1980 bislang „nur“ verdoppelt - da kann es noch Luft nach oben geben! Stücke mit Sonderstempel sind dekorativ, doch sauber gebraucht aus dem Berliner Postverkehr bis Oktober  1954 mindestens ebenso knapp.
Der DNK-Katalog hatte seine Gebraucht-Bewertung  2001 dem Michelwert von 300 Mark (2002; 150 Euro) angepasst. Für Sonderstempel vergab er mit 250 Mark ein Plus von 50 Mark über Michel. Im DNK 2003 wird nur noch nach ungebraucht (95 Euro) und mit Gefälligkeitsstempel, also nicht gelaufen, für 75 Euro unterschieden. Solche Stücke sind nach Michel 2002 wiederum 25 Euro mehr wert. Fazit: eine knappe Ausgabe mit wechselhafter Preislage!

Ferien für Kids

Berliner Kinder bestimmten ab l. Februar 1957 das Bild der bundesdeutschen Jugendmarken mit Zuschlag (Bund 250-251) ( BUN00272 ). Sie warben in Auflage von je vier Millionen dafür, Erholungsplätze für die Kids aus der gespaltenen Stadt zu schaffen. Lose postfrisch und gestempelt für wenige Euro zu haben, notieren Ersttagsbelege mit erheblichem Aufschlag. Lohnen kann sich die Suche nach dem Plattenfehler beim 10+5-Pfennig-Wert: Auf Feld 9 einer Teilauflage erscheinen die Buchstaben „t“ und „z“ miteinander verbunden. Der Preis nach Katalog liegt bei mindestens 100 Euro! ( BUN00049 )
Auch Probedrucke dieser Ausgabe sind bisher nicht im Spezialband verzeichnet. Im September 2001 kam eine ungezähnte Version der 20+10 Pfennig in dunkelorangerot als   Mi.-Nr. 251 PU zum Angebot. Das ungebrauchte Exemplar ohne Gummierung stammt von einem Vorlagekarton, bestätigt durch ein Fotoattest Schlegel BPP. Der Ausrufpreis von 2000 Mark ließ sich aber offenbar nicht realisieren.

Das Motiv der Ferienplätze für Berlins Kinder wurde ab 15. September 1960 auch auf einer Zuschlagserie der Landespostdirektion mit vier Marken thematisiert. Der Satz erschien in Auflagezahlen von drei Millionen, der Höchstwert zu 40+20 Pfennig in zwei Millionen Stück. Für damalige Berliner Verhältnisse zwar eine ausreichende Menge, die jedoch rasch ausverkauft war. Und angesichts der weit höheren Verkaufszahlen späterer Zuschlagsmarken kann mancher sich über die günstigen Marktpreise wundern. ( BER00092 ) Spezialkataloge weisen seit langem darauf hin, dass bei den Marken zahlreiche kleine Plattenfehler, Passerverschiebungen und sonstige Druckzufälligkeiten vorkommen.  Grund war die kurzfristige Änderung der ursprünglichen Entwürfe, die nicht zum Druck freigegeben worden waren. Doppelte Druckbilder kommen bei allen Wertstufen vor; sie sind als 193DD - 196DD postfrisch mit jeweils 40 Euro tiefer angesetzt als noch vor Jahren.   Recht stabil hält sich der Fehldruck der 20+10 Pfennig, bei dem die rosa Druckfarbe des Mädchens mit der Sonnenblume fehlt. Er war Anfang der 70-er Jahre ** schon mit 600 Mark bewertet und hat sich seither nur auf 600 Euro verdoppelt. Im Herbst 2000 kam eine solche Mi.-Nr. 195 F als einwandfrei postfrisch geprüftes Unterrandstück nach Ausruf von 450 auf einen Zuschlag von 580 Mark, mit Aufgeld deutlich mehr als halber Katalogpreis. Die Prüfung ist zu empfehlen, da eine scheinbar fehlende Farbe auch durch Chemie oder Lichteinwirkung entstehen kann.

Ab 1965 erschienen für Berlin ebenso wie für das Bundesgebiet eigene Jugendmarken in jährlicher Folge. Viele dieser Emissionen sind in der Gestaltung hervorragend gelungen und laden dazu ein, eine eigene Sammlung dafür anzulegen. Preislich haben einige Jugendsätze zeitweise bemerkenswert zugelegt, darunter die letzte Ausgabe mit den Zirkus-Szenen von 1990. Doch in den vergangenen Jahren hat das Niveau wieder etwas nachgegeben - eine passende Gelegenheit zum Komplettieren.

 

Michael Burzan
überarbeitet  M. M.

Aktualisiert ( Samstag, 20. September 2008 um 14:50 )
 

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