| Posthorn-Plattenfehler-Hüntergründe und Marktlage |
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| Samstag, 20. September 2008 um 15:01 |
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Unter den Briefmarkenausgaben, die dem Bund-Sammler besonders lieb und zuweilen auch besonders teuer sind, rangiert der Posthornsatz von 1951 (Mi.-Nr. 123-138) seit langem an erster Stelle. Dabei steht letzthin noch nicht einmal so sehr dieser Satz selbst als geschlossene Ausgabe im Vordergrund, sondern vielmehr seine recht zahlreichen Spezialitäten. Neben manch anderem Begehrenswerten finden bei dieser Dauerserie seit einigen Jahren auch die (nur auf den ersten Blick ein wenig komplizierten) Plattenfehler besonderes Interesse. Häufig ist es so, dass gründliche philatelistische Forschung in einem bestimmten Teilbereich eines Sammelgebiets auch den Briefmarkenmarkt stimuliert und eine gezielte Nachfrage mit entsprechenden Auswirkungen auf das Preisgefüge zur Folge hat. Sehr viel seltener lässt sich hingegen beobachten, dass bestimmte Marktereignisse die philatelistische Forschung überhaupt erst motivieren und in Gang setzen, die dann erst im Nachhinein wiederum die angedeuteten Folgen für die Marktlage hat. Für eine dieser selteneren Entwicklungen letztgenannter Art sind Plattenfehler bei der Posthorn-Dauerserie verantwortlich. Der vorliegende Beitrag wird sich daher auf eben diese Entwicklung bei den Posthorn-Plattenfehlern konzentrieren. Einstweilen nur am Rande sei daher erwähnt, dass einerseits der von vielen Bund-Sammlern so begehrte postfrische Posthornsatz über viele Jahre preislich dramatisch überschätzt war und seine Marktkurse künstlich hochgehalten wurden. An postfrischen Posthornsätzen in akzeptabler bis guter Qualität bestand und besteht auf dem Markt in der Tat kein Mangel, und ab und an (wie gerade dieser Tage bei Harmers in New York) tauchen sogar noch komplette Bogensätze auf. Andererseits – und auch dies soll hier nur kurz angedeutet werden - haben Sammlerschaft und Handel die tatsächliche Seltenheit von Hausauftragsnummern, Plattennummern und Druckerzeichen bei Posthorn über Jahrzehnte verkannt. Beginn des Aufstiegs mit einem Absturz Während aber Posthornsätze im allgemeinen und auch die besonderen Randdrucke dieser Ausgabe sich doch stets im Bewusstsein der Sammler gehalten haben, waren Posthorn-Plattenfehler über lange Zeit ein philatelistisches Nichtthema. Lediglich ein einziger Plattenfehler – Mi.-Nr. 123 I, 2 Pfg. Posthorn mit „Striche zwischen „S“ und „P“ in „BUNDESPOST“ verdickt - stand fast ein halbes Jahrhundert lang in den Katalogen. Schon 1956 finden wir ihn im Müller-Spezialkatalog, dem Vorgänger des MICHEL- Spezialbandes. Bis weit in die neunziger Jahre war er mit Bewertungen zwischen vier und neun DM notiert. Allein - niemand besaß diese Marke oder hatte sie auch nur jemals gesehen. Erst ab Beginn der neunziger Jahre wurde eine knappe handvoll Exemplare dem Prüfbüro Schlegel vorgelegt, das sie - mangels anderer Prüfunterlagen nach Rücksprache mit einem seinerzeit selbst mit dem Posthorn-Markendruck befassten Mitarbeiter der Bundesdruckerei - als den seit Jahrzehnten katalogisierten Plattenfehler attestierte. Diese wenigen Stücke kamen Mitte der neunziger Jahre nach und nach auf den Auktionsmarkt (wenigstens vier Exemplare sind dem Verfasser bekannt) und erzielten bei einem Katalogwert von gerade einmal neun Mark bis zu 3.000 DM. Gleichzeitig erschienen Ankaufsanzeigen des Handels, die für weitere Stücke der Mi.-Nr. 123 I Beträge zwischen 700 und 2000 DM in Aussicht stellten. Dies erst machte eine breitere Sammlerschaft aufmerksam und war Anlass für eine allgemeine Suche, die recht bald auch erfolgreich war. „Erfolgreich“ in dem Sinne, dass zahlreiche Exemplare aller Posthornwerte von 2 bis 25 Pfg. (Mi.-Nr. 123-131) gemeldet wurden, die, ähnliche wie Mi.-Nr. 123 I, oft große Flecke in der jeweiligen Markenfarbe zwischen den Randzierlinien, in und zwischen den Buchstaben sowie in der Posthornzeichnung aufweisen. Über Monate herrschte ausgelassene Euphorie anlässlich vieler neuer Posthorn-Plattenfehler. Jedoch: Erst ist über Jahrzehnte kein Exemplar aufzutreiben, und dann alle paar Tage ein neues? Da lag die Vermutung nahe, dass es sich bei allen Neuvorlagen und, nolens volens, auch beim Altplattenfehler Mi.-Nr. 123 I lediglich um die Fehlinterpretation einer verbreiteten Zufälligkeit handeln könnte. Posthorn im Buchdruck und im Tiefdruck Auffällig war von Beginn an, dass Abarten-Kandidaten praktisch nur von den neun kleinen Posthornwerten zu 2 bis 25 Pfg., nicht aber von den sieben höheren Nominalen zu 30 bis 90 Pfg. gemeldet wurden. Ein Blick in den Katalog gibt bereits einen ersten Hinweis auf den Grund: Die genannten kleinen Werte sind im Buchdruck, alle höheren dagegen im Stichtiefdruck hergestellt worden. Es ist aufschlussreich, sich die Unterschiede zwischen den beiden Druckverfahren und deren Auswirkungen auf die Druckbilder klar zu machen. Der Buchdruck ist das älteste Druckverfahren der Welt, bei dem die druckausführenden Stellen erhaben auf der Druckform stehen, weshalb er auch als „Hochdruck“ bezeichnet wird. Von diesen hoch stehenden Stellen des Klischees, die von den Farbwalzen eingefärbt werden, nimmt das durch den Druckzylinder angepresste Markenpapier die Farbe ab. Ganz anders ist der drucktechnische Ablauf beim Stichtiefdruck und anderen Tiefdruckverfahren. Hier werden die druckausführenden Teile nicht erhaben herausgearbeitet, sondern als Aussparungen in eine Druckplatte eingeätzt. Die Farbwalzen füllen diese Ätzvertiefungen mit Farbe aus, die das vom Druckzylinder angepresste Markenpapier aus den Vertiefungen aufnimmt. Schon diese knappe Beschreibung der Verfahrensunterschiede sollte plausibel machen, wie die oft sehr markanten zusätzlichen Farbflächen auf den im Buchdruck gefertigten kleinen Posthornwerten Zustandekommen. Der Auftrag der Farben - und von einigen der Posthornfarben wissen wir aus Berichten der damaligen Drucker, dass sie besonders schwer zu verarbeiten waren - hat sich beim Buchdruck offenbar nicht immer allein nur auf die erhaben gearbeiteten druckenden Teile des Klischees beschränkt. Vielmehr haben sich überschießende Farbpartikel in den feinen Linien und Vertiefungen zwischen den hochstehenden Bildelementen festgesetzt und dort - im Laufe der Zeit kleine „Brücken“ gebildet. Diese Brücken haben dann unplanmäßig mitgedruckt und solange, besonders in den filigraneren Bildteilen, Farbflecke aller erdenklichen Formen hinterlassen, bis die betreffen den Druckformen wieder einmal gereinigt worden sind. Es handelt sich folglich bei allen vorliegenden Stücken um die Spuren von Plattenverunreinigungen und folglich um philatelistisch unerhebliche (wenn auch sicher aufhebenswerte) Zufälligkeiten. Neubeginn mit Neunziger Das hat den enthusiastischen Posthorn-Plattenfehlersuchern zwar ein paar Illusionen genommen, die einmal aufgenommene Suche aber glücklicherweise nicht zum Erliegen gebracht. Insbesondere die rührige Arbeitsgemeinschaft Posthorn/Heuss im BDPh hat hier vorbildliche Arbeit geleistet und systematisch große Mengen von Posthorn-Werten gesichtet und verglichen. Seit dem Herbst des Jahres 2000 ist der erste „neue“ Posthorn-Plattenfehler bekannt. Und wie drei weitere Plattenfehler dieser Ausgabe, die heute, fünf Jahre später, registriert sind und auch BPP-geprüft werden, findet er sich bei einem der Stichtiefdruckwerte mit den höheren Nominalen. Bei diesen insgesamt vier Besonderheiten handelt es sich um die folgenden. (l) Der Neubeginn der Posthorn-Plattenfehlergeschichte setzt mit einer sehr markanten Abart beim 90-Pfg.-Wert ein, die inzwischen auch längst als Mi.-Nr. 138 I im MICHEL katalogisiert ist: Es handelt sich um eine große diagonale Linie, die sich durch den rechten Teil der Posthornkordel zieht. Dieser Plattenfehler ist in einer Teilauflage auf Bogenfeld 98, der dritten Marke von rechts in der unteren waagerechten Bogenreihe, zu finden. (2) Auch ein zweiter Posthorn-Plattenfehler ist inzwischen im MICHEL-Katalog erfasst. Als Mi.-Nr. 137 I taucht beim 80-Pfg.-Wert im Oberrand ein Dreieck in Markenfarbe zwischen „T“ von „DEUTSCHE“ und der oberen Zähnung auf. Sicher ist, dass auch dieser Plattenfehler aus der unteren Bogenreihe stammt. (3) Der dritte registrierte, bisher nicht im MICHEL eingetragene, aber prüffähige Plattenfehler betrifft erneut die Marke zu 80 Pfg. Es handelt sich um mehrere charakteristische Flecke (in genau der hier gezeigten Form) an und oberhalb des „T“ von „POST“. Das betroffene Bogenfeld scheint weiterhin nicht endgültig geklärt zu sein. (4) Ein vierter Plattenfehler konnte schließlich bei der 50 Pfg. Posthorn gesichert werden. Hier ist die zweite senkrechte Linie von rechts in der Netzstruktur des Markenhintergrundes bis in die Zähnung hinein verlängert. Dieser Plattenfehler ist in einer Teilauflage auf Feld 30 vom rechten Bogenrand lokalisiert. Es gibt im übrigen eine Reihe weiterer viel versprechender Plattenfehler-Kandidaten, die bisher jedoch noch nicht ausreichend belegt sind und entsprechend auch noch nicht geprüft werden. Posthorn-Plattenfehler auf dem Markt In der vorstehend angegebenen Reihenfolge ihrer Entdeckung sind die vier Posthorn-Plattenfehler auch auf den Briefmarkenmarkt gekommen und (meist bei Auktionen) angeboten worden. Ihre Marktauftritte halten bisher, was die seinerzeitigen hohen Preise für den ehemaligen, vermeintlichen Plattenfehler Mi.-Nr. 123 I schon versprochen hatten. Die folgenden Zahlen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen lediglich der groben preislichen Orientierung gelten. Der Plattenfehler bei der 90 Pfg. Posthorn (Mi.-Nr. 138 I) ist dem Verfasser in sieben postfrischen und fünf ungebrauchten Exemplaren bekannt geworden, oft mit anhängendem Unterrand. Hinzu kommen deutlich mehr als ein Dutzend gestempelt Stücke so wie mindestens ein Brief, eventuell auch zwei Belege. Der höchste bisher registrierte Endpreis für eines der ersten angebotenen postfrischen Exemplare lag nennenswert jenseits von 4000 DM, mehrere anderen haben Preise zwischen 2200 und 3700 DM erzielt. Zur Zeit liegen die Kurse meist zwischen 1000 und 1500 Euro. Ungebrauchte Stücke haben erhaltungsabhängig zuletzt Preise zwischen 180 und 550 Euro eingespielt. Gestempelte Exemplare liegen etwa auf gleichem Niveau. Preisliche Ausreißer sind allerdings immer möglich. Für einen Brief mit Mi.-Nr. 138 I wurde vor drei Jahren ein höherer vierstelliger DM-Betrag verlangt. Mi.-Nr. 138 I, der erste Plattenfehler des 80-Pfg.-Wertes, ist häufiger auf dem Markt als alle übrigen. Anfangspreise für gestempelte Exemplare lagen erhaltungsabhängig zwischen 500 und 1500 DM. Mehrere hundert Euro für ein Top-Stück sind auch heute noch drin. Allerdings sind auch Exemplare bekannt, die zu Kursen zwischen „nur“ 50 und 100 Euro den Besitzer gewechselt haben. Die beiden noch nicht katalogisierten Plattenfehler sind bisher nur recht selten auf dem Markt gewesen, vermutlich eben weil sie (noch) nicht im Katalog stehen. Gerd H. Hövelmann (Fotos: Wilhelm van Loo) überarbeitet M. M |
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