| Die "Lack 80" wurde fünfzig |
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| Samstag, 20. September 2008 um 15:03 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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In der Deutschland-Philatelie besitzen einige Briefmarken einen „Kosenamen“, der auf etwas Besonderes bei dieser Marke hinweist. Dazu gehören zum Beispiel der „Baden- Fehldruck“, der „Gelbe Hund“, die „Potschta“, die einzige Briefmarke mit deutscher und russischer Inschrift oder die „Gescheidle Briefmarke“, eine vorbereitete, wegen des westlichen Olympia-Boykotts 1980 aber nicht verausgabte Marke, die ihre Existenz den Vorlagestücken für den damaligen Postminister verdankt, die zum Teil versehentlich zum Frankieren benutzt wurden. Ähnlich verhält es sich mit der Freimarke zu 80 Pfennig mit dem Bildnis von Ernst Thälmann in der Farbe dunkellilaultramarin mit Lacküberzug (Mi.-Nr. 339 xb) des Sammelgebietes DDR, die bald den Kosenamen „Lack 80“ oder auch „Lackmarke“ erhielt. Ohne Ankündigung kam diese Briefmarke an die Postschalter, wurde in einer Blitzaktion zurückgezogen und fünfundzwanzig Tage später für ungültig erklärt. Amtliche Erklärungen seitens der Deutschen Post der DDR gab es nur in vager Form. Ein guter Nährboden für Mutmaßungen und die Bildung von Legenden. Erst die Sichtung und Aufarbeitung der amtlichen Dokumente des Ministeriums für Post und Fernmeldewesen (MPF) nach über vierzig Jahren der Existenz der „Lack 80“ ermöglichte eine Rekonstruktion der - für die Philatelisten im Verborgenen gebliebenen - damaligen Geschehnisse, die eine neue objektivere Sicht auf diese interessante Marke ermöglicht. Und nicht zuletzt die Prüfung dieser Marke auf eine neue Basis stellte. Warum eine Freimarke mit Lacküberzug? Ende 1952 waren die Bestände an 80 Pf Marken mit dem Bildnis von Ernst Thälmann bei der Deutschen Post so weit aufgebraucht, dass ein Auftrag zum Druck einer weiteren Teilauflage vergeben wurde. Die Beschaffung einer geeigneten Farbe für diese Marke stieß auf erhebliche Schwierigkeiten. Die Farbmischungen, die bei der Deutschen Wertpapierdruckerei als auch bei den VEB Graphische Werkstätten hergestellt wurden, waren letztlich ungeeignet. Keine der benutzten Farben trockneten so, dass die Bogen hätten in den Verkehr gebracht werden können. Im Februar 1952 lagerten zirka 40.000 (Druck)bögen zu je vier Schalterbögen in der Druckerei, deren Farbe auch nach einem Monat noch nicht ausgetrocknet war: „Bei der Herstellung des 80 Pf- Wertes der Dauerserie ist eine Farbe verwendet worden, die sich auch nach Ablauf eines Monats noch verwischen ließ“ ist in den Akten nachzulesen (DM 3 Pwz 139 Seite 2). Um die nun bereits mehrere Monate fehlende Marke endlich an die Postschalter bringen zu können, wurde versuchsweise mindestens ein Druckbogen mit einem Lacküberzug versehen. Am 2. März 1953 schrieb der Chefinstrukteur der Abteilung Post der Bezirksdirektion für Post- und Fernmeldewesen in Leipzig (BPF), die mit der Organisation des Briefmarkendrucks beauftragt war, an das Ministerium für Post und Fernmeldewesen einen Brief. Ein lackierter Druckbogen zu 400 Marken (unperforiert) war beigefügt. Im Anschreiben wird unter anderem bemerkt, dass das Ergebnis mit dem Lacküberzug gut ist und keine Bedenken bestehen, die lackierten Marken in den Verkehr zu bringen. Der Farbunterschied wurde mit „unerheblich“ eingestuft. Am 10. März 1953 wurde das Genehmigungsschreiben entworfen: „Die Anwendung eines leichten Lacküberzugs bei der Herstellung der 80 Pf-Marke mit dem Bildnis Ernst Thälmanns wird genehmigt. Das am 15.3. erscheinende Amtsblatt wird einen entsprechenden Hinweis enthalten“ (DM 3 Pwz 139). Die Geburtsurkunde der „Lack 80“. Wegen der Dringlichkeit wurde schon vorab fernmündlich das Einverständnis der Druckerei mitgeteilt. Den Druckbogen erbat die Druckerei zurück. Um den 10. März 1953 muss somit mit Hochdruck an der Lackierung der Druckbögen gearbeitet worden sein. Nach der Trocknung wurden die Druckbögen gezähnt. Als letzter Arbeitsgang erfolgte das Auftrennen der Druckbogen in Schalterbogen und die Verpackung dieser in die Bogentaschen. Sofort müssen die Bogentaschen dem HPA LEIPZIG N 18 (zentrale Verteilstelle) übergeben worden sein, in deren Händen die weitere Verteilung an die Verteilstellen der Bezirksdirektionen der Deutschen Post lag. Diese versorgten die Postämter in ihrem Bereich entsprechend den Bestellungen. Dr. Zempel beschreibt in einem Aufsatz „80 Pf mit Lacküberzug“ den Lacküberzug: „Die Lackschicht ist verschieden stark aufgetragen auf den Bogen zu finden, von ganz dünn bis kräftig dick. Sie erstreckt sich ca. 5 mm in die seitlichen Bogenränder, wo ihre Grenze, entsprechend dem Lackauftrag mehr oder weniger deutlich, sichtbar ist. Dieser ist leicht gelblich, dick auf getragener Lack tönt die unbedruckten Teile der Marke auch gelblich. Durchgängig verfärbt er die ursprünglich tiefviolette Markenfarbe, die noch die nicht lackierten Randleisten aufweisen, in Schwarzblau. Die Lackschicht quarzt in sattem, gelblichem Weiß, das sich abhebt von dem wässrigen Hell des Papiers der nicht lackierten Seitenränder. Nach bisherigen Feststellungen weisen wenige Bögen einen bläulich getönten Lack auf…..Ja, bei einer Variante dieser Marke mit hauchdünnem Lackauftrag könnte man sogar zweifeln, ob sie überhaupt mit Lack überzogen wäre, gäbe es nicht noch andere Merkmale für seine Existenz (l). Der angebliche Erstausgabetag 18. März 1953 Im gleichen Aufsatz von Dr. Zempel findet sich ein Hinweis zum 18. März 1953 : „Die vom MPF einem Sammler erteilte Auskunft, die Marke hätte vom 18.3. bis 15.4.1953 Gültigkeit zum Freimachen von Postsendungen gehabt...“ (l). Hier könnte die Ursache für den in philatelistischen Kreisen lange gehandelten (Erst)ausgabetag der „Lack 80“ liegen. Die Legende vom Erstausgabetag lässt sich mit FDC belegen, deren Echtheit kaum zu erbringen ist. In verschiedenen Dokumenten des MPF aus dem Mai 1953 werden die Angaben von Dr. Zempel indirekt bestätigt mit Formulierungen wie: „....auch zwei Tage an die Postkunden abgegeben worden ist“ oder ähnlich. Diese zwei Tage können nur vom 20. März aus einen Sinn ergeben, wie noch zu lesen sein wird. Zurückgerechnet ergibt dies den 18. März 1953. Lange Jahre war auch im MICHEL-Deutschland-Spezial dem 18. März 1953 eine besondere Stellung zuerkannt. Andererseits gibt es zweifelsfreie Paketkartenabschnitte (PKA), die vor dem 18. März 1953 datiert sind. Ein Beweis für die schnellstmögliche Auslieferung dieser Marke seitens der Druckerei. Übrigens war für die Deutsche Post die „Lack 80“ nie eine eigenständige Ausgabe. Wie überhaupt die Freimarkenserie „Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft“ mit dem Wasserzeichen „DDR und Posthorn“ seitens der Deutschen Post nie als eigenständige Ausgabe angesehen wurde. Die Sammler und Händler wurden mit dieser Serie nicht automatisch beliefert. Diese Aussage liegt auch nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass die „Lack 80“ später unter anderem an Sammler abgegeben wurde. In der Chronologie sind wohl die nächsten entscheidenden Tage der 20. und 21. März 1953. Das Telegramm „1462 SS LEIPZIG TELES 33 211315“ In einem Dokument vom 12. Mai 1953 des Leiters der Oberpostdirektion Berlin an das Ministerium für Post und Fernmeldewesen (MPF) werden die Geschehnisse vom 20. März 1953 rekapituliert. Es heißt wörtlich: „ Obwohl das MPF den Absatz der in dieser Form hergestellten Wertzeichen genehmigt hatte, kamen dem für die Bearbeitung der Postwertzeichen verantwortlichen Kollegen der OPD Berlin in den Vormittagsstunden des 20.3.53 Bedenken, ob sich die Wertzeichen infolge des Lacküberzuges für den Postbetrieb als geeignet erweisen würden. Das Ergebnis eines sofort veranlassten Probestempelabdruckes ergab, dass der Abdruck leicht entfernt werden konnte, ohne das Spuren einer Entwertung erkennbar waren. Das sofort hiervon in Kenntnis gesetzte MPF veranlasste nochmals drei Probestempelabdrucke mit der Auflage, den Abdruck drei Stunden eintrocknen zu lassen. Nachdem auch dieser Versuch das gleiche Ergebnis zeigte, ordnete das MPF gegen etwa 15.30 Uhr die Einstellung des Verkaufs an“ (DM 3 Pwz 139 S. 14). In einem Schreiben vom 21.3.1953 des MPF an die BPF Leipzig wird die Druckeinstellung verfügt: „Das mit einem Lacküberzug versehene Postwertzeichen zu 80 Pf mit dem Bildnis von Ernst Thälmann ist für den Postbetrieb ungeeignet, weil sich der darauf abgedruckte Tagesstempel abwischen lässt. Die weitere Herstellung dieses Wertzeichens ist deshalb sogleich einzustellen, etwa vorhandene Bestände sind nicht an die Wertzeichenverteilämter abzugeben und bereits gelieferte Wertzeichen dieser Art zurückzufordern. Die der Versandstelle für Sammlermarken und dem MPF überwiesenen Mappen sind diesen Dienststellen zu überlassen“ (DM 3 Pwz 139). Daraufhin wurden noch am 21. März 53 von der BPF Leipzig, als Beauftragte für die Verteilung der Briefmarken, Telegramme mit folgendem Wortlaut versandt: „BF FS NR 5585 DIE VOM VEB GRAPHISCHE WERSTÄTTEN ZUGESANDTEN LACKIERTEN 80 PF MARKEN SOFORT AN DRUCKEREI ZURÜCKSENDEN SICHERSTELLEN DAS KEINE ABGEGEBEN WERDEN = PB WZ l 2041-0 HAMANN (DM 3 Pwz 139 Seite l). Die „Lack 802“ wird außer Kurs gesetzt Bei der Überprüfung der zurückgesandten Marken wurde festgestellt, dass nicht in jedem Fall die gelieferte Anzahl zurückgesandt wurde. „Hierbei musste leider festgestellt werden, dass einzelne Stücke bereits an Postkunden abgegeben worden waren. Wenn auch der Vertrieb dieser Wertzeichen unterbunden worden ist, so sind dennoch geringe Mengen im Umlauf, die für die Freimachung von Postsendungen verwendet werden können. Um hieraus Weiterungen zu vermeiden, erscheint es geboten, die Wertzeichen der Dauerserie zu 80 Pf beschleunigt außer Kurs zu setzen. Zweckmäßig erscheint, hierfür den 15. April 1953 vorzusehen. Und die etwa in den Händen der Postkunden befindlichen Stücke gebührenfrei gegen andere kursfähige Wertzeichen umzutauschen“ (DM 3 Pwz 139 S. 2). Das Aktenblatt trägt das Datum 30. März. Ebenfalls in diesem Aktenblatt befindet sich ein Entwurf für das nächste erscheinende Amtsblatt: „Zurückziehung eines Postwertzeichens der Dauerserie“ - „Das Postwertzeichen der Dauerserie zu 80 Pf mit dem Bildnis Ernst Thälmanns (lackiert und unlackiert) wird mit Ablauf des 15. April 1953 ungültig. In Händen der Postkunden befindliche Briefmarken sind gebührenfrei gegen kursfähige umzutauschen. In den Schaltervorräumen ist ein entsprechender Hinweis anzubringen“ (DM 3 Pwz 139 S.2). Es wurde festgelegt, dass in Händen der Postkunden befindliche Stücke bis zum 30. April gebührenfrei umgetauscht werden können. Ebenfalls am 10. April meldet sich die BPF Potsdam zu Wort, die fernmündlich über den Tag der Außerkurssetzung unterrichtet war. „Wir sind der Meinung, dass, auch wenn eine Zurückziehung der 80-Pf-Wertzeichen für unumgänglich sein sollte, unbedingt ein anderer Zeitpunkt als gerade der Geburtstag dieses großen Deutschen gewählt werden muss. Die Notwendigkeit einer Aufrechterhaltung der VMBlVf 90/1953 kann von uns nicht eingesehen werden, weil die genannten Wertzeichen seit Jahren bzw. mindestens seit Wochen im Umlauf sind und ihre Zurückziehung auch nicht durch KS mit sofortiger Wirkung sondern durch VMBlVf zu einem bestimmten Zeitpunkt (Geburtstag) erfolgen würde“ (DM 3 Pwz 139 S. 6). Mit einem Trick befreite man sich aus dieser „Zwickmühle“. Die Entscheidung zum Erstausgabetag der Freimarke mit dem Bildnis von Ernst Thälmann in roter Farbe (Mi.-Nr. 340) wurde am 21. April - also rückwirkend – mit dem 16. April festgelegt: „Als erster Ausgabetag für das in roter Farbe hergestellte Postwertzeichen der Dauerserie zu 80 Pf mit dem Bildnis Ernst Thälmanns ist der 16. April 1953 anzusehen. Um hierbei den Wünschen aus Kreisen der Philatelisten besonders zu entsprechen, wird die Abgabe eines Ersttagsbriefumschlages bei der Versandstelle für Sammlermarken mit dem Stempelabdruck vom 16. April 1953 genehmigt“ (DM 3 Pwz 139 S. 7). Übrigens ist Bedarfspost vom „Erstausgabetag“ der Mi.-Nr. 340 bis heute dem Autor unbekannt! Um den 20. April lagen postintern verlässliche Zahlen über die Anzahl der verkauften lackierten Thälmann-Marke vor. Die Ausgabepostämter konnten nur zum Teil detailliert ermittelt werden. Verkaufszahlen und Ausgabepostämter Im Michel-Deutschland-Spezial ist eine Verkaufszahl von 44.374 Stück vermerkt. Dazu die Bezirksdirektionen, in denen die „Lack 80“ verkauft wurde. Nach den Dokumenten ergibt sich folgendes konkrete Zahlenbild:
Beim VEB Graphische Werkstätten lagerten 5.096.670 Stück und bei der Versandstelle für Sammlermarken 249.956 „Lack 80“ (DM 3 Pwz 139 S. 8). Dies entspricht nicht der Anzahl an Marken der im Februar lagernden 40.000 Druckbögen zu je vier Schalterbögen. Die Zahlen ergeben einen Sinn in Kenntnis der internen Mitteilung, fürs erste einen Vierteljahresbedarf mit einer Lackschicht zu versehen. Zu den in Berlin verkauften 44 Marken gab es eine postinterne Untersuchung. Der Leiter der OPD Berlin führt am 12. Mai in einem Schreiben an das MPF aus: „Auf Grund einer Mitteilung des PA Berlin W 8 vom 15.4.1953 wurde eine eingehende Untersuchung hinsichtlich der Abgabe dieser Postwertzeichen durchgeführt., da nach Ansicht des Postamts nach dem Einstellen des Verkaufs noch Wertzeichen dieser Art an Angehörige der Versandstelle abgegeben wurden. Außerdem vermutete das Postamt, dass der Verkauf dieser Wertzeichen an Postkollegen unrechtmäßig erfolgte und die Käufer spekulative Absichten verfolgen würden. Nach unserem Untersuchungsergebnis entspricht es jedoch nicht den Tatsachen, dass sich Angehörige der Versandstelle nach dem 20.3.53 Wertzeichen dieser Art verschafft haben. Die vom PA Berlin W 8 beschuldigten VerwAng der Versandstelle hatten bereits am 20.3.53 ihre Marken erworben. Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich zweifellos noch um kursfähige Wertzeichen, die auch jeder Postkunde an der Verkaufskasse der Versandstelle hätte abfordern können. Nach der Einstellung des Verkaufs der Wertzeichen mit Lacküberzug wurden lediglich 10 Stück abgegeben, die vom MPF bei der OPD Berlin angefordert und auftragsgemäß auf Grund einer Vf des Ref PB von der Versandstelle zur Verfügung des MPF geliefert wurden“ (DM 3 Pwz 139). Es ist festzuhalten, die „Lack 80“ war in Berlin nur wenige Stunden an der Verkaufskasse der Versandstelle für Sammlermarken am 20. März 1953 für Postkunden erwerbbar! Das MPF war bestrebt, auch die Ausgabepostämter zu ermitteln. Dies gelang aber nur für die BPP Chemnitz und BPF Leipzig:
Sämtliche sonstige Postämter dieser beiden Bezirke, die ebenfalls die „Lack 80“ erhielten, gaben diese wieder vollzählig zurück (DM 3 Pwz 139 S. 10). Vermarktung der „Lack 80“ In den Akten befinden sich verschiedene Anfragen von Sammlern und Händlern aus den ersten Tagen des Mai 1953 nach der „Lack 80“. Das MPF sah sich genötigt, darauf zu reagieren. Die Abgabe der „Lack 80“ in postfrischer Erhaltung an die organisierten Sammler in der DDR und dem Deutschen Innen- und Außenhandel (DIA) wurde damit begründet, „dass das lackierte Postwertzeichen zu 80 Pf der Dauerserie amtlich für die Freimachung von Postsendungen zugelassen und auch zwei Tage lang an die Postkunden abgegeben worden ist“ (DM 3 Pwz 139 S. 12).
Die Bemerkung im Michel-Deutschland-Spezial 2002 S. 239 „Der Rest wurde vernichtet“ ist in der Aussage nicht ganz korrekt. Am 18. Mai 1953 bestellt der DIA offiziell „100.000 Stück der 80 Pfg.-Marke Thälmann, blau mit Lacküberzug, postfrisch, zum Gesamtpreis von DM 10.656,- (DM 3 Pwz 139 S. 15). Nebenbei werden auch gleich noch 8.000 Satz Deutsch-Chinesische- Freundschaft (Mi.-Nr. 286 bis 288) mit bestellt. Mit Datum 22. Juli 1953 erhielt die Abteilung A des Briefmarkenarchivs eine Liste mit den genauen Zahlen der per Wertbrief zu übersendenden „Lack 80“ an die Bezirkskommissionen Philatelie. (DM 3 Pwz 139 S. 69). Die bei der Versandstelle für Sammlermarken eingetragenen 15.000 Bezieher erhielten wie festgelegt je zwei Stück. Die verbliebenen 50.000 Stück wurden beim MPF eingelagert. Aber auch Anfang 1954 wurden noch Bestände auf Bitten und Drängen abgegeben. So erhielt die Bezirkskommission Philatellie Leipzig Anfang Mai 1954 noch einmal l.000 „Lack 80“ (DM 3 Pwz 139 S. 293). Ende Mai taucht die „Lack 80“ in Westberlin auf. Das MPF ist irritiert. Die „Lack 80“ zu Tausenden in Westberlin zu haben Das folgende Zitat stammt aus einem Schreiben von der Oberpostdirektion Berlin und ist gerichtet an das MPF: "Durch Rohrpost und Eilboten sofort auf den Tisch....wann mit dem Versand der lackierten 80 Pf-Marken begonnen würde, da diese Marken seit 2 Tagen in Westberlin zu Tausenden zum Preis von etwa 20 Pf-West-je Stück gehandelt würden. Da bisher nur an den DIA 100.000 Stück dieser Marken geliefert worden sind (am 27.5. mittags) und ein Versand an die Dauerkunden noch nicht begonnen hat, besteht d. E. nur die Möglichkeit, dass diese Marken über den DIA, dem die Marken übergeben wurden, nach Westberlin gelangt sind... es wird gebeten, möglichst bald Nachforschungen in dieser Angelegenheit einzuleiten“ (DM 3 Pwz 139 S. 23). Am 12. Juni liegt das Untersuchungsergebnis vor: „Die Ermittlungen haben ergeben, dass durch den DIA - Holz und Papier - am 27.5.53 ein Geschäft mit dem schwedischen Briefmarkenhändler Gummesson abgeschlossen wurde, wobei diesem auch lackierte 80 Pf-Marken überlassen worden sind, deren Bezahlung durch Dollar erfolgt sein soll. Bei dieser Sachlage besteht die Möglichkeit, dass der genannte Händler die erworbenen Marken k. H. in Westberlin abgesetzt hat. Mit Rücksicht darauf, dass von weiteren Feststellungen kein besonderer Erfolg zu erwarten ist, wird die Angelegenheit nicht weiter verfolgt“ (DM 3 Pwz 139 S. 22).
Siegfried Paul, BPP |
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