Philatelie
Das wertvollste Berlin-Heftchen PDF Drucken E-Mail
Samstag, 20. September 2008 um 15:18
Im Mai 1952 kam in Berlin das zweite Markenheftchen an die Postschalter. Eine hervorragende Investition: Vom Postpreis 2 DM hat es sich auf mehr als den tausendfachen Wert gesteigert! Damit ist MH 2 heute das teuerste Berliner Heftchen. Wir haben schon vor Jahren in dieser Rubrik auf die überdurchschnittlichen Zukunftschancen dieser Ausgabe hingewiesen. Die Deckelseiten wurden auf bräunlichgelbem Karton in Blau bedruckt. Die Umschlagseiten 2 und 3 nennen die Postgebühren mit Stand des Ausgabejahres 1952. Zu haben war MH 2 wie MH l für zwei Mark. Doch während bei MH l die Auflagezahl von 100 000 Stück bekannt gegeben wurde, fehlt eine Angabe bei MH 2. Die produzierte Menge dürfte erheblich größer gewesen sein, da erst 1961 ein neues Markenheftchen Berlins erschien. Doch bei Sammlern und Händlern wurde diese Ausgabe offenbar vernachlässigt und größtenteils bedarfsmäßig verbraucht. Der Markeninhalt bei MH 2 umfasst sechs unterschiedliche Heftchenblätter. Kombiniert mit fünf Markenfeldern einheitlicher Wertstufen zu l, 4, 10 oder 20 Pfennig ist jeweils links oben ein Reklamefeld zu finden. Diese Anhängsel tragen Werbung für verschiedene Postbereiche:

* R 2 / 20 Pfennig rot: „Die Briefmarke - ein Geschenk für unsere jungen Schulsparer“;
* R 3 /10 Pfennig grün: „Die Berliner Schuljugend spart durch Briefmarken“;
* R 4 / 4 Pfennig ocker: „Aktuelle Meldungen aus aller Welt / Ruf 23“;
* R 5 / 4 Pfennig ocker: „Telegramm-Aufgabe durchs Telefon spart Zeit / Ruf: 24 00 19“;
* R 6 /1 Pfennig schwarz: „Der Fernsprech-Auftragsdienst ist immer für Sie auf Draht Ruf: 04“;
* R 7 /1 Pfennig schwarz: „Die Deutsche Post – Ihr treuer Helfer!“.

Für die Heftchenproduktion benötigte man einen Zusammendruckbogen, der alle Werte und Werbefelder enthielt. Dieser MHB 2 besteht aus zehn senkrechten bzw. 18 waagrechten Markenreihen, geteilt durch drei senkrecht durchgehende, nicht durchgezähnte Zwischenstege; Wie viele Heftchenbogen ungeteilt für zehn Mark Nominalpreis zu Sammelzwecken verkauft wurden, ist unbekannt – bei MHB l waren es nur 6000 Stück. Aber auch die Vielzahl enthaltener und nur daraus erhältlicher Zusammendrucke (ZD) macht komplette Exemplare zu Seltenheiten. Aufgrund problematischer Erhaltung des Großformats und anhaltender Nachfrage nach ZD-Kombinationen werden selbst heute noch gelegentlich solche Bogen aufgeteilt. 34 Zusammendrucke werden gemäß Michel registriert:waagrecht W 17 bis W 40, senkrecht S 5 bis S 10 sowie SZ 5-6 und SKZ 3-4. Davon kommen nur die günstigsten zwölf aus den Heftchen bzw. MH-Blättern 5-10 vor.

Die Bewertungen von MHB 2 haben gegenüber MHB l deutlich aufgeholt. 1980 postfrisch noch mit 3200 Mark bewertet, 1990 mit 4000 Mark angesetzt, hat sich der Katalogpreis bis 2000 auf 12000 Mark gesteigert und 2001 mit 6000 Euro gehalten. MHB l a/b stehen ** bei 7000 / 8000 Euro. Anfang 2002 wurden drei postfrische Exemplare von MHB 2 bei Köhler ausgerufen, jeweils zweimal gefaltet wie bei Auslieferung durch die Versandstelle üblich. Ein ansonsten fehlerloses Stück steigerte sich von 1500 auf 1600 Euro. Ein weiteres wies eine angetrennte Zahnreihe auf und konnte 1250 Euro erzielen, ebenso das dritte mit kleiner Haftstelle im Rand.

Viele knappe Zusammendrucke

Die Mehrzahl der Zusammendrucke lässt sich ausschließlich aus den Markenheftchenbogen trennen und erzielt in dieser Art teils wesentlich höhere Preise. Zu diesen höherwertigen ZD gehören die Dreier-Kombinationen sowie die gemischten Streifen mit Zwischensteg und Reklamefeld, SZ 5-6 und die ähnlichen Kehrdrucke SKZ 3-4. Sauber, einwandfrei und echt gestempelt sind die meisten Zusammendrucke seltener als postfrisch. Die Aufschläge liegen etwa zwischen zehn und 33 Prozent. Eine komplette Garnitur der Zusammendrucke ** W 17-SKZ 4, zusätzlich Heftchenblatt 5-10 (teils ohne Rand) brachte 2001 ein Ergebnis von 3200 Mark. Schon vor Jahren habe ich in dieser Rubrik auf die Aufstiegschancen des MH 2 hingewiesen. Damals stand es nach Katalogwert MH 2 nur 50 Mark höher notiert als MH l; in der Praxis war und ist es allerdings deutlich seltener. Unser Tipp von damals: „Eine deutlichere Wertsteigerung erscheint längst überfällig ... als besonders aussichtsreich zu empfehlen, eine gute Investition für die Zukunft!“ Ein Rat, der sich seither vielfach bestätigt hat – der Katalogpreis hat sich nach 1990 immerhin verdreifacht.

Auf Auktionen erzielten einwandfreie Exemplare von MH 2 im vergangenen Jahr nach Ausruf zu 600 bis 780 Mark Zuschläge zwischen 840 und 1050 Mark plus Aufgeld. Ein Exemplar mit Beschreibung „Blätter teils in Heftchenzähnung, was völlig normal ist“ kam auf 800 DM. Mit minimalem Fleckchen auf der Vorderseite brachte die Ausgabe noch 660 Mark; mit Hinweis „unten übliche Zähnung“ 520 DM. Ein angebrochenes Exemplar mit Heftchenblatt 8 und 9 komplett, sonst je zwei Marken fehlend, fand für 400 Mark kein Erbarmen. Immerhin wurde ein Heftchen ohne Blätter, nur als Deckel sowie mit allen fünf Zwischenblättern für 90 Mark zugeschlagen. Auch nach der Euro-Einführung blieben die Preise fest. Fünf Exemplare, mit je 350 Euro ausgerufen, brachten 410 bis 490 Euro. Wesentlich niedriger schloss ein MH 2, bei dem das Heftchenblatt 5 nur in Form des Zusammendruck S 5 vorhanden war. Die vier fehlenden 20-Pfennig-Marken Mi.-Nr. 49, Katalogwert 28 Euro, reduzierten das Ergebnis auf 180 Euro. Weiterhin zu beachten sind die herstellungsbedingten Plattenfehler, die für die Bewertung bei MH l und 2 eine zusätzliche Rolle spielen. Bei Preisen bis über 100 Euro pro Abart kann sich die genaue Kontrolle bezahlt machen, zumal teils mehrere Exemplare in einem MH zu finden sind.


MICHAEL BURZAN
überarbeitet M. M.
 

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