Als die Währung explodierte Alle kuriosen, sensationellen und befremdenden Informationen aus der nun 163 Jahre währenden Geschichte der Postwertzeichen verblassen gegenüber der katastrophalen Nachricht aus Deutschland, dass am 30. November 1923 eine Briefmarke im Werte von 50 Milliarden Mark - das ist eine Fünf mit zehn Nullen - erforderlich war, um einen einfachen Inlandsbrief von 20 Gramm korrekt freizumachen. Dies war der höchste Markenwert, der jemals in der Welt ausgegeben wurde. Am darauf folgenden l. Dezember entsprach diese gewaltige Summe nur noch dem Wert von zehn Pfennigen einer mit diesem Tage eingeführten realen Währung. Das deutsche Volk kam damit nach einem fast fünf Jahre andauernden Verfall seiner Währung infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges überhaupt wieder in die Lage, sich allmählich von dem Trauma der wohl schwerwiegendsten Inflation seiner Geschichte zu befreien. Deren materieller und ideeller Schaden mit allgemeiner Volksarmut und vernichteter Nationalexistenz ist niemals auf Heller und Pfennig aufgerechnet worden. Geblieben ist eine immer mehr verblassende Erinnerung an dieses Debakel - nebst einer wahren Flut von Postwertzeichen aus dieser Zeit und der Frage, wie man bei der Post überhaupt mit all den Begleiterscheinungen dieses nationalen Niedergangs fertig geworden ist.
Bilanz aus berufenem Munde
Ein dazu befähigter Ministerialamtmann H. Schulze aus Berlin hat darüber im Archiv für Post und Telegraphie, Jahrgang 1924, umfassend berichtet. Nach seiner Darstellung gab es für die ausreichende, fristgerechte Bereitstellung aller erforderlichen Postwertzeichen im ersten Zeitabschnitt der Inflation keine Schwierigkeiten - solange keine wesentlichen Änderungen der Gebührensätze erforderlich waren. Die Reichsdruckerei war jederzeit in der Lage, alle Markenbestellungen innerhalb von 14 Tagen auszuführen.
Ergab sich in einzelnen Fällen die Notwendigkeit zur Einführung höherer Postgebühren, deren Verrechnung durch bereits vorhandene Markenwerte nicht mehr möglich war oder unzweckmäßig erschien, konnte in der Regel der Zeitpunkt der Gebührenänderung so festgelegt werden, dass die rechtzeitige Herstellung und Auslieferung neuer Wertzeichen gesichert blieb. In den Kriegsjahren, gab es lediglich am l. August 1916 und am l. Oktober 1918 zwei Portoerhöhungen, für die jeweils nur drei neue Markenwerte benötigt wurden. Auch in den folgenden Jahren, als die Gebühren infolge des sinkenden Mark-Kurses am l. Oktober 1919, 6. Mai 1920 und l. April 1921 erhöht und damit neue Markenwerte geschaffen werden mussten, konnten die Postämter noch immer mit den gebräuchlichsten Markenwerten beliefert werden. Daran änderte sogar die allmähliche Abschaffung der kaiserlichen „Germania“ Marken nichts, die in der Öffentlichkeit zunehmend als ein Sinnbild der zerschlagenen kaiserlichen Herrlichkeit verurteilt wurden.
Die Inflation galoppierte
In den Jahren 1922 und 1923 veränderten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland unter der Ungunst der allgemeinen Wirtschaftslage und besonders mit der ungebremst fortschreiten den Geldentwertung dramatisch. Mit dieser Entwicklung konnte die Postverwaltung jetzt nicht mehr Schritt halten. So wurden die Postgebühren 1922 fünfmal - am l. Januar, l. Juli, l. Oktober, 15. November und 15. Dezember - erhöht. Es folgte das Jahr 1923 mit insgesamt 16 Portosteigerungen, die sich schließlich in terminlicher Folge förmlich jagten. Ihre Aufzählung belegt diese Situation. Zunächst stieg das Porto in Monatsfrist am 15. Januar 1923, dann am l. März, l. April und l. Juli. Im August gab es am l. und 24. des Monats zwei Erhöhungen, die im September am l. und 20. fortgesetzt wurden. Dann ging es in den Monaten Oktober mit Steigerungen am l., 10. und 20. Tag mit noch größerem Tempo in den finanziellen Ruin, um schließlich mit Portoerhöhungen am l., 5., 12., 20. und 26. November 1923 den absoluten Zusammenbruch zu erreichen. Das war auch der Zeitpunkt, als die Reichsdruckerei ihre Unfähigkeit zum Druck weiterer Marken mit den jetzt gigantischen Werten erklären musste.
Eine Flut von Postwertzeichen
Als dann ab l. Dezember 1923 - mit dem Ende der Inflation - die Postgebühren wieder auf eine wertbeständige Grundlage gestellt werden konnten und damit auch wieder kursfeste Freimarken bereitstanden, ließ sich das ganze Ausmaß dieser nationalen Katastrophe nirgends so klar und überschaubar ermessen wie an der Markenpolitik jener Zeit. Insgesamt kamen in der Republik Deutschland vom l. Mai 1919 bis zum 26. November 1923 stolze 340 Inflationsmarken zur Ausgabe. Damit wurde die Zahl aller seit der Gründung der Deutschen Reichspost (Januar 1872) aufgelegten 104 Postwertzeichen unter dem Druck der Notsituation in den Inflationsjahren um mehr als das Dreifache überboten. Die größten Schwierigkeiten bei der Herstellung immer hochwertigerer Postwertzeichen lagen bei den immer kürzer werdenden Zeiträumen zwischen der Verabschiedung der Gebührenvorlagen durch den Verkehrsbeirat, den Reichsrat und den Reichstag. Vor ihrem Inkrafttreten lagen nach Verkündung schließlich nur noch wenige Tage. Auch wenn in der Regel umfangreiche Vorbereitungen zur Anfertigung neuer Markenwerte bereits vor einer solchen Festlegung getroffen wurden, reichte dann die zur Verfügung stehende (kurze) Zeit nicht mehr aus, um die neuen Marken rechtzeitig herzustellen. Erschwerend wirkte sich dabei zunehmend eine oft zeitraubende Beratung der gesetzgebenden Körperschaften über Änderungen der vorgeschlagenen Gebühren aus. Damit kamen an Stelle der längst vorbereiteten neuen Postwerte solche in den Druck, für die alle Zuarbeiten von vorne begonnen werden mussten. Für Buchdruckmarken dauerte die Anfertigung der Druckplatten gewöhnlich drei bis vier Wochen; jene für den Kupferdruck (der zur Bekämpfung von Fälschungen gern für hochwertige Marken gewählt wurde) erforderten zur Plattenherstellung noch viel mehr Zeit. Eine weitere Zeitverzögerung ergab sich bei der Versendung der gedruckten Marken an die Verteilerstellen der Post bei den Oberpostdirektionen. Die Reichsdruckerei konnte damit aus drucktechnischen Gründen gewöhnlich erst acht bis zehn Tage nach dem Andruck beginnen. Selbst ein Gesetz vom 17. August 1923 (Ermächtigung des Reichspostministers zur selbstständigen Festlegung neuer Portosätze) brachte in der Wertzeichenherstellung keine zeitlichen Verbesserungen. Die jetzt fast täglich wirkenden gewaltigen Kurssprünge nach oben ließen selbst geringe Zeiteinsparungen im Markendruck nicht mehr zu.
Einsatz aller Reserven
Die Reichsdruckerei war von der unaufhaltsamen Entwertung der deutschen Mark im Jahre 1923 am schwersten betroffen. Sie musste neben dem wachsenden Umfang der neuen Postwertzeichen auch für andere Verwaltungen ebenso große -Mengen immer hochwertigerer Gebührenmarken bereitstellen - etwa Steuer- und Stempelzeichen wie Einkommens-, Wechsel-, Umsatz- und Gesellschafts-Steuermarken, statistische Stempelmarken, Rückvergütungsmarken für die Presse und einen Teil der Rentenversicherungs- Marken in immer höheren Werten. Zunächst konnte das anwachsende Druckaufkommen durch den Einsatz einer größeren Zahl von Druckmaschinen kompensiert werden. Weil eine Neubeschaffung solcher Geräte zu lange dauerte, wurde in der Reichsdruckerei später in mehreren Schichten gearbeitet, wobei auch die Sonntage inbegriffen waren. Während zu gewöhnlichen Zeiten vier Rotations- und fünf Flachdruckmaschinen in einer Tagesschicht von acht Stunden den gesamten Bedarf an Postwertzeichen für ganz Deutschland herstellen konnten, liefen in der letzten Phase der Inflation rund um die Uhr in drei Schichten ohne Unterbrechung vier Rotationsmaschinen. Hinzu kamen nach Bedarf 25 bis 30 Flachdruckmaschinen in zwei bis drei Schichten. Schließlich wurde auch der Offsetdruck (ein Gummidruckverfahren) in erweitertem Umfang mit herangezogen.
Bei der Vorbereitung des Papiers und der Fertigstellung der Marken hatte die Reichsdruckerei mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die vorhandenen fünf Maschinen zur Beschichtung des Papiers mit Klebstoff genügten schließlich nicht mehr. Private Druckereien mussten aushelfen. Auch die rund um die Uhr eingesetzten 30 Perforiermaschinen zum Lochen der Druckbögen konnten zeitweise nicht die anfallenden Druckmengen aufarbeiten. Ein Teil der Bogen wurde deshalb nicht durchlocht, sondern von Druckmaschinen mit Zickzacklinien versehen, die ein Trennen der Marken ermöglichten. Die Reichsdruckerei war zuletzt dank Mobilisierung der letzten Reserven in der Lage, täglich eine Million Markenbogen zu liefern. Das war das Vierfache des Produktionsvolumens in normalen Zeiten. Und dennoch reichten diese Anstrengungen nicht mehr zur vollen Deckung des Markenbedarfs aus. Abgesehen von der letzten Portoerhöhung vom 26. November 1923, bei der die vorhandenen Marken bis zum 30. November zum vierfachen Betrag des aufgedruckten Wertes verkauft werden mussten, waren bei annähernd allen vorhergehenden Erhöhungen neue Marken erforderlich. Weil diese Werte nicht immer sofort bereitgestellt werden konnten, bot man den Postkunden zunächst niedrigere Werte als Ersatz an. Das brachte unliebsame Auseinandersetzungen und Verzögerungen bei der Abfertigung an den Postschaltern mit sich. Briefe aus dieser Zeit mit dachziegelförmig beklebten Vorder- und Rückseiten und zum Teil sogar mit anhängenden beklebten Legenden brachten damals den Postbetrieb unliebsam zum Stocken - und erfreuen heute umso mehr ihre glücklichen Besitzer und Sammler.
Rückgriff auf Ladenhüter
Seit jeher mussten bei den Postämtern die gängigsten Markenwerte stets in ausreichender Menge bevorratet werden, um Engpässe im Postlauf zu vermeiden. Dieser Grundsatz blieb auch während der Inflation gültig. Als jedoch in der Hochinflation seit Mitte 1922 die Portosätze oft über Nacht explosionsartig in die Höhe schnellten, reichten ganze Bogen der zuvor gültigen Marken nicht mehr aus, um damit eine einzige Briefsendung freizumachen. Sie wurden zunehmend zur Makulatur. Trotzdem blieben sie weiter gültig, um beim Fehlen höherer Werte immer noch eine Gelegenheit zum Freimachen von Sendungen zu haben. Schon 1922 wurde immer wieder vorgeschlagen, nicht mehr gangbare ältere Marken durch Aufdrucke aufzuwerten, um damit die Versorgung der Postanstalten zu beschleunigen und gleichzeitig die in der Herstellung teuren Restbestände aufzubrauchen. Auf diese Weise waren bereits einzelne Überdruckmarken hergestellt worden. Ein Überdrucken großer Markenbestände kam jedoch wegen technischer und wirtschaftlicher Nachteile zunächst nicht in Frage. Konnten beispielsweise bei einem Markenneudruck vier oder acht Markenbogen gleichzeitig ausgedruckt werden, war beim Überdrucken jeder einzelne Bogen extra zu bearbeiten. Das verlangte ein besonders sorgfältiges und zeitraubendes Einlegen der zu überdruckenden Markenbögen in die Druckmaschine, um ein möglichst gleiches Druckbild zu erreichen. Mit diesem Leistungsmaß wurde der Ausstoß einer Druckmaschine auf den sechsten oder siebten Teil der Erzeugung von neuen Marken herabgedrückt. Ein noch schwerwiegenderer Nachteil ergab sich aus der Möglichkeit, solche Nachdrucke zum Schaden der Post illegal herzustellen - besonders wenn es sich um hochwertige Überdrucke auf Marken mit geringfügigen Werten handelte. Schließlich schlugen etwaige Einsparungen bei solchen Marken auch durch die Kosten beim Einsammeln der Bogen, ihre Verpackung und das zweimalige Versenden über Gebühr zu Buche.
Schließlich regierte die Not
Trotz aller Bedenken ist es dann ab August 1923 - aus reiner Not - zur Ausgabe zahlreicher Überdruckmarken gekommen. Anlass dafür war eine Portosteigerung um das Zwanzigfache seit dem 24. August 1923. Nachdem das Porto für einen Fernbrief bereits am Ersten dieses Monats auf 1000 Mark gestiegen war, betrug es nun 20000 Mark. Von der damals vorhandenen höchstwertigen Kupferstichmarke mit der Darstellung des Kölner Doms im Werte von 10000 Mark, mit deren Auslieferung in sehr geringen Mengen eben erst begonnen worden war, hätte lediglich ein Bruchteil des Bedarfs an den neuen Werten produziert werden können. Es war völlig ausgeschlossen, bis dahin Druckplatten für die neuen Werte herzustellen. So musste unter Zurückstellung aller schwerwiegenden Bedenken der Versuch gemacht werden, den Marken bedarf so weit wie möglich durch Überdruckmarken zu decken. Dazu wurden in der Regel nur solche Werte aufgedruckt, die am dringendsten zum Freimachen von Briefsendungen erforderlich waren. Es war unmöglich, zusätzlich auch noch höherwertige Marken für Pakete, deren Gebühren seit dem 24. August 1923 bereits zwischen 45000 und 600000 Mark lagen, zu produzieren. Für diese Gebühren wurde deshalb – wie schon früher für Postanweisungen und Zahlkarten – eine Barverrechnung des Portos angeordnet, die ab dem l. Mai 1924 wieder wegfiel. Bei diesen Überdruckmarken lassen sich - abgesehen von den Unterschieden bei den aufgedruckten Werten – zwei Arten unterscheiden. Es handelt sich einerseits um Überdrucke auf bereits früher hergestellten Marken, andererseits um solche, die mit bereits vorhandenen Druckplatten in veränderter Grundfarbe neu hergestellt und zusätzlich mit einer neuen Wertbezeichnung versehen wurden. Im August 1923 waren das zunächst vier Marken der Ziffernserie zu 30 und 200 Pfennigen und solche der Landarbeiterserie zu 12 und 25 Mark, die noch in großen Mengen in der Reichsdruckerei lagerten. Sie erhielten in dieser Reihenfolge einen Aufdruck zu 8000 und drei Aufdrucke zu 20000 Mark. Bei der nächsten Gebührenerhöhung am l. September 1923, die eine Steigerung der Portosätze um etwa das Dreifache brachte, musste erneut eine Anzahl neuer Überdruckmarken unter Verwendung vorhandener alter Marken, zum Teil aber bereits auf Neudrucken mit geänderter Grundfarbe, hergestellt werden. Neben diesen Überdruckmarken gelangte gleichzeitig eine im Offsetdruck hergestellte neue Ziffernmarke in großer Form zu 100000 Mark zur Ausgabe. Ihr Druck hatte bereits in der zweiten Augusthälfte begonnen. Trotz aller Anstrengungen hat es dennoch weder am 24. August, noch am l. September 1923 eine ausreichende Belieferung aller Postanstalten mit frankaturfähigen Postwertzeichen gegeben. So kam es trotz vieler Bedenken zu einer vorübergehenden baren Verrechnung der Freigebühren an zahlreichen Postschaltern für gewöhnliche und eingeschriebene Sendungen ins In- und Ausland. Dieses Verfahren blieb nach der Einführung der realen Währung noch bis zum 14. Dezember 1923 in Gebrauch.
Die Stunde der Spekulanten
Inzwischen hatten geschäftstüchtige Händler (und noch mehr gewinnstrebende Sammler) die materiellen Vorteile dieser kurzfristigen Aufdruckmarken entdeckt und sie in großen Mengen zweckentfremdet erworben. Damit verstärkten sich zunehmend die Versorgungsschwierigkeiten im regulären Postdienst. Der Reichsdruckerei blieb zur Überwindung dieses Engpasses schließlich nur ein Ausweichen auf andere öffentliche oder private Druckanstalten übrig. Am 14. September 1923 wurden die Oberpostdirektionen in Breslau, Erfurt, Frankfurt (Main), Hamburg, Hannover, Königsberg (Pr.), Leipzig, Münster (Westfalen) und Stettin mit der Herstellung von Aufdruckmarken durch zuverlässige und leistungsfähige Privatdruckereien betraut. Gleichzeitig wurden die Abteilung München des Reichspost-Ministeriums und die Oberpostdirektion Stuttgart um Mitwirkung ersucht. Diese Oberpostdirektionen wurden mit zwei bis drei benachbarten Bereichen zu einem Versorgungsgebiet vereinigt. Bayern bildete einen solchen Bereich für sich, und der Bezirk Berlin wurde ausschließlich von der Reichsdruckerei versorgt. Die zu überdruckenden Markenbogen waren zuvor in den einzelnen Gebieten von den Oberpostkassen eingesammelt und an die zuständige Oberpostdirektion weitergeleitet worden. Diese übernahm später auch die Verteilung der fertigen Aufdrucke. Die Reichsdruckerei lieferte dazu die Druckmatrizen und Druckmuster. In dieser Weise wurden für die Gebührenänderungen zum 20. September Markenwerte zu 10000 und 250000 Mark und für die Gebührenänderung zum l. Oktober Markenwerte zu 800000 und zwei Millionen Mark hergestellt. Als dann ein Streik in der Reichsdruckerei die Produktion vorübergehend lahm legte, kam das gleiche Verfahren am 12. November 1923 für die Herstellung von Aufdruckmarken zu fünf und zehn Milliarden Mark noch einmal zur Anwendung. Die Gesamtzahl der auf diese Weise überdruckten Marken betrug im September 738573, im Oktober 535604 und im November 742904 Bogen. Wenn auch die Qualität der Überdrucke in Gleichmäßigkeit und Genauigkeit oft zu wünschen übrig ließ, machte die reibungslose Auslieferung dieser Marken an die Post- Schalter alle Kritik gegenstandslos.
Not machte erfinderisch
Schon während der Druckvorbereitung für die ersten Überdruckmarken hat es in der Reichsdruckerei zahlreiche Überlegungen zur weiteren Beschleunigung und Vereinfachung der Wertzeichenherstellung gegeben. Es gab bereits im Sommer und Herbst 1923 zahlreiche Vorschläge zur Herstellung wertbeständiger Postwertzeichen als Marken ohne Wertangabe, die sich für die einzelnen Beförderungsarten nach bestimmten Farben unterschieden. Sie sollten zu festen Goldmarkpreisen herausgegeben und von den Postämtern zum jeweiligen Papiermark-Kurs verkauft werden. Diese Anregungen erwiesen sich jedoch wegen eines zu hohen Arbeitsaufwandes sowie der Gefahr der Spekulation und der Hamsterei zum Schaden der Post als ungeeignet. Als brauchbare Neuerung fertigte die Reichsdruckerei schließlich Marken nach einer einheitlichen Zeichnung (dem so genannten Korbdeckelmuster) an, auf denen zunächst nur vier kleine Posthörner in den Ecken und ein zentrales Liniengebilde dargestellt waren. Auf diesem Vordruck ließen sich dann - je nach Bedarf- ohne zusätzliche Druckplatten (und ohne großen Aufwand) die jeweiligen Wertangaben entsprechend aktueller Gebührensätze eindrucken. Die ersten Marken dieser Art erschienen bereits Mitte September als Ziffermarken zu 5000 und 75000 Mark. In gleicher Art folgten dann (mit Ausnahme weniger Überdruckmarken) alle übrigen Millionen- und Milliardenwerte bis zum Ende der Inflation. Sie bestimmten auch nach der Stabilisierung der Mark ab dem l. Dezember 1923 zunächst weiterhin als Pfennigwerte das Aussehen der deutschen Postwertzeichen. Mit diesen wertbeständigen Freimarken kam es auch in der Herstellung und Versendung der deutschen Postwertzeichen wieder zu geordneten Verhältnissen. Was über die gewöhnlichen Freimarken der Inflationszeit dargestellt wurde, trifft allgemein auch auf die Dienstmarken für Reichs- und Staatsbehörden zu. Gleiches gilt zum Teil auch für die speziellen Flugpostmarken des Luftpostdienstes. Besonders hier gab es, vorwiegend in Berlin, mehrfach Versorgungsschwierigkeiten, die in der Regel bei jeder Herausgabe neuer Werte auftraten, weil sie sofort von Händlern und Sammlern aufgekauft wurden. Zu erwähnen bleibt schließlich noch die zeitweise unterbrochene Herausgabe von Rollenmarken, Markenheftchen sowie Vordrucken mit eingedruckten Wertstempeln der verschiedensten Arten. Ihre ausführliche Darstellung würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen...
Fritz. Steinwasser überarbeitet M. M.
Quellen : Ministerialamtmann H. Schulze, Berlin, „Herstellung und Vertrieb der Postwertzeichen während der Zeit der großen Geldentwertung“. Archiv für Post und Telegraphie, 1924. Fritz Steinwasser, „Berliner Post - Ereignisse und Denkwürdigkeiten seit 1237“, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988.
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