| Geschichte der Post- und Ansichtskarte |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Samstag, 20. September 2008 um 17:46 |
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„Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Älteste im ganzen Land?“ Ein Beitrag zur Geschichte der (Bild-)Post-(Ansichts-)karte: Die „Väter“ der Ansichtskarten Es wurde schon vorher gezeigt, dass erste Eigenkreationen als entfernte Vorläufer späterer Ansichtskarten zu gelten haben, vielleicht auch die Weihnachtsgruß-Postkarte aus dem Jahre 1843. Es soll später auch in Basel im Jahre 1865 erste Postkarten mit einer Abbildung gegeben haben. Worum es sich aber genau handelt, lässt sich für den Autor nicht näher bestimmen, da ihm keine Belege vorliegen. Besser dokumentiert sind Drucksachenkarten, z.B. aus Berlin und Breslau aus den Jahren 1867 bis 1869, die als Vertreterkarten Illustrationen der Firma bw. der Stadt zeigen. Hille rechnet solche Karten den bildlichen Darstellungen zu, „wie man sie häufig am Kopf von Firmen-Briefbogen findet“. Befand man sich bei der Erhellung früher Postkarten auf sicherem Boden, wird dieser alles andere als sicher, wenn man nach dem oder den Erfinder(n) der Ansichtskarten fragt. Hier scheint bis heute viel Phantasie im Spiel zu sein und Bestimmungen sich bei näherer Betrachtung als Wunschdenken herauszustellen. Nochmals: Definitionen Es wurde schon zu Beginn dieser Artikelreihe gesagt, dass Ansichtskarten zu den Nicht-Ganzsachenkarten zählen. Diese „negative“ Definition besagt deshalb noch nicht, was diese nun wiederum „positiv“ sind. Folgend dem allgemeinen Sprachgebrauch sind Ansichtskarten ein- oder mehrfarbig bedruckte Karten, die auf der einen Seite Platz für Adresse, Absender und Frankatur belassen, auf der anderen - meist als Rückseite bezeichneten Seite - topografische Abbildungen, also z.B. eine oder mehrere Ortsansichten, zeigen. Im weiter gefassten Sinne fallen unter solche Ansichtskarten auch diejenigen, deren Bildgehalte jede andere Art von Objekt(en), Person(en) und Darstellungen etc. aufweisen können. Eine vergleichbare Definition sieht auch das „Handwörterbuch des Postwesens“ (1953) vor, in dem die Definition lautet: „Ansichtskarten sind Postkarten, auf denen sich Ansichten von Städten, Landschaften, Gebäuden sowie überhaupt Bilder oder Abbildungen aller Art befinden“. ( Post- und Ansichtskarten ) Ein wichtiges Kriterium der kommerziellen Ansichtskarte ist die gewerbliche Reproduktion und Verkauf, also der Druck solcher Karten in kleineren bis größeren Auflagen; sie darf nicht nur ein - vielleicht gar handgemaltes – Einzelstück sein; dann würde es eher als „Künstler- Karte“ zu bezeichnen sein. Solche sind als Vorläufer oder Ausnahmestück zweifelsohne von besonderem Wert, sind aber nicht repräsentativ und konsumtiv für das Genre der Ansichtskarten. Nicht von Bedeutung ist die drucktechnische Art der „Ansicht“, also ob diese von einer Gravurvorlage oder einem Foto gefertigt wurde. Wenn wir hier also nach dem „Vater“ der Ansichtskarte fragen, dann nach der Person, deren „Erfindung“ dann auch in Serie gedruckt, angeboten und verkauft wurde. Drei „Väter“ - drei Legenden? Als eigentlicher „Erfinder“ gilt manchen der Buchhändler und Druckereibesitzer August Schwarte aus Oldenburg, der in einem autobiografischen Bericht, allerdings viele Jahre später und damit kaum noch für Dritte nachprüfbar, schrieb: „Meine Schwiegereltern waren hart vor dem französischen Kriege noch in Marienbad und hatten große Noth, sich durch den mächtigen Truppenaufmarsch bei der plötzlichen Mobilmachung auf ihrer Rückreise nach Oldenburg durchzuschlagen. Bis Magdeburg, wo sie einen kurzen Aufenthalt nahmen, waren sie glücklich gelangt. Dorthin schrieb ich ihnen eine „Mobile Correspondenz-Karte“, auf welcher ich den Kriegszustand durch ein in meiner Druckerei aufgedrucktes Artilleriebildchen illustriert hatte, mit kurzen, launigen Versen. Soweit bekannt, erfolgte die Darstellung im Maßstab 1:1 und Herbet Leclercs frühere Annahme, dass ein Original dieser Karte nicht mehr existiere, ist durch den Fund dieser Karte bei den Erben von August Schwarte auch widerlegt. Ob sie allerdings echt ist, bedarf noch der Prüfung. Selbst wenn, dann handelt es sich bei diesem möglichen Original bestenfalls um eine „Künstler-Postkarte“ (Bildzudruck auf der Vorderseite eines Postkartenformulars!) und nicht um eine wirkliche Ansichtskarte, es sei denn, diese Karte wäre „in Serie“ gedruckt worden. Aufschlussreich ist zudem auch, dass Schwarte selbst mit keinem Worte später erwähnt, dass er von dieser Karten eine nennenswerte Auflage in seiner Druckerei habe drucken lassen, so dass man wohl davon ausgehen muss, dass es sich um ein Unikat handelt. Eine Prüfung wäre allerdings ratsam, allein deshalb, um ein für alle Mal die vielen Zweifler an der Echtheit der Karte zu widerlegen. Aber Schwarte wusste seine Leser 1901 in einem Beitrag für den Oldenburger „Volksboten“ noch weiter zu informieren. Er erzählt von „Korrespondenzkarten mit humoristischen Handzeichnungen – also nicht mit Bilddruck“, die ins Feld gesandt worden seien, Anfang der 70er-Jahre seien schon so manche „Korrespondenzkarte“ mit Handzeichnungen versehen worden, auch seien von anderen illustrierte Postkarten erschienen, die vielbesuchte sehenswürdige Punkte, besonders im Gebirge - so in der Schweiz und im Riesengebirge - abbildeten. Ein Handelsartikel sei die Ansichtskarte (er spricht von „Bilderpostkarte“) allerdings erst 1875 geworden. Auch hierfür beansprucht er allerdings das Urheberrecht, wenn er schreibt: „Auch mir sollte es vorbehalten sein, zwei Sammlungen der Bilderpostkarte als buch- und kunsthändlerischen Artikel zuerst in den Handel zu bringen. Ein humurvoller Scherz gab den Anlass dazu“. Er druckte einen Holzschnitt für einen vergesslichen Freund mit dem Thema „Fünfmalhunderttausend Teufel“ als kleine „diabolische Mahnung“ und schickte diese Karte zum Hunsrück. Der Erfolg war eine das Produkt anerkennende und bewundernde Antwort des so auf die Schippe genommenen Freundes, eines Pfarrers. In Folge produzierte er dann nach eigenen Angaben aus dem Bestand seiner großen Holzschnittvorräte 25 illustrierte Korrespondenzkarten, die im Herbst 1875 in seiner Firma, der Schulzeschen Hofbuchhandlung in Oldenburg, erschienen, wenig später eine zweite Serie im gleichen Umfang. Gemäß eigenen Angaben sollen diese später auch im W. Bernds Kunstverlag in Dresden in ähnlicher Ausstattung nachgedruckt worden sein. Diese Angaben, die sich in der Literatur - hier wiedergegeben nach einem Beitrag von Wilhelm Kaiser - vielfach in gleicher oder ähnlicher Form wiederfinden, sind heute auch zu belegen. Neben dem schon erwähnten Unikat vom 16. Juli 1870 ist eine Karte der ersten Serie mit Stempeldatum vom 7. Oktober 1875 belegt, eine Karte der zweiten Serie mit Datum vom 30. Dezember 1876. Weitere gelaufene Karten scheinen bisher nicht bekannt zu sein, - sie besaßen vielleicht zu dieser frühen Zeit noch keinen Sammlerwert. Es wird aber auch noch zu zeigen sein, dass eine Jahreszahlangabe in der Bilddarstellung allein kein Beweis für das tatsächliche Entstehungsdatum ist! Richtig liegt Schwartz auch wohl mit der Aussage, dass es schon 1870 „humoristische Feldpostkarten“ gegeben hat, denn in einer Anzeige in Nr. 4 der „Deutschen Briefmarken-Zeitung“ von 1871 werden solche angeboten. Gebraucht – hierauf weist H. Frech in der Michel- Rundschau 10/94 hin -scheinen diese aber auch nicht bekannt zu sein. Arnold Linke, ein Kenner der Materie und Vorsitzender der Philokartisten-Union Europas e.V., weist in einem ausgezeichneten Beitrag 1997 auch auf Kürschner hin, der in einer Fußnote zu seinem im Jahre 1900 erschienenen Jahrbuch vermerkt, dass es ebenfalls 1870 „10 gedruckte Bildpostkarten mit z.T. etwas gewagten Gedichten“ gegeben haben soll, die zum Jahresende ebenfalls in der Deutschen-Briefmarken-Zeitung in Dresden als Feldpostkarten angeboten wurden. Solche Karten finden sich auch in einem Buch von Hanspeter Frech („Die Postkarten aus den ehemaligen Postvereinsländern und dem deutschen Kaiserreich“) als Abbildung. Tatsache ist, dass es die von Schwarte in Serie gedruckten Grußkarten von 1875/76 gibt; Linke sind mindestens 14 Karten nachgewiesen, komplette Serien scheinen aber nicht mehr zu existieren. Somit darf man Schwartz vielleicht als „Wegbereiter“ für die späteren Ansichtskarten bezeichnen, denn seine Arbeiten haben - allerdings nur indirekt - den Ideenboden für eine Industrie vorbereitet, die dann, spätestens ab Beginn der 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts, eine landesweite Verbreitung von Ansichtskarten zunehmend mehr ermöglichte. Während seine Karten allerdings nur regionale Verbreitung fanden, war es dem frühen Schaffen eines Franz Scheiner aus Würzburg ab 1883 zu verdanken, Ansichtskarten für Orte zwischen Hamburg und Lindau, Köln, Dresden, aber auch für das Ausland zu produzieren, womit dann endgültig die industrielle Massenproduktion von Ansichtskarten ihren Lauf nahm. Frühe Ansichtskarten von Franz Rorich Vielen gilt er, der am 30. Januar 1851 in Nürnberg, geborene Stahlstecher, als „Erfinder“ der Ansichtskarte, zumal ihn eine Jubiläumskarte des Kosmopolit in Nürnberg 1912 als solchen ausweist. Sechs Ansichten von Zürich soll der junge Künstler in der Werkstatt seines Vaters, „Stahlstich von C. Rohrich „Sohn, Nbg.“ 1872 gefertigt haben, die als Motive für Ansichtskarten bei Johann Heinrich Locher in Zürich erschienen sein sollen. Einen solchen Befund hatte Rorich wohl der Redaktion des Postkarten-Sammlers Jahrzehnte später mitgeteilt, wobei er dabei offen ließ, welche der sechs Ansichten von Zürich denn nun tatsächlich die erstgefertigte war. Die Analyse von Maximilian Rosner in dem unlängst veröffentlichten Buch über die Ansichtskarten von Rorich (siehe Philatelie 311, Seite 59) bestätigt zwar, dass Stahlstiche von Zürich mit den Jahreszahlen (18)72,74, 87 etc. nachweisbar sind, aber Rosner kommt nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Schluss, dass es keinen (postalischen Stempel-) Nachweis für eine von Rorich bzw. Locher produzierte Ansichtskarte gibt, die während dieser frühen Jahre produziert oder verwendet wurde. Im Gegenteil: sämtliche hier zur Debatte stehenden Ansichtskarten haben nachweislich Stempeldaten erst ab 1882. Dies passt auch zu Bildabgleichen, die zeigen, dass abgebildete Bauwerke bestimmter Art erst Anfang der 80er-Jahre und später gebaut wurden! Rosner folgert daraus eindeutig: „Demnach sind die beiden frühen Stahlstiche von Zürich 1872 und 1874 nicht belegt“ (S. 23). Insofern ist sein Resümee auch ernüchternd, zumindest für all diejenigen, die in Rorichs Karten von 1872 die ersten Ansichtskarten bisher verbürgt sahen: „Es gibt keinen vernünftigen Grund, an den von Franz Rorich genannten Daten für die Herstellung von Stahlstichen in Serie zu zweifeln... Auf Grund ihrer Eignung konnten die Stahlstiche sowohl im Ganzen wie in Ausschnitten auf Postkarten gedruckt werden. Ihre tatsächliche Verwendung zum Aufdruck auf Postkarten ist jedoch bis heute für die 1870er-Jahre nicht durch Belege nachgewiesen. Die früheste bisher bekannte Verwendung als Ansichtskarte ist diejenige von Erlangen vom 2. Dezember 1882“ (S. 24/25). Rorichs Verdienst bleiben aber seine frühen Stahlstiche, die der späteren Ansichtskartenproduktion Bahn schafften. Immerhin sind seine dokumentierten Kartenbelege noch vor denen von Franz Scheiner aus Würzburg und Franz Schemm in Nürnberg, beide ab 1883, einzuordnen. Wolfgang Maassen überarbeitet M. M. Bildnachweise: Ledere, Herbert: Ansichten über Ansichtskarten, in: Archiv für deutsche Postgeschichte, Heft 2/1986,5ff. Linke, Arnold: Ansichten und Karten gleich Ansichtskarten. Ergänzendes zur Frühgeschichte der Ansichtspostkarten, in: Post- und Telekomunikationsgeschichte, DGPT-Regionalbereich Hessen, Niedersachsen, Thüringen, Heft 1-1997,60ff. Rosner, Maximilian: Die frühen Ansichtskarten mit Stahlstichen von Franz Rorich in Nürnberg, Materialien zur Geschichte des Sammelns von Ansichtspostkarten, Band 3, Nürnberg 2003 |
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