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Ausgangspunkt für den schrecklichsten aller Kriege der Neuzeit in Deutschland waren religiöse Gegensätze zwischen der katholischen und der evangelischen Christenheit. Er begann eigentlich eher „harmlos“, als im Jahre 1618 erboste protestantische Adelige aus Böhmen katholische kaiserliche Beamte wegen anmaßender Forderungen aus einem Fenster der Prager Burg warfen. Sie landeten unbeschadet auf einem Misthaufen, und die ganze Angelegenheit hätte in der damals derben Zeit als grober Unfug verbucht werden können - wenn sie der bigotte Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) nicht als Vorwand für eine Generalabrechnung mit dem aufsässigen böhmischen Adel benutzt hätte.

Es kam zu einem bis 1648 währenden Krieg zwischen dem universalstaatlichen Mächteblock Österreich-Spanien (Katholische Liga) und einer nationalstaatlichen europäischen Mächtegruppierung. Dem Böhmischen Krieg (1618 -1620) mit der restlosen Unterwerfung Böhmens durch die Habsburger folgte bis 1625 der Pfälzisch-Deutsche Krieg zur Eroberung der Kurpfalz durch spanische und ligistische Truppen (Katholische Liga). Danach (1625 - 1629) griffen im Verein mit England und den Niederlanden dänische Truppen unter König Christian IV. in das Kriegsgeschehen ein. Im Ergebnis wurde Norddeutschland durch kaiserliche und ligistische Truppen erobert.

Habsburgs Vorteil offensichtlich

Im Jahre 1629 hatte die kaiserliche Macht in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht. Ein von Ferdinand erlassenes Restitutionsedikt zur Liquidierung der evangelischen Sache rief den protestantischen schwedischen König Gustav Adolf mit neuen, ausgeruhten Truppen auf den deutschen Kriegsplatz. Sie drangen zunächst siegreich bis Süddeutschland vor. Als aber Gustav Adolf am 16. November 1632 in einem Scharmützel mit kaiserlichen Truppen unter Wallenstein bei Lützen fiel, wendete sich zunächst ihr Kriegsglück. Nach einer verlorenen Schlacht 1634 bei Nördlingen wurden die Schweden nach Norddeutschland zurückgedrängt.

Ein 1635 in Prag geschlossener Friedensvertrag schien endlich ein Ende des Mordens und
Sengens herbei zu führen. Damit aber war Frankreich nicht einverstanden. Es verbündete sich zur Eindämmung der kaiserlichen Macht mit Schweden.
Dieser nun Schwedisch-Französische Krieg (1635 - 1648) schleppte sich bis zur allgemeinen Erschöpfung aller Kriegsparteien hin. Als endlich am 24. Oktober 1648 vom deutschen Kaiser Ferdinand III. (1637 - 1657) in Münster mit Frankreich und in Osnabrück mit Schweden ein Friedensvertrag geschlossen werden konnte, war die Machtstellung des Hauses Habsburg in Europa endgültig vernichtet. Deutschland glich einer Wüste und konnte sich nur sehr langsam wieder erholen.

Reiche Kriegsbeute

Als Kriegsentschädigung erhielt Schweden zum Reichslehen Vorpommern mit Stettin, Rügen, Usedom und Wollin sowie das Herzogtum (Hinter-) Pommern, die bisher mecklenburgische Stadt Wismar und als weltliche Herzogtümer die Bistümer Bremen (ohne Stadt) und Verden (Aller), dazu fünf Millionen Reichstaler. Frankreich erhielt den Besitz der bereits 1552 annektierten lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun bestätigt. Im Elsass gewann es die österreichische Landgrafschaft aus dem Besitz des Kaisers Rudolf von Habsburg (1273 - 1347), den Sundgau und die Landvogtei über zehn Reichsstädte, ebenso Stadt und Bistum Straßburg und die rechtsrheinische Stadt Breisach. Die schwedischen und französischen Truppen verließen erst 1650 nach Abzahlung der Kriegsentschädigungen das übrige Deutschland.

Die Post überlebte

Unter diesen niederschmetternden Bedingungen des 30 Jahre währenden Krieges hätte das Weiterbestehen des deutschen Postwesens unmöglich, zumindest aber fraglich sein dürfen. Und dennoch hat der Posttransport, von einzelnen militärischen Übergriffen der Kriegsparteien abgesehen, nicht darunter gelitten. Mehr noch wurde dem Informations- und Nachrichtenwesen mit der Fortdauer des Dreißigjährigen Krieges zunehmende Bedeutung beigemessen. So erhielt der Berliner (Brandenburgische) Botenmeister Veit Frischmann 1634 eine ausdrückliche amtliche Weisung:

„Es solle sich ein Postdirektor eusserist befleißigen, dass er von weit und nahegelegenen Orthen, Insbesonderheit aber von Freundt und Feindts Armeen gute Correspondentz und Avisen erlange, damit er auffm Nothfall gute Nachricht haben könne.“ Gleichlautende Weisungen an Postmeister gab es in allen übrigen Ländern Mitteleuropas.

Etwa um 1623 hatte Kaiser Ferdinand II. im Interesse weiter funktionierender, strategischer Nachrichtenverbindungen der Post trotz der ausufernden Behinderung im dreißigjährigen Krieg ein für Freund und Feind gleichermaßen verbindliches Edikt über die Unverletzbarkeit der Post erlassen. Diese Saiva Guardia war vom lateinischen „saivus = wohlbewahrt, unverletzt“ sowie dem mittellateinischen „Guardia“ vom fränkisch-germanischen Wort „wardon“ (Sorge tragen für) hergeleitet und hatte tatsächlich Bestand.

Ohne Zweifel war dieses Schutzrecht, dessen Anfänge in Deutschland bis in die Zeit um das Jahr 1000 nachgewiesen werden, allenthalben ein solcher historischer Machtfaktor, dass sich jedermann allein schon aus Tradition scheute, es ohne Not zu verletzen. Vielleicht aber bewogen die im Streit liegenden Gegner auch praktische Überlegungen zur strengen Beachtung dieser Weisung: Es hätte ja der Feind leicht Gleiches mit Gleichem vergelten können. Auf diese Weise gab es selbst in den Kriegsparteien einen regen Postverkehr, bei dem sich die Schweden seit 1630 in besonderem Maße hervortaten.

Oxenstiernas Postpolitik

Der 1612 zum schwedischen Kanzler berufene Axel Oxenstierna (1583 - 1654) kannte die staatstragende Bedeutung eines umfassenden, wirksamen Nachrichtenwesens seit seinem Amtantritt - und praktizierte es auch. Das galt für Entscheidungen in der hohen Politik ebenso wie in Handel und Wandel oder auf dem militärischen Gebiet. Schon vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges nutzte er sich bietende Kommunikationsmöglichkeiten, als es darauf ankam, mit den seit 1614 verbündeten Niederlanden einen kontinuierlichen Kontakt zu pflegen. Und so wurde am 27. März 1618 ein Didrich Matthiasson darauf vereidigt, „anvertraute Briefe in vorgeschriebener Zeit an ihrem Ort zuzustellen, sie keinem Menschen zu offenbaren (und das) getreulich zu berichten, was er an Zeitungen (Nachrichten) in Erfahrung bringen kann“.

Damit besorgte fortan dieser Bote für ein Jahresgehalt von 400 Reichstalern den Austausch amtlicher Korrespondenzen zwischen den Ländern. Sein Weg führte in der Regel über Hamburg, das als vorzügliche Nachrichtenbörse galt und wo er vor allem in schwedischem Interesse solche Neuigkeiten und wissenswerten Informationen sammeln konnte, die für die Einschätzung der Lage in Deutschland und Dänemark oder im Umkreis der Seemächte von Interesse war. Neben diesem Einsatz Matthiassons in der Doppelfunktion als Kurier und Korrespondent für die höchste Regierungsebene wurde das steigende Postaufkommen Schwedens zusätzlich noch auf andere Weise befördert. Etwa durch Leenart van Sorgen aus Hamburg, der für Oxenstierna am l. November 1619 eine Absprache mit der „kaiserlichen hier residierenden Post“ über die Weiterbeförderung schwedischer Briefe für zunächst ein Jahr getroffen hatte. Damit war das „Gemeine Postwerk“ gemeint, das die Taxis seit 1615 als kaiserliches Erblehen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gegen den Widerstand der übrigen Fürsten und Stände aufbauen konnten.

Schwedens erste Auslandspost

Als Oxenstierna 1620 im Auftrag der königlichen Regierung beabsichtigte, in Hamburg eine eigene Post einzurichten, die weit über das Territorium der Hansestadt hinausreichen sollte, riet van Sorgen noch von diesem Vorhaben ab - wegen der großen taxisschen Konkurrenz. Dafür wurde eine Postlinie von der schwedischen Grenzstation Markaryd über den Sund zum dänischen Helsingör nach Hamburg eingerichtet, auf der Briefe über Relaisstationen durch reitende Boten bei Tag und Nacht in fünf Tagen befördert werden konnten.

Leenard van Sorgen wurde zum ständigen diplomatischen Residenten Schwedens in Hamburg ernannt. Er wurde 1626 von Anders Svensson abgelöst. Mit einer entsprechenden Postordnung für den Brief- und Paketverkehr zwischen Hamburg, Markaryd und Stockholm begannen also bereits 1620 Schwedens Postaktivitäten auf deutschem Boden. Mit dieser Post wurden auch private Briefe verschickt. In einem Rechenschaftsbericht des damaligen taxisschen Postmeisters Hans Jacob Kiemhans aus Hamburg ist die Rede von etwa 175 Privatbriefen, die bereits 1620 von Hamburg nach Stockholm befördert wurden. In der Gegenrichtung aber lief „gar nichts oder nur wenig“.

Als der schwedische König Gustav Adolf im Jahre 1629 in das mitteleuropäische Kriegsgeschehen eingriff, war er dank dieser Informationspolitik auf das Genaueste über die stets wechselnden Konstellationen der Kriegsparteien unterrichtet. Er hielt sich seit 1626 mitsamt seines Kanzlers Oxenstiema vorwiegend in Brandenburg auf, mit dessen Kurfürst Georg Wilhelm (1619 -1640) er verschwägert war.

Wenn der König im Winter gewöhnlich nach Schweden zurückkehrte, blieb sein Kanzler in Deutschland, wo er Schwedens Interessen am Ort des Geschehens vertrat. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich umfassend mit der Entwicklung der Posteinrichtungen im Reich vertraut machen. Deren Erfahrungen flössen in seinen bereits 1624 vorgelegten Entwurf einer schwedischen Postordnung ein. Sie wurde jedoch noch nicht wirksam.

Mit diesem Plan sollten in ganz Schweden Posten eingerichtet werden, die nicht nur Briefe der Krone, sondern auch Poststücke von Privatleuten beförderten. Es war vorgesehen, in Stockholm einen Generalpostmeister zu bestallen, der die Briefe der Reichsämter weiterzuleiten hatte. Die Postbeförderung sollte durch gehende und reitende Boten erfolgen. Sogar „segelnde“ Posten waren geplant. In den Städten wollte man Bürger, „gutmütige, treue Männer“, als Postmeister einsetzen.

Reitende Posten sollten täglich acht Meilen, gehende Posten vier Meilen zurücklegen. Kamen sie mit Verspätung an, so mussten sie für die entsprechende Zeit bei Wasser und Brot im Turm sitzen. Es sei denn, sie konnten sich hinreichend entschuldigen. Nach den Vorstellungen Oxenstiernas über die wirtschaftliche Seite des Postunternehmens sollte die Briefgebühr je zur Hälfte dem Postmeister und dem Boten zuteil werden. Am Bestimmungsort einer Sendung musste der Empfänger nochmals die gleiche Gebühr entrichten, die in gleicher Weise aufgeteilt wurde.

Dieser Postentwurf wurde zwar noch von Gustav Adolf bestätigt, kam aber erst vier Jahre nach seinem Tode im Jahre 1636 zum Tragen. Dieses Datum gilt als Gründungsjahr der Schwedischen Reichspost.

Der Weg des Johann von Birghden

Im Postwesen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation hatten sich mit der Erhebung des taxisschen Erb-Generalpostmeisters Leonhard II. (1594 - 1628) in den Grafenstand (1624) entscheidende Machtveränderungen vollzogen. Obwohl diese kaiserliche Post ausdrücklich als ein Lehen des Reiches an die Taxis ausgewiesen war, strebte der Graf nach eigener Machtvollkommenheit über diese Post, die ihn außerhalb aller rechtlichen Eingriffe übergeordneter Stellen – und hier besonders des bestallten Kurators der Reichspost, des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz - stellte.

Bei diesem Streben nach absoluter Macht stand ihm der bewährte und anerkannte kaiserliche Postmeister von Frankfurt / Main, Johann von den Birghden (1582 - 1645), zunehmend im Wege. Der hatte mit seinem regen Verstand, Fleiß und großem diplomatischen Geschick längst Vertrauen und Gunst des vorangegangenen General-Postmeisters Lamorial von Taxis erworben - und war dabei übermächtig geworden.

So erlaubte dieser Taxis dem erfolgreichen Post- und Botenmeister, das Postunternehmen von Frankfurt aus nach Leipzig, Hamburg, Köln, Nürnberg und andere wichtige Städte weiter auszubauen - mit Kompetenzen, die eindeutig gegen den Erblehens-charakter des Postwerkes verstießen.

Birghden, der aus Aachen stammte und der protestantischen Augsburger Konfession angehörte, war bereits 1620 in den Rechtsstand der Reichsimmunität versetzt worden. Gegen ihn konnte somit nur vor dem Kaiser oder dem Reichs-Erzkanzler in Mainz als „Reichs-Protector postularum“ Klage erhoben werden. Bereits drei Jahre später entband ihn Lamorial von Taxis für eine Jahrespauschale von 600 Reichstalern sogar von der Verpflichtung jeder Rechnungslegung. Dafür wurde ihm die Vererbung seines Postmeisteramtes in Aussicht gestellt, über das er verfügen durfte, als wäre es sein Hausgut oder ein Patrimonium (Besitz mit eigener Gerichtsbarkeit). Dieser rasante Aufstieg eines Postmannes aus bescheidenen Verhältnissen, der 1625 in den erblichen Adelsstand erhoben worden war, erregte in zunehmendem Maße den Neid der Öffentlichkeit. Man rechnete ihm vor, dass er bereit 1613 mit einem Vermögen von 6000 Gulden aus Posteinnahmen Bürger der Freien Reichsstadt Frankfurt werden konnte. Als er dann neun Jahre später für 200000 Gulden das Haus „Zum Kranich“ in der Frankfurter Braubachstraße / Ecke Römerberg kaufte und sich zunehmend selbstherrlich und überheblich gegenüber Obrigkeit und gemeinem Volk verhielt, brachte das vor allen Leonhard II. gegen ihn auf. Er sah in dem Streben Birghdens nach absoluter Selbstständigkeit die größte Gefahr für das eigene Bemühen um einen uneingeschränkten Besitz der Reichspost.

Birghden wurde zunächst untersagt, sich in Postdingen unter Umgehung des vorgesetzten Taxis direkt an den Reichs-Erzkanzler zu wenden. Er wurde unter fadenscheinigen Gründen für mehrere Wochen in Aschaffenburg inhaftiert und schließlich 1627 nach machiavellischem Taktieren des Grafen Leonhard in Wien aus dem Amt entfernt. Als Grund wurde im kaiserlichen Befehl angegeben, dass Birghden als Lutheraner auf Seiten der Widerstandspartei stehe, mit deren Anführer er „allerhand hochverdächtige und hochgefährliche Correspondencen geführt habe...“.



Wende zum eigenen Vorteil

Dieser religiös-politisch motivierte Rausschmiss aus dem Reichs-Postdienst sollte sich schließlich für Birghden zum Segen auswirken! In Schweden war die fortgesetzte Benachteiligung und Verfolgung der deutschen Protestanten durch Habsburg über das ganze Jahrzehnt aufmerksam und mit steigender Sorge verfolgt worden. Gustav Adolf, durch seine Korrespondenten und auch von Gesandten der Katholischen Union seit 1614 gut unterrichtet, nannte dieses gewaltsame Vorgehen Wiens „paptistische Anschläge in Teutschland“. Er fürchtete 1628 „mit der Eroberung der Nordischen Länder“ durch Wallenstein „eine leibliche und seelische Tyrannei“.

Es war offensichtlich, dass das Haus Habsburg unter dem Deckmantel der Rekatholisierung die Errichtung einer Hausdiktatur betrieb. Auf dieser Plattform sollte nicht nur eine Gegenreformation betrieben, sondern auch die absolute Herrschaft über ganz Europa erreicht werden. Der Abwehr dieser konkreten Gefahr galt die schwedische Einmischung in den „Teutschen Krieg“ im Jahre 1630.
Es kam zum Sieg Gustav Adolfs im September 1631 über Tillys Truppen bei Breitenfeld, nahe Leipzig, mit einem weiteren Vormarsch nach Süddeutschland. Beim Herannahen der Schweden im November 1631 machte sich der von Birghden „mit einem Catholischen Subjecto gleichgesetzte“ Nachfolger in Frankfurt, Gerhard Vrints, schleunigst aus dem Staub. Birghden wurde umgehend wieder in sein altes Amt eingesetzt und nannte sich nicht umsonst „Ihrer Königlichen Majestät und Reich Schweden samt mitalliierter Potentaten und Stände verordneten Obrister Postmeister“. Er ließ sich zusätzlich notariell beglaubigen, sich lediglich dafür zur Verfügung gestellt zu haben, um das „zerfallene Postwesen, dem allgemeinen Nutzen zu wohl ersprießlichem Aufnahmen, wieder zu restaurieren und aufzurichten“. Das bedeutete in der Praxis den Abgang einer reitenden Post von Frankfurt nach Hamburg, die zweimal in der Woche „innert sechsthalben Tagen Briefe, Pakete und Zeitungen beförderte“. Eine Postlinie nach Leipzig mit 15 Relais brauchte sogar nur „dritthalbe“ Tage. Der Kurs nach Straßburg über Speyer wurde von Birghdens „Buben zu Ross“ in zwei Tagen abgeritten.

Dieses Postwerk war nur so lange sicher, wie es von den schwedischen Armeen und den verbündeten Reichsständen Brandenburg, Hessen- Kassel oder Sachsen gesichert wurde.

Oxenstierna erließ deshalb am 30. Oktober 1634 in seiner Eigenschaft als Direktor des Heilbrunner Bundes eine besondere Schutzanordnung „für das hochnotwendige Postwesen im Reich nach den Niederlanden, Seestädten, Frankreich und anderen Orten“. Dabei berief er sich auf Maßnahmen des am 6. November 1632 gefallenen Schwedenkönigs vom 22. September 1631 und 16. März 1632, in denen die Postleute aller Art (auch von Freund und Feind) umfassend von Kriegslasten befreit wurden.

Außerdem sollten sie vor einer „Beraubung ihrer Güter nachhaltig geschützt werden und jede Hilfe erhalten, das „unentbehrliche Postwesen im Reich“ auch zur „Besserung der Commercien“ aufrecht zu erhalten.

Dieser Schutz oder Salva Guaerdia wurde an allen Posthäusern öffentlich angeschlagen und sollte zu „jeweders Nachrichtung“ dienen, besonders aber das eigene Militär daran erinnern, was es den Postleuten Birghdens schuldig war (es wäre also falsch, die Birghdenschen Posteinrichtungen als eine „Schwedische Post in Deutschland“ oder Nebenpost der schwedischen Besatzungsmacht zu bezeichnen). Seine Einrichtungen standen allen Kriegsparteien und dem Privatverkehr offen. Er hat sie bis 1635 sogar mit großen, fast unerschwinglichen Unkosten erhalten. Schließlich benutzte Oxenstierna für die „hohen Staatssachen“ einen eigenen Kurierdienst.

Postmeister Wechels Aufstieg

Eine Woche nach dem Sieg über Tillys Truppen bei Breitenfeld schrieb König Gustav Adolf von Halle am 16. September 1631 an den sächsischen Kurfürst Johann Georg, er wolle mit dem weiteren Vormarsch seiner Truppen nach Süddeutschland in Leipzig einen schwedischen Postmeister einsetzen. Dieser solle die postalische Verbindung mit der Heimat aufrechterhalten. Als Postmeister wurde der Deutsche Andre Wechel berufen, der später bei der Gründung der Schwedischen Reichspost (1636) eine bedeutsame Rolle spielte.

Wechel richtete also in Leipzig ohne Verzug ein Postamt ein und schlug dort am
20. November öffentlich eine Postordnung an. Das stieß bereits einen Monat später auf wütenden Protest des ansässigen sächsischen und taxisschen Postmeisters Johan Sieber. Davon unberührt entstand dennoch eine Verbindung mit Schweden, wohin die Post jeden Freitag um 11 Uhr abging. Weitere ständige Linien nach Amsterdam, Paris, Prag, Berlin, Hamburg, Venedig und anderen Orten machten das bereits international bekannte Handelszentrum Leipzig zu einem wichtigen Knotenpunkt des schwedischen Nachrichtenverkehrs.

Das schwedische Postamt in Leipzig blieb bis zum Friedensschluss in Prag am 30. Mai 1635 geöffnet. Dort schloss der sächsische Kurfürst mit dem Kaiser Frieden und erklärte Schweden den Krieg. Im Reichsarchiv Stockholm sind 14 Briefe Wechels an den schwedischen Kanzler aufbewahrt, die vorwiegend als Ergänzung seiner wöchentlichen Kriegsrapporte über Informationen, Wahrnehmungen und andere diplomatische Aktivitäten des Postmeisters berichteten. Mit ihnen konnte Wechel das Vertrauen Oxenstiernas erwerben. Mit dem Frankfurter Postmeister Birghden hat er aber offensichtlich kein gutes Garn gesponnen. Er beschwerte sich in Stockholm über ihn - wegen eigensüchtiger Konkurrenzunternehmen, Portounterschlagungen und falscher, schöngefärbter Berichte über angebliche Erfolge.

Nach dem Prager Frieden von 1635 verlor Wechel den Schutz für sein sächsisches Postamt in Leipzig und wurde von dort vertrieben. Auf Umwegen kam er nach Hamburg, wo er kurze Zeit die Postmeistergeschäfte unter dem schwedischen Residenten Adler Salivius wahrnahm. Ende August 1635 nach Stockholm gerufen, sah er sich erst einige Monate im Lande um und erkundete die Möglichkeiten, dort Postämter einzurichten. Mit der Gründungsverfügung für das schwedische Postwesen am 20. Februar 1636 wurde er dann gleichzeitig zu dessen Generalpostmeister ernannt.

Fritz Steinwasser
überarbeitet M. M.



Literatur :
Günter Barudio: „Zu treuen Händen“ - Schwedens Postwesen im Teutschen Krieg 1618 - 1648, Deutsche Postgeschichte – Essays und Bilder, Nicolai 1989, Berlin.

Sven Carlin: „Vom Postmeister in Leipzig zum Generalpostmeister in Schweden“ - Archiv für deutsche Postgeschichte 1987.