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Vor 80 Jahren planten die USA mit U.S.S. „Los Angeles“ einen Liniendienst zwischen Lakehurst, New Jersey und Hamilton, Bermuda. Es sollte ein Höhepunkt bisheriger Bemühungen um den Einsatz von Luftschiffen in der Verkehrsluftfahrt sein.

Die Erfolge europäischer Länder im Luftschiffbau ermutigten die USA, sich in dieser Technik zu üben. Der Eintritt in den ersten Weltkrieg veranlasste 1917 die dortige Marineverwaltung, bei den Ballonfabriken Goodyear und Gooderich kleine Prall-Luftschiffe von bis zu 2500 cbm Inhalt in Auftrag zu geben. Diese 33 Luftschiffe, die als Gondel einen Flugzeugrumpf hatten, waren für den Küstenwachdienst vorgesehen. 1918 folgten größere Bauten mit bis zu 5100 cbm Inhalt. Ein solches Luftschiff stellte nach Kriegsende 1919 einen Dauerrekord von 33 Stunden Fahrzeit und 2100 km zurück gelegter Strecke auf.

In dieser Zeit reiften auch Pläne zum Bau eines Starrluftschiffes. Im Herbst 1917 war den Franzosen das deutsche Marineluftschiff L 49 in die Hände gefallen, die es ihrerseits 1918 den USA übergeben hatten. Nach dessen Bau entwarfen die amerikanischen Konstrukteure Hunsacker und Weyerbacher 1921/1922 ein 61000 cbm fassendes Starrluftschiff, das 1923 fertig gestellt, als ZR-I (Zeppelin rigid = Starrluftschiff) registriert und auf den Namen „Shenandoah“ (Tochter der Sterne) getauft wurde. Der deutsche Luftschiff-Kapitän Heinen unterwies die amerikanische Besatzung. Als sich ZR-I im Januar 1924 vom Ankermast in Lakehurst losriss, kam es zu einer ersten, allerdings unfreiwilligen Fahrt über Newark und Manhattan.

Hohes Ziel für die „Shenandoah“ war eine Nordpolfahrt, um die Leistungsfähigkeit des Luftschiffes zu demonstrieren. Zu dessen Vorbereitung war eine Transkontinental-Fahrt geplant, die am 7. Oktober 1924 in Lakehurst begann, mit einer Zwischenlandung in Fort Worth und abenteuerlicher Überquerung der Rocky Mountains nach San Diego, Los Angeles und Seattle. Die Rückreise verlief letztlich auch gut und glücklich. In beiden Richtungen wurde Post befördert. Auf der Hinfahrt ist über Gila Bend, Az., auf der Rückfahrt über Pecos, Tx. Und Dayton, Oh. eine kleine Postmenge abgeworfen worden. Am 25. Oktober 1924 war die „Shenandoah“ wieder in Lakehurst. Doch da war sie nicht mehr allein. Am 15. Oktober 1924 um 9.37 Uhr berührte das Luftschiff ZR-III nach einer 81 Stunden dauernden Fahrt und nach 8050 km Fahrtstrecke über den Atlantik amerikanischen Boden.

Ein ZR aus deutschen Landen

Das unter der Firmennummer LZ 126 in Friedrichshafen gefertigte Luftschiff war als Reparationsleistung für die USA gebaut worden. Die USA beanspruchten ursprünglich zwei Marine-Luftschiffe, die aber von ihren deutschen Besatzungen am 23. Juni 1919 zerstört worden waren. Die USA forderten daraufhin 3,2 Millionen Goldmark. Dr. Eckener konnte schließlich seinen Vorschlag durchsetzen, an Stelle der Geldsumme den Amerikanern ein neu zu erbauendes Luftschiff zu liefern. Die Bedingungen der U.S.Navy: Ablieferung des Luftschiffes in den USA. Am 24. August 1924 konnte LZ 126 seine erste Probefahrt unternehmen. Nach weiteren Testfahrten wagte Dr. Eckener am 12. Oktober 1924 den Start zur Fahrt über den Atlantik - nach der Fahrt des britischen Luftschiffes R 34 im Juli 1919 das zweite Luftschiff, das den Weg über den „großen Teich“ suchte. Die Fahrt wurde zu einem Triumph, der Empfang in New York sprengte alle Maßstäbe. Die Übergabe des Luftschiffes söhnte die ehemaligen Kriegsgegner aus, ließen Gedanken eines transatlantischen Luftverkehrs entstehen und waren Ausgangspunkt für eine Zusammenarbeit zwischen den Firmen Luftschiffbau Zeppelin und Goodyear Corp.

LZ 126 war mit Wasserstoffgas gefüllt, ZR-I mit Helium, das aus texanischem Erdöl relativ preisgünstig hergestellt werden konnte. Nach Rückkehr von ZR-I wurde dessen Helium für einen Gasaustausch an ZR-III abgegeben. Das deutsche Reparations- Luftschiff ist am 20. November 1924 von der U.S. Navy übernommen und auf den Namen „Los Angeles“ getauft worden. Und ein zweiter Unterschied bestand zur amerikanischen Luftschifffahrt: Die Luftschiffe ankerten an Masten, statt in Hallen untergebracht zu werden.

ZR-I hat die geplante Nordpol-Fahrt mangels Genehmigung nicht unternommen, auch zu einer Rettungsfahrt der auf dem Eis gelandeten Arktisflieger Roald Amundsen und Lincoln Ellsworth erteilte letztlich Präsident Coolidge keine Erlaubnis. Die „Shenandoah“ hatte bis zum Sommer 1925 auf 57 Fahrten über 40 000 km zurückgelegt. Die Fahrt vom 3. / 4. Juni 1925 von Lakehurst nach Bar Harbor, Maine ist durch Post belegt. Es wurde ein Kreisstempel „Air Mail Service / via / U.S.S. Shenandoah“ verwendet. Die Fahrt am 3. September 1925 sollte die letzte sein. Das Luftschiff geriet in ein Unwetter, brach auseinander und stürzte ab, wobei 14 Mann der Besatzung tödlich verunglückten.

Auf zivile Linienfahrt

Die Briten hatten nach Ende des ersten Weltkrieges eine bedeutende Rolle im Luftschiffbau erreicht, wobei deutsche Erfahrungen eingeflossen sind. Die Atlantik-Überquerung des R-34 in beiden Richtungen war eine großartige Leistung. Das Luftschiff R-38 wurde im Sommer 1921 an die U.S. Navy für 500000 Pfund verkauft und dort als ZR-II registriert. Allerdings ist ZR-II bei seiner vierten Probefahrt am 24. August 1921 über Hull infolge Über-Beanspruchung in der Luft zerbrochen, wobei ein großer Teil der britisch-amerikanischen Besatzung den Tod fand. Damit war das 76400 cbm Inhalt fassende ZR-II für die Amerikaner verloren, die Testfahrt vom 23. / 24. August war als die letzte vor der Atlantiküberquerung geplant. Der Absturz kostete 44 Menschenleben.

Somit hatten die Amerikaner nur noch ZR-III zur Verfügung. Dieses Luftschiff war für den zivilen Einsatz vorgesehen, denn die alliierten Verträge verboten seinen Einsatz zu Flottenmanövern und seine Bewaffnung. Neben verschiedenen technischen Erprobungsfahrten und Schulungseinsätzen plante man einen Linienverkehr. Am 21. Februar 1925 startete die „Los Angeles“ von Lakehurst aus nach den Bermudas. Es war geplant, am Masten des Navy-Versorgungsschiffes U.S.S. „Patoka“ zu ankern und hier Post auszutauschen. Ein Unwetter verhinderte diesen Plan; die von Lakehurst mitgebrachte Post wurde abgeworfen, es wurde aber keine Post aufgenommen; das Luftschiff kehrte nach Lakehurst zurück. Am 21. April 1925 startete die „Los Angeles“ erneut mit Post in Richtung Bermudas. Es kam der gleiche Postaufgabestempel wie zwei Monate zuvor: „Air Mail Service, (Datum) New York.“ in Rot zum Einsatz. Da diese Fahrt für den 16. April geplant war, findet sich das Stempeldatum vom 15. April auf den Belegen. Auf der Rückfahrt am 23. / 24. April konnte diesmal Post befördert werden, die auch am 16. April gestempelt ist und Bestätigungsstempel trägt, entweder einen Zweizeiler „Bermuda First / Overseas Airmail“, einen Dreizeiler „Air / Service / Bermuda” oder (bei Aufgabe an Bord des U.S.S. „Patoka“) einen Dreizeiler „Air Mail / via / U.S.S. Los Angeles“.

Vom 3. bis zum 10. Mai 1925 führte das Luftschiff eine Fahrt nach Mayaguez, Puerto Rico aus, wiederum am Masten des U.S.S. „Patoka“ ankernd, auch wieder mit einer Postbeförderung. Insgesamt ankerte das Luftschiff 44mal auf diese Weise. Im Juni 1925 unternahm das Luftschiff Fahrten ins Inland nach Indianapolis und Minneapolis, auch wieder mit Postbeförderung. Überhaupt war das Luftschiff in diesen Jahren sehr aktiv. Im Februar 1928 unternahm es eine Panamareise. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage zwang die Navy, die „Los Angeles“ aus dem Verkehr zu ziehen, ihre letzte Fahrt unternahm sie am 24. / 25. Juni 1932. Sie blieb danach am Boden und wurde vom Oktober 1939 bis Januar 1940 zerlegt.

Die Amerikaner bauten noch zwei größere Luftschiffe, die „Akron“ und die „Macon“. Ihr Schicksal war besiegelt, als sie 1933 bzw. 1935 ins Meer stürzten. - Damit endete die Geschichte der amerikanischen Luftschifffahrt. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es hier und da Pläne für eine Wiederbelebung des Luftschiffbaues, es blieb aber nur bei kleinen Bauten, den so genannten „Blimps“.

Horst Teichmann
überarbeitet M. M.