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Es gab einmal eine Zeit wo sich die Philatelisten stritten, ob die ab dem 13. April 1967 versuchsweise ausgegebenen „Zettel“ nun als „Marken“ oder als „R-Zettel“ bezeichnet werden sollten. Selbstverständlich weiß man heute dass es sich hierbei weder um das eine noch um das andere handelt. Zettel sind diese Wertzeichen im philatelistischen Sinne natürlich nicht, vielmehr zählen sie ganz sicher zu Postwertzeichen. Jene wurden in der Regel über Automaten in oder auch vor den Postämtern verkauft. Eine „Marke“ wiederum ist ein wohl zu dehnbarer Begriff, so dass auch diese Bezeichnung hier nicht ganz treffend ist. An dieser Stelle muss philatelistisch wohl noch ein wenig genauer definiert werden, um was es sich bei den zu untersuchenden Objekten handelt. Die Frage muss folglich lauten: Für welche Dienstleistung, um einmal diesen etwas seltsam anmutenden Begriff zu gebrauchen, war diese „Marke“ nun eigentlich vorgesehen? Ganz klar: Natürlich zur Beförderung von Einschreibebriefen im Selbstbedienungsverfahren! Demgemäß handelt es sich , philatelistisch zweifelsohne um eine Einschreibemarke und somit automatisch auch um ein Postwertzeichen. Warum wohl? Auch hier fällt die Begründung nicht schwer, denn der Postkunde - bzw., besser ausgedrückt, der Markenkäufer - hatte hier einen Betrag von 50 Pfennigen an Einschreibegebühr zu entrichten.

So musste hier zunächst ein zweiteiliger Einlieferungsschein ausgefüllt werden. Ähnlich den italienischen Paketmarken, besteht auch die Einschreibemarke der Deutschen Post aus zwei Teilen: dem Dienstleistungsteil (DLT) sowie dem Quittungsteil (QT). Blatt l des Einlieferungsscheines wurde zusammen mit dem einzuliefernden Brief in einen besonderen Briefkasten verbracht. Blatt 2 dagegen behielt der Einlieferer des Briefes mit dem von ihm aufgeklebten Quittungsteil der Einschreibemarke für sich als Aufgabebeleg ein. Soweit erst einmal das Einlieferungsverfahren in Kurzform, um nicht allzu weit von der weiteren Bezeichnung auch als „R-Zettel“ abzuweichen. Sog. Ahlbecker Versuchsausgabe zur innerbetrieblichen Dokumentation, wurde am 31.10.66 - 4.11.1966 im Ostseebad Ahlbeck auf einer Arbeitstagung des MPF, mit den Leitern der Hauptpostämter (HPÄ) vorgeführt. Ebenso mit den leitenden Mitarbeitern der Deutschen Post in der DDR, praktische Versuche durchgeführt und behandelt. Mittlerweile konnte ganz eindeutig geklärt werden, dass es von der sog. Ahlbecker Versuchsausgabe zwei Auflagen mit zwei verschiedenen Zähnungen gibt.

Bei vielen Nichtfachleuten, die sich aber trotzdem „Philatelisten“ nennen möchten, herrscht eigentümlicherweise die recht kuriose Anschauung vor, es handele sich hierbei um „R-Zettel“ schlechthin, welche bei der Deutschen Post in der DDR ausgegeben wurden. Zur Ehrenrettung der meisten Normalsammler muss aber doch gesagt werden, dass dies in fast allen Fällen Briefmarkenhändler sind, die ihre Anpreisungen derartig verballhornt auslegen. Doch schon ein kleines Studium der allgemein bekannten Fachliteratur würde bereits genügen, um sich hier wenigstens in groben Zügen etwas Klarheit zu verschaffen. Aber was soll`s, die Zeit fehlt, und wohl auch die Urlaubsvorbereitungen tun ihr übriges. Was soll man da wohl auch noch über diese komischen „R-Zettel“ der früheren „DDR-Post“ groß lesen? So wissen zahlreiche Freunde ebenfalls nicht, dass die aus der Deutschen Reichspost hervorgegangene Deutsche Post, ihre Bezeichnung in der späteren DDR auch weiter behielt - ganz im Gegensatz zu Westberlin oder der Bundesrepublik. Natürlich hat die „Deutsche Post AG“ nichts mit der früheren Deutschen Post gemein, zumal erstgenannte heute ausschließlich nur noch Gewinn orientiert arbeitet - wohl nicht gerade immer zum Wohle des heutigen Postbenutzers. Ähnlich so früher auch bei der Deutschen Post im damaligen mitteldeutschen Separatstaat, wo zwar - etwa zeitgleich mit der versuchsweisen Herausgabe der Einschreibemarken - plötzlich ein Rationalisierungsdenken festzustellen war. Dies geschah jedoch keineswegs aus einem Sparzwang oder Spardenken heraus, sondern war ausschließlich dem chronischem Personalmangel bei der Deutschen Post zuzuschreiben!

Der heutige Wert eines zusammenhängenden, postfrischen Stückes ist wohl nur schwer zu schätzen und wird im Michel Deutschland-Spezialkatalog mit 1200.- Euro in kursiv bewertet. Das postfrisch getrennte Stück wertet hier mit 350.- Euro sowie auf Brief mit vorhandenem Einlieferungsschein Blatt 2, 220.- Euro. Dem dürfte sich dann irgendwann wohl auch der Haubold-Spezial-Katalog anschließen. Letztmaliges Erscheinen war hier die Ausgabe 1997/1998. Wie zu erfahren war, ist nach inzwischen mehrfachen Umbrüchen dessen Erscheinen endlich im Jahre 2002 zu erwarten. Zugleich war zu vernehmen, dass die Bewertung dann bereits in der neuen Europa-Währung erfolgt. Der aufmerksame Leser wird sich sofort fragen, warum wohl das zusammenhängende Stück diesen ganz erheblichen Preisunterschied aufweist? Die zu recht gestellte Frage liegt ganz einfach darin begründet, dass gemäß einer postinternen Anweisung die Einschreibemarken (EM) nur über Automaten abgegeben werden dürfen. Diese Anweisung wurde nun ganz akribisch besonders beim Postamt (SbPA 1092) befolgt. Die Automatenmechanik der damaligen WK3-Automaten, (WK bedeutete Wertzeichen und Eintrittskarten) war so beschaffen, dass diese DLT und QT stets trennten.

Schlecht natürlich für den begierigen Sammlerfreund, welcher doch hauptsächlich auf zusammenhängende Paare (DLT und QT) ein Auge hatte. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich mit Ausgabe der neuen Zeichnung sowie auf Pergaminpapier, änderte sich das und die mittlerweile umgestellten Automaten, gaben die Stücke dann auch zusammenhängend ab. Trotzdem muss vorerst noch einmal auf die Selbstbedienungspostämter (SbPÄ) der DP zurückgegriffen werden. Die versuchsweise Einführung war für den versierten Philatelisten damals eine kleine Sensation. Dennoch war auch mit der allgemeinen Einführung eine klare Linie noch nicht ganz zu erkennen. Erst später war festzustellen, dass die Ausgabe der EM durch Automaten nur an Publikums-Schwerpunkten erfolgen sollte. Das bedeutete, es war keineswegs so, dass nun der herkömmliche R-Zettel durch das persönliche Entgegennehmen durch einen Postangestellten (Beamte gab es in der DDR nicht mehr) aufgrund der Ausgabe von EM nun keine Verwendung mehr fand. Das Gegenteil war der Fall! Zahlreiche HPA (Hauptpostämter) führten beides: SbPÄ-Einrichtungen und arbeiteten daneben auch mit normalem Schalterbetrieb weiter. Im Laufe der Jahre stellte sich dann heraus, dass eine wirklich effektive Nutzung der Postbenutzer nicht vorhanden war. Lediglich die Sammler nutzten diese neue „Markennische“ weidlich aus, so dass man sich schließlich über das „Zentralamt für Werbung“ (ZAW) entschloss, den Sammlern über eine Verkaufsliste, EM in zusammenhängender Erhaltung von allen möglichen Postämter-Eindrucken anzubieten. Erstmals für Sammler erschien eine derartige Liste im März 1970. Weitere sechs Listen erschienen bis zum Dezember 1973. Danach, etwa Mitte 1978, wurde der Vertrieb auch hier wieder eingestellt und der interessierte Sammler musste fortan die gewünschten Stücke bei den verschiedenen PA direkt beziehen.

Der Ordnung halber sei auch nur kurz erwähnt, dass bereits schon im Dezember 1967 auch über die „Deutsche Buch-Export GmbH“ zusammenhängende Stücke (jedoch nicht alle EM) der drei ersten Versuchausgaben sowie auch, um die erste Jahreshälfte 1968, verschiedene EM an den Handel in die Bundesrepublik geliefert wurden. Der Handel sollte diese EM jedoch gleich Rollenweise abnehmen, so dass letztlich hier verständlicherweise kein Interesse mehr bestand. Hinzu kam, dass das Sammeln von DDR-Marken zu diesem Zeitpunkt geradezu verpönt war und bei Bekanntgabe im Verein gegenüber anderen Sammlerfreunden höchstens nur deren mildes Lächeln abverlangen konnte. Was sollten da wohl noch die Einschreibemarken, wo man doch hier lieber „einen Sack Flöhe hüten wolle“, als derartige „Zettel“ seiner hinter vorgehaltener Hand bekannt gemachten DDR-Sammlung einzuverleiben? Nun, dass sich diese wohl damals sehr merkwürdige Einstellung so mancher Freunde inzwischen ganz gewaltig geändert hat, ist ja inzwischen unstrittig. Nicht nur die Bewertung in den einschlägigen Spezialkatalogen zeigt dies augenscheinlich, sondern darüber hinaus auch die Auktionskataloge verschiedener Auktionshäuser. Wer hätte wohl gedacht, dass z.B. im Auktionskatalog der 706. Schaub & Brablec Auktion zehn Spalten mit Einschreibemarken angeboten wurden, außerdem noch mit drei Spalten DDR-Marken sowie eine halbe Spalte DDR-Dienstmarken! Selbstverständlich ist dies jedoch kein Einzelbeispiel. Auch auf den Köhler-Berlin Auktionen werden immer wieder EM mit relativ guten Ergebnissen versteigert. Dies, wie gesagt, nur als Beispiel dafür, wie sich das philatelistische Blatt zugunsten der Einschreibemarken völlig verändert und gewandelt hat. Natürlich sind zahlreiche EM noch relativ „einfach“ zu beschaffen. Gutes und seltenes Material wird dagegen von Jahr zu Jahr knapper und wird eigentlich nur noch bei Sammlungsauflösungen gefunden. Händler, Auktionshäuser und ein spezialisierter Rundsendedienst für dieses Gebiet können ein Lied davon singen.

Doch noch einmal kurz zurück zu dem Verkauf von EM durch Automaten, und in ganz seltenen Fällen erfolgte auch ein Verkauf über den Schalter. Das bedeutete, entweder waren keine herkömmlichen R-Zettel greifbar oder das Postamt hatte keine Automatenvorrichtung. Es kam auch vor, dass der jeweilige Automat defekt war und Monteure nicht sofort zur Verfügung standen. Auch in solchen Fällen wurden dann die EM über den Schalter verkauft. Selbst wenn, wie bereits weiter oben erwähnt, ein Versand an Sammler durch die PA selbst erfolgte. Wenn weiter oben ebenfalls von „Versuchsausgaben“ die Rede war, denkt man unwillkürlich an die ersten drei Versuche auf dickem Papier sowie Pergaminpapier. Hier sind dies die Mi.-Nr. lAx, ICx und ICy. Im Haubold aufgeführt sind dies die Nummern V(l) gez. 12 1/2, V(2) gez. 9 1/2, V(3) ebenfalls.gez.l2 1/2, diesmal jedoch auf Pergaminpapier. Dieser dritte Versuch V(3) gelangte ausschließlich über den Buch-Export in den Handel.

Eine Ausnahme machte hier das SbPA 1092, wo man den Pergaminversuch auf Wunsch an Sammler abgab. Grund war, dass sich die ersten Pergamin-EM in den Automaten als nicht brauchbar erwiesen. Wie bereits erwähnt, der erste Versuch V(l) und der zweite Versuch V(2) machten bei der Abgabe durch den Automaten keinerlei Probleme. Deshalb erfolgte auch keine Direktabgabe in zusammenhängenden Stücken. Wie es zu den ganz wenigen V(l)-Nummern in zusammenhängender Erhaltung am SbPA 1092 kam, bleibt wohl für immer ein Fragezeichen. Natürlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch die V(3)1092 (Mi.-Nr. ICy) nachgedruckt wurde, um so letztlich auch hier einen Verkauf an den Handel zu gewährleisten. Dennoch ist der Urdruck vom Nachdruck sehr leicht zu erkennen und auch im Haubold sehr schön unterschieden. Selbstverständlich kann innerhalb dieses Artikels nicht auf alle Details genau eingegangen werden, denn dafür sind schließlich die einschlägigen Werke da. Dieser Bericht soll lediglich einen raschen Überblick zu dem Spezialgebiet als solches vermitteln, denn immer noch kann sich besonders der DDR-Spezialist hier eine feine Sammlung echter Postwertzeichen zusammentragen. In jedem Fall stand hier der postalische Gebrauch zur tatsächlichen Nutzung Pate. Keine Bildchenmarken, welche z. B. durch einen Kunstbeirat geprüft werden müssen. Sondern eben wirkliche Bedarfspostwertzeichen. Das Sammeln könnte sich z.B. auf die ersten drei Versuchsausgaben beschränken. Möglich wäre auch ein Sammeln, z.B. ausschließlich nur der dritten Ausgabe in neuer Zeichnung. (Abb. rechts oben). Während wohl das Sammeln in postfrischer Erhaltung sicherlich ebenfalls eine feine Sache ist, aber das Sammeln auf Brief, (in der Regel sind alle Briefe sämtlich echt gelaufen) das Herz des echten Philatelisten schon ein wenig höher schlagen lässt! Man kann sein Sammeln, wie gesagt, jederzeit unterteilen. Dies gilt für den großen wie auch für den kleinen Geldbeutel. Der Reiz des Einmaligen und Besonderen bleiben stetiger Begleiter beim genüsslichen Durchblättern der Sammlung. Der Hintergrund bleibt immer bestehen: Nämlich, echte Bedarfspostwertzeichen, und natürlich sind unsere Einschreibemarken auch die Vorläufer der deutschen Automatenmarken schlechthin. Ein sehr böses Erwachen wird es eines Tages wohl leider für jene Freunde geben, welche die Zeichen der Zeit partout nicht erkennen wollten!

Bei den heute noch teilweise sehr günstig angebotenen Stücken, sei es im einschlägigen Rundsendedienst oder auf Auktionen werden die heute noch billigeren EM inzwischen dann wohl bereits so teuer sein wie die teueren Stücke es heute bereits sind.

Mi. 2A gez. 9 ½ : 9 ½ : 9 ½ erstmals im Aug. 78 ausgegeben
Mi. 2D gez. 12 ½ : 9 ½ : 12 ½ erstmals im Jan. 77 ausgegeben
Mi. 2F gez. 11:11:11 erstmals im Aug. 79 ausgegeben
Mi. 2C gez. 12 ½ : 12 ½ : 12 ½ erstmals im März 68 ausgegeben
Mi 2Egez. 9 ½ : 12 ½ : 9 ½ erstmals im Nov. 77 ausgegeben
Mi. 2G gez. 10:10:10 erstmals im Sept. 81 ausgegeben
   

Nr. 3/1144 -1 mit Ausgabe vom Oktober 1985.

Doch nun zurück zu den Versuchausgaben und deren Zähnungen: Intern müssen so auch die Zähnungen 2A, 2C und 2E als Versuchszähnungen gelten bzw. angesehen werden. Sicherlich war der Hauptgrund zu den verschiedenen Zähnungen jener, dass die WK 3-Automaten sich oft nur sehr schwer einstellen ließen. Deshalb griff man immer einmal zu neuen Zähnungsvarianten. Im September 1981 ging man schließlich dazu über, eine gröbere Zähnung zu verwenden. Diese wurde dann auch bei der dritten Ausgabe - ab etwa März 1983 in neuer Zeichnung - beibehalten. Die Abgabe über den Automaten erfolgte auch hier nur noch in zusammenhängender Ausführung. Eine genaue Beschreibung des WK3-Automaten mit den jeweiligen Vorrichtungen soll jedoch der EM-Literatur (Handbücher etc.) vorbehalten bleiben. So war die dritte Ausgabe in neuer Zeichnung auch die letzte EM in diesem Entwurf. Demgemäß findet sich hier auch keine so genannte „Zebraleiste“ mehr. So existierte die dritte Ausgabe nahezu sieben Jahre. Trotzdem hatte sich die Nutzung der Selbstbedienung für Einschreibesendungen als nahezu unrentabel erwiesen und man begann, immer mehr dieser Einrichtungen zu schließen. Nicht ganz unerwähnt bleiben sollten die Sonder-Einschreibemarken die es von zahlreichen Anlässen, wie z.B. „750 Jahr Feier Berlin“, oder auch von anderen philatelistischen Ausstellungen. ( Nr. 102 SPA SOZ  vom 19. August 1977 zur „Sozphilex`77“ )

Abschied von den Einschreibemarken der Deutschen Post

In der amtlichen Mitteilung aus dem Amtsblatt Nr. 14/1990 heißt es: „Mit Ablauf des 30. Juni 1990 werden die bei den Postämtern bestehenden Selbstbedienungseinrichtungen für die Einlieferung von Postsendungen mit der Zusatzleistung Einschreiben aufgehoben und der Verkauf der Einlieferungsnummernzettel für diese Leistungsart eingestellt. Einschreibesendungen, die durch Postkunden mit bis zum 30. Juni 1990 erworbenen Nummernzettel mit Werteindruck beklebt wurden, sind bis zum 31. Juli 1990 noch am Schalter anzunehmen. Danach werden diese, Nummernzettel nicht mehr anerkannt. Nummernzettel mit Werteindruck für Sammlerzwecke sind ab 2. Juli 1990 nicht mehr abzugeben. Alle noch bei den Postämtern für Sammlerzwecke vorliegenden Aufträge sind bis zum 30. Juni zu bearbeiten. Nach diesem Zeitpunkt eingehende Aufträge sind mit dem Hinweis auf die Aufhebung der Einrichtung unbearbeitet an die Absender zurückzugeben. Bei Sammlern vorhandene Bestände an Einlieferungszettel werden nicht erstattet oder gegen gültige Postwertzeichen umgetauscht.“ Aktenzeichen und Unterschrift.

Neben der offiziellen Mitteilung im Amtsblatt des MPF, gab es jedoch noch eine interne Mitteilung an alle BDP, EPF/Bereich PZ, ZPF-PBetr u. V-, ZFM, Ingenieurschule „Rosa Luxemburg“, Außenstelle Naumburg, vom 15. Mai 1990 unter Pbetr.5, 2120-0/140 Nr. 671.  Dort wird wie folgt vermerkt: „Alle noch bei den Postämtern noch vorhandene Nummernzettel sind nach DA 7,1 auszubuchen und zu vernichten. Dem ZPNF ist von jeder Ausgabe eine Rolle (1.000 St) gegen Empfangsbescheinigung zu übersenden.“ Im Gegensatz zur weiter oben abgedruckten amtlichen Mitteilung, dürfte letztgenannte Anweisung insofern interessant sein, als eben nicht alle vorhandenen Einschreibemarken der Vernichtung anheim fielen, sondern von jeder damals noch vorhandenen EM immerhin noch eine ganze Rolle existieren dürfte. Ein Postamt, welches sich nicht an die vorgenannten Anweisungen gehalten hatte, war z.B. das Postamt 6540 Stadtroda, welches sogar noch im März 1991, Einschreibemarken ausgegeben hatte. Stadtroda-EM werden daher von manchen EM-Sammlern als „Abschiedsausgabe“ bezeichnet. Doch es gab noch eine weitere Ausnahme, nämlich das Postamt Gotha l, wie der abgebildete Brief zeigt, welches noch im Juni 1993 „die alte Tradition“ aufrechterhielt.

Verschiedene weitere Einschreibemarken, so z.B. Torgelow mit übermalten 50 Pf Eindruck, sind selbstverständlich nicht mehr als Einschreibemarke anzuerkennen. Dies entsprach in keiner Weise dem auf der jeweiligen Sendung aufgebrachten Portosatz. An dieser Stelle sollte noch einmal auf den Beginn dieses Berichtes zurückgegriffen werden. Der Portosatz für gewöhnliche Einschreibebriefe war damals mit 75 Pfennigen angesetzt. Demgemäß mussten entweder 75 Pfennige in herkömmlichen Briefmarken aufgeklebt werden, wonach der Einlieferer seinen Brief mit einem herkömmlichen Einlieferungsschein am Schalter des Postamtes abzugeben hatte. Anders eben bei aufgeklebten DLT der EM, wonach eben nur noch 25 Pfennige in herkömmlichen Postwertzeichen zu entrichten waren. Der aufmerksame Leser merkt schon, dass es sich bei den EM keineswegs um ein einseitiges oder gar langweiliges Sammelgebiet handelt. Für den Freund des Besonderen, wie z.B. Aufdrucke oder Übermalungen verschiedenster Art, gibt es ebenfalls eine Reihe von Besonderheiten. Auch hier ließe sich ohne weiteres wieder ein gesondertes kleines Spezialgebiet anlegen. Natürlich unterteilen sich die verschiedenen Ausgaben, insbesondere auch der zweiten Ausgabe, noch in verschiedene Auflagen. Dem Allgemein-EM-Sammler genügt jedoch in der Regel eine einzige Type der jeweiligen Michel-Nummer. Im genannten Katalog sind die einzelnen Auflagen auch kaum erwähnt, so dass hier ausschließlich auf die bekannten Spezialkataloge zurückgegriffen werden muss.

Natürlich ist die Fachliteratur zu diesem Gebiet schon sehr wichtig, denn nur auf dieser soliden Basis kann man sich dann für ein Spezialgebiet innerhalb des gesamten Sammelgebietes in Ruhe entscheiden.

Anfragen zu diesem Gebiet können auch unter der E-Mail- Adresse: ulrichhaubold@germanynet.de angefordert werden. Homepage unter: http://home.arcor.de/ulrichhaubold/.

Damit sollte dieser Bericht einer kurzen Umrahmung in groben Zügen auch dazu anregen, sich einmal das Gebiet der deutschen Automatenmarken-Vorläufer näher in Betrachtung mit einzubeziehen. Komplett mit DDR ist man meistens ohnehin. Was eben noch fehlt ist das „gewisse Etwas“, oder vielleicht auch  „das Tüpfelchen aufs i“. Auf eine fragmentarische, kurze Erklärung zu den jeweiligen Katalognummern wurde ausdrücklich verzichtet, weil diese ohnehin ausführlich in den verschiedenen Katalogen zu finden sind. Wie weiter zu berichten ist, ist der neue Haubold-EM-Spezial im September 2002 erschienen. Innerhalb der gebotenen 154 Seiten wird jede einzelne Einschreibemarke auflagemäßig abgebildet. Bei den sog. „schwierigen Fällen“ wurden stets eindeutige Vergrößerungen hinzugefügt. Selbstverständlich wird auf eine ausgiebige Einführung zum Sammelgebiet nicht verzichtet, wobei der neue Haubold-Katalog zugleich auch ein Handbuch zum Sammelgebiet selbst darstellt bzw. verkörpert. Ein langwieriges Suchen der verschiedenen Papiersorten auf gesonderten Blättern entfällt, da alle Sorten mit Unternummern gleich der jeweiligen Auflage zugeordnet werden. So finden sich die Bewertungen nach den neuesten Erkenntnissen und Marktbeobachtungen in Euro ausgewiesen. So sollen die oben genannten Hinweise in der Kürze zunächst genügen. In jedem Fall darf man auch hier gespannt sein!

 

Ulrich Haubold, München
überarbeitet M. M.