Das Sammelgebiet Berlin (West), das es bis zum 3. Oktober 1990 gab, entstand im Ergebnis der Währungsreform von 1948 und war - wie der Philatelie-Publizist Wolf J. Pelikan es eingängig formulierte und wie es immer wieder zitiert wird - ein „Markenland wider Willen“. Es beginnt mit jenen Marken, die das schräg von links unten nach rechts oben angebrachte Wort BERLIN zunächst in schwarzem Buchdruck-Aufdruck und wenig später in Rot auf Motiven der so genannten II. Kontrollratsserie tragen. Die Frage, warum und wie es zu diesen Ausgaben kam, beantwortet die Geschichte Berlins, das damals in vier Sektoren unter der Oberhoheit der vier Alliierten Frankreich, Großbritannien, UdSSR und USA stand. Als in den drei westlichen Besatzungszonen am 21. Juni 1948, die Währungsreform stattfand, wurden die drei Westsektoren Berlins zunächst ausgeklammert. Als die sowjetische Besatzungszone (SBZ) am 24. Juni 1948 ihrerseits eine Währungsreform folgen ließ, sollte diese jedoch für ganz Berlin gelten, das nach sowjetischer Auffassung zum Wirtschaftsbereich der SBZ gehörte. Das akzeptierten die Westalliierten aber nicht, sondern sie verfügten mit dem 25. Juni 1948 die Einführung der Westmark in Westberlin. Seither galten in der Stadt an der Spree zwei Währungen nebeneinander, und es bildete sich eine Parität heraus, die von 2,35 Ostmark gleich l Westmark (Anfang August 1948) auf 5,30 Ostmark zu l Westmark im April 1949 kletterte. Da die Westmächte zunächst noch an ihrer Vorstellung festhielten, für Berlin eine einheitliche Währung zu schaffen und diese gegenüber Ost- wie Westmark abzugrenzen, blieb auch die Ostmark in Westberlin gültig. Mit Blick auf die Briefmarken hatte dies Folgen: Es galten in Westberlin nicht nur die östlichen Marken mit den Bezirksstempel- und SBZ-Aufdrucken, sondern auch die aus der britisch-amerikanischen Zone übernommenen Marken mit Hörnchen-Aufdrucken. Dabei wurden diese Hörnchen-Marken in Westberlin auf Wunsch auch für Ostmark verkauft, und zwar zum Kurs von 1:1. Das rief schnell Spekulanten auf den Plan. Sie tauschten Westgeld zum günstigen Kurs gegen Ostgeld, kauften für Ostgeld bei Westberliner Postämtern die Hörnchen, brachten sie in die Bizone und boten sie dort unter Nominal, aber für Westgeld mit Gewinn, an.
Das beschäftigte die Post der Bizone wie Westberlins eine ganze Weile. Als dann zum l. September 1948 in der Bizone die Bautendauerserie die bis 19. September 1948 gültigen Hörnchen ablöste, sollte zugleich diesem Währungsgeschäft ein Riegel vorgeschoben werden. Und zwar, indem Westberlin ab 3. September 1948 eigene Briefmarken mit schwarzem BERLIN-Aufdruck bekam. Auch diese Marken wurden in Westberlin zwar noch für Ostgeld verkauft, sie hatten jedoch keine Gültigkeit mehr in den Westzonen. Auf Dauer stellte sich zudem die l:l-Akzeptanz der Ostmark für postalische Leistungen im Westen der Stadt angesichts des Wechselkurses als nicht tragbar heraus. So waren ab Ende Dezember 1948 einige Postgebühren nur noch in Westmark bezahlbar, ehe ab 21. März 1949 die Westmark in Westberlin alleiniges Zahlungsmittel wurde. Ausdruck dieses Übergangs sind die Marken mit dem BERLIN-Aufdruck in Rot, die seit Januar 1949 ausschließlich gegen Westmark verkauft wurden und - wie gesagt - zunächst für einige und ab März 1949 für alle Postgebühren galten. Die BERLIN-Aufdrucke gab es im Übrigen in einer Zeit, die außer durch Währungsturbulenzen auch durch heftige politische Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Am 24. Juni 1948 begann die Berlin-Blockade der UdSSR, die zur Luftbrücke für die Versorgung Westberlins führte und bis 12. Mai 1949 dauerte. Parallel dazu vollzog sich die endgültige politische Spaltung in Ost- und Westberlin. Der bis dahin für ganz Berlin zuständige Magistrat zog im September 1948 vom Neuen Stadthaus im Osten der Stadt in den Westteil, unter anderem ins Rathaus Schöneberg, und im Osten konstituierte sich ein eigener Magistrat. Der deutsch-deutsche Postkrieg erlebte zwischen der Währungsreform vom Juni 1948 und dem 15. September 1949 ebenfalls seine ersten Runden in und um Berlin. In Ost wie West wurden Freimachungen der anderen Seite zeitweilig nicht anerkannt, so dass Sendungen zurückgingen oder mit Nachgebühren belegt wurden. Nach den Aufdrucken startete Westberlin als eigenes Markenland 1949 mit Gedenkserien für Heinrich von Stephan und den 75jährigen Weltpostverein sowie zum 200. Geburtstag Goethes. Und es überrascht kaum, dass dieselben Anlässe zeitgleich auch von den Postverwaltungen der Bizone, der französischen und der russischen Zone gewürdigt wurden. Deutsche Kultur und Geschichte wurden - zumindest teilweise - noch einheitlich empfunden.
Westberlins erste eigene Dauerserie brachte 1949 Bauten ins Motiv. Darunter waren -abgesehen vom Brandenburger Tor an der Grenze auf Ostgebiet - mit der alten Nationalgalerie auf der Spreeinsel und dem Gendarmenmarkt unweit der Friedrichstraße auch Ostberliner Ansichten vertreten, sozusagen als Appell zur Einheit. Den Bauwerken blieb Westberlin bei einer zweiten umfassenden Dauerausgabe ab 1956 treu, ehe ab 1959 die Dauermarkenmotive der Bundesrepublik auch für Westberlin - allerdings mit ergänzender Inschrift ihrer Herkunft - übernommen wurden. Die Reihe der acht Westberlin-Blocks begann 1949 mit jenem „zugunsten der Währungsgeschädigten“. Ebenso wie bei den drei Einzelmarken zu diesem Thema galten die Zuschläge Westberlinern, die durch das Geschehen nach der Währungsreform finanziell benachteiligt waren. Das waren vor allem Berliner, die im Westen wohnten, aber im Osten arbeiteten und Einkünfte hatten. Dazu gehörten Beschäftigte bei Bahn und Post, Gewerbetreibende und Freiberufler mit Kundenkreis im Osten oder Rentner mit Bezügen in Ostgeld. Angesichts eines Wechselkurses, der sich von vier Ostmark gleich eine Westmark Ende 1948 auf sieben Ostmark gleich eine Westmark Ende 1949 entwickelte, gehörte zu den Geschädigten, wer Ostmark bekam, aber am Wohnort in Westberlin Westmark bezahlen sollte. Das waren nach Schätzungen damals an die 100 000 Westberliner. Diese schlossen sich zum Teil in einer Notgemeinschaft zusammen, und ihnen half im Westen der Stadt ein Währungsnotopfer der Steuerpflichtigen. In diesen Rahmen gehörten die Marken und der Block. Freilich: Nur wenig mehr als 60 000 Mark kamen als Zuschlag herein - ein Tropfen auf den heißen Stein. Von 200 000 gedruckten Blocks wurden nur 101 892 Stück verkauft. Kaum jemand hatte so viel Geld, dass es unerheblich gewesen wäre, auf 60 Pfennig Nominale 40 Pfennig Zuschlag zu zahlen. Als der Block erschien, war er also fast so etwas wie ein Ladenhüter. Heute ist er längst ein Begriff und eine Art Maßstab für die Marktentwicklung der Ausgaben jener Jahre.
Peter Fischer
überarbeitet M. M.