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Eine bisher unbekannte Variante der gefälschten Mi.-Nr. 3b der Deutschen Post in der Türkei

Die l Piaster der Ausgabe 1884 mit blauem Aufdruck war seinerzeit bei Philatelisten eine der beliebtesten Marken der Postanstalten im Ausland und in den Kolonien. So stuften die Gebrüder Senf in ihren Katalogen von l893 und 1896 sie als eine der teuersten Marken aller deutschen Sammelgebiete ein und bewerteten sie genau so hoch wie den „Schwarzen Einser“ von Bayern. Wie auch sonst, stachelte die hohe Bewertung die Begehrlichkeit an und rief Fälscher und Händler auf den Plan, die sich diese Situation zunutze machen wollten. Was die l Piaster mit blauem Aufdruck angeht, gibt es gleich mehrere Fälschungen bzw. Nachdrucke, die sich mit dem Namen Georges Foure` (1844-1902) und Philipp Kosack (1869-1938) verbinden. Ernst Hollmann hatte darüber bereits 1988 in den „Mitteilungen des Berliner Philatelisten-Clubs von 1888“ einen Artikel veröffentlicht, den die „Berichte“ im März 1989 übernahmen (S. 1702-1708). Inzwischen haben sich einige neue Erkenntnisse ergeben, die es rechtfertigen, das Thema nochmals in einer zusammenfassenden Darstellung aufzugreifen.

Georges Foure`, einer der Großen in der Zunft der Fälscher, kam 1872 aus Le Havre als Sprachlehrer und Übersetzer nach Berlin. Er war ein kenntnisreicher Philatelist, der in Berlin den „Verein für Briefmarkenkunde“ gründete und von 1879 bis 1887 die „Berliner Illustrierte Briefmarkenzeitung“ herausgab, aus der später die „Deutsche Philatelisten-Zeitung“ hervorging. Er hatte ein gewinnendes Wesen und verstand es, sich in das Vertrauen seines Wohnungsnachbarn, des Graveurs Schilling, einzuschleichen, der in der Preußischen Staatsdruckerei und späteren Reichsdruckerei eine große Anzahl von Wertstempeln für Briefmarken und Ganzsachen hergestellt hatte, vor der Reichsgründung für eine ganze Reihe von Postverwaltungen deutscher Staaten, danach für die Reichspost. Schilling hatte nicht nur Duplikate der von ihm angefertigten Stempel ohne Wissen seiner Behörde angefertigt, sondern nahm auch ausrangierte mit nach Hause und erlaubte Foure`, sich dieser Sammlung zum Druck von Falsifikaten zu bedienen. Nicht genug damit, er ermöglichte Foure` sogar den Zugang zur Reichsdruckerei, der somit diese vermeintlich über jeden Zweifel erhabene Institution als Fälscherwerkstatt missbrauchen konnte. Foure` fälschte alles mögliche, Ganzsachen, Stempel, Aufdrucke, ja, er stellte sogar ganze Briefe her, die er von Hand beschriften ließ und mit echten (ausrangierten) Aufgabe- und Ankunftsstempeln versah. Trotz der meisterhaften Fälschungen – Foure` setzte geradezu perversen künstlerischen Ehrgeiz daran, die Sammler mit besonders gelungenen Stücken zu täuschen -, regte sich schon bald ein Verdacht gegen ihn, aber es dauerte Jahre, bis er durch Bemühungen, vor allem von C. Lindenberg und F. Kalckhoff, überführt werden konnte: Er hatte den roten Wertstempel zu l Silbergroschen auf einem preußischen Ganzsachen-Umschlag von 1867 mit einer Anilinfarbe nachgedruckt, die es erst seit 1876 gab. Zwar wies der Direktor der Reichsdruckerei zunächst jeden Verdacht empört zurück, einer seiner Beamten sei untreu und habe Originaldruckstöcke zu Fälschungen missbraucht, aber die Farbanalyse bewies schnell das Gegenteil (Steinwasser, s. 210), und Foure` war entlarvt. Er verließ Berlin 1893 fluchtartig und starb verarmt 1902 in Paris.

Aber hören wir, wie Carl Lindberg, der hervorragende Philatelist und langjährige Kurator der Postwertzeichensammlungen des Reichspostmuseums, ein scharfsinniger Jurist, sich Foure`s in einem Nachruf in der „D.B.Z.“ (1903, S. 4) erinnert: „ Die Persönlichkeit Foure`s war wohl die am wenigsten aufgeklärte, die sich in den hervorragenden philatelistischen Kreisen bewegt hat. Ein ganz eminenter Philatelist, kenntnisreich und erfahren bis zur Unheimlichkeit, dabei stets in Reserve bleibend, verschlagen und auf seinen Vorteil bedacht, trotz seiner treuherzigen blauen Augen unwahrhaftig und hinterlistig, erweckte er im Umgang stets ein unangenehmes Gefühl. Er benutzte Quellen, die er sorgfältig zu verbergen wusste, kannte Hintertüren, die sich nur ihm öffneten, und schlich auf Wegen, die im dunklen führten. Aber sein verblüffendes Wissen, seine Willfährigkeit und sein Erfolg im Herbeischaffen aller möglichen und unmöglichen Sachen machten ihn interessant und sogar unentbehrlich. Dazu kam, dass er von bezaubernder Liebenswürdigkeit sein konnte und ein brillanter Causeur war. Alles in allem war wer im philatelistischen Leben der Reichshauptstadt (...) lange Jahre eine der wichtigsten Persönlichkeiten (...) Jedenfalls hat er Hintermänner (in der Reichsdruckerei) gehabt, aber nie - und das ist ein gutes Zeichen in seinem Charakter - hat er auch die leiseste Andeutung gemacht, wer dies sein könnte, und nie den leisesten Versuch gewagt, die Schuld von sich auf andere abzuwälzen.“ (Zitiert nach OHRT, S. 493) Diese Hintermänner müssen Foure` praktisch unbehelligt in der Reichsdruckerei haben walten lassen. Vielleicht beeindruckte er sie auch durch sein auftreten als „Professor“, wie er sich gerne anreden ließ, wenngleich ihm der Titel nicht zukam. Nur zu den großen Druckpressen hatte er keinen Zugang, sondern musste seine Falsifikate offenbar auf einer kleinen Handpresse herstellen. Die Auflagen seiner Machwerke waren nie sehr hoch. Sicher mag Gewinnstreben eine Rolle bei ihrer Herstellung gespielt haben, aber in erster Linie zog Foure` seine Befriedigung daraus, dass die Qualität seiner Fälschungen selbst versierte Experten hinters Licht führte.

Für die Fälschung der l Piaster druckte Foure` die Urmarke neu von einer Originaldruckplatte, während er den Aufdruck aus Originallettern neu setzte. Die Farbe der von ihm neu gedruckten ist völlig anders als die aller bekannten Urmarken. Der Aufdruck „l Piaster“ ist in Farbe und Ausführung mit Abstand der schönste. Im Gegensatz zu den fast plumpen Buchstaben des Originals und den wesentlich verbesserten der durch Kosack veranlassten Neudrucke   (s. unten) sind die Foure`-Aufdrucke filigranhaft sauber. Die Farbe der Marken und der Aufdrucke, besonders aber die Ausführung der Aufdrucke, ermöglichen ihre leichte Unterscheidung vom Original und den von Kosack veranlassten Nachdrucken. Durch einen glücklichen Zufall gelangten wir mit Hilfe von H. G. Schlegel an einen kompletten Bogen der DR Mi.-Nr. 42, der mit der gleichen Druckplatte gefertigt wurde, die auch Foure` für seine „Neudrucke“ benutzt hatte. Dadurch wurde es möglich, für jede bekannte von Foure` gedruckte l Piaster eine Feldbestimmung vorzunehmen, insgesamt für bisher 13 Exemplare. Sämtliche Stücke stammen aus der oberen Hälfte der Druckplatte, so dass anzunehmen ist, jedenfalls solange kein Exemplar aus der unteren Hälfte der Druckplatte auftaucht, dass Foure` nur von dieser Hälfte gedruckt hat. Wie groß war unser Erstaunen, als kürzlich zwei Marken aus Feld 36 und 37 der selben Platte vorgelegt wurden, die sowohl in der Marken- als auch der Aufdruckfarbe abweichend von den bisher bekannten Foure`-Stücken waren, die aber eindeutig die Aufdrucktypen von Foure` zeigen. Auch hier ist eine Urmarke dieser Farbe im Deutschen Reich unbekannt. Foure` muss demnach mindestens zwei Varianten seiner Falsifikate hergestellt haben:

Bei dieser Situation ergibt sich die interessante Frage: Hat Foure` zwei 50er Felder mit der oberen Hälfte der Druckplatte gedruckt oder aber, was am wahrscheinlichsten ist, die Platte aufgeteilt und mittels einer BOSTON-Handdruckpresse in einzelnen Blockteilen gedruckt? Dies würde dann auch die zwei verschiedenen Farben erklären (die BOSTON-Handdruckpresse wurde seinerzeit häufig zur Herstellung von Probedrucken, Farbproben usw. verwendet). Solange nicht Marken der Variante I und II aus ein und demselben Bogenfeld erscheinen, hat diese Hypothese Bestand. Bei der Benutzung nur der oberen Plattenhälfte liegt die Annahme nahe, dass Foure` höchstens 50 Exemplare der Piaster l gedruckt hat. Der einzige amtliche Nachdruck für die deutschen Postanstalten im Ausland wurde von der Ausgabe 1884 der Deutschen Post in der Türkei 1889 von neu zusammengesetzten Druckplatten hergestellt,mit dem die Reichsdruckerei die Restbestände dieser Ausgabe auf insgesamt 10.000 Satz zur Verwertung durch das Reichspostmuseum auffüllte (die folgende Serie, die überdruckte Krone-Adler-Ausgabe von 1889, wurde ab Oktober 1889 in der Türkei verkauft).

Dieser Nachdruck kam auf Anregung Kosacks zustande. Die Postwertzeichenabteilung des Museums hatte zwar den Ehrgeiz, eine möglichst vollständige Sammlung von Briefmarken und Ganzsachen zusammenzutragen, verfügte aber über keinen eigenen Etat zur Sammlungsergänzung, sondern musste die Mittel dazu aus dem Verkauf von überschüssigen Beständen erwirtschaften. Für die Verwertung solcher Bestände bediente sich das Museum der Dienste des Briefmarkenhändlers Philipp Kosack, durchaus zu beiderseitigem Nutzen. Der rührige Kosack hatte einmal als Betreiber eines kleinen Tabakladens in einem Vorort Berlins angefangen und nebenher auch mit Briefmarken gehandelt. Er verstand es, die Wünsche seiner Sammlerkundschaft zu befriedigen, und in den 1890er Jahren konnte er bereits ein großes Ladengeschäft im Zentrum Berlins „gegenüber dem Königlichen Schloss“ sein eigen nennen (BRÜHL, S. 817). Die Reichspost stand damals den Wünschen der Sammler feindlich gegenüber, was sich z.B. darin äußerte, dass sie es den Postagenten in den Kolonien verbot, Sammlern die Bitte um Abstempelung von unter Umschlag zugeschickten Marken zu erfüllen (PUCHE). Auch die viel zu kleinen Auflagen von Kolonialmarken, besonders der ersten Überdruckausgaben, zeigen, dass die Reichspost die Sammler als Kundschaft noch nicht entdeckt hatte. So stand der wachsenden Nachfrage nach diesen Marken nur ein unzureichendes Angebot gegenüber. Kosack nutzte die ständige Geldnot des Postmuseums aus, indem er ihm großzügig Kredit gewährte, u.a. der Museumssammlung die Blaue Mauritius auf Kredit lieferte (lt. Reichsprotokoll 1908, S. 3153 C, für 35.000 Goldmark - sie ist nach langer Odyssee nach dem Zweiten Weltkrieg jetzt wieder im Bestand des Museums), so dass das Museum ihm zeitweise über 200.000 Goldmark schuldete. Verständlicherweise wollten die zuständigen Beamten, schon um unangenehmen Fragen bei Revisionen oder parlamentarischen Interpellationen zu entgehen, diesen Schuldenberg rasch abzubauen und gingen „dabei auf ausgesprochene oder unausgesprochene Wünsche“ Kosacks auf eine Art und Weise ein, die „mit philatelistischen Grundsätzen nicht zu vereinbaren“ sei (WASSERMANN, D.B.Z. 1905, S, 107, zitiert bei OHRT, S. 597).

Kosack veranlasste mindestens einen Nachdruck der ersten Ausgabe der Marshall-Inseln (euphemistisch im Michel-Katalog als „Berliner Ausgabe“ bezeichnet) und auch der ersten Ausgabe von Deutsch-Südwestafrika. (Um die Aufklärung dieser als Neudruck bezeichneten Nachdrucke hatte sich der bekannte Philatelist Paul OHRT, seinerzeit Obmann des Germania-Ringes, verdient gemacht. Seine Argumentation ist zwar überzeugend, jedoch glückte ihm der Nachweis unlauterer Geschäfte mit dem Reichspostmuseum bei mehreren Prozessen gegen Kosack nicht, zumal die als Zeugen vernommenen Beamten alles abstritten und sich auf den Standpunkt stellten, es handele sich weder um Neu- noch um Nachdrucke, da die Marken zur Zeit des fraglichen Druckes noch kursfähig gewesen seien. Außerdem schadete OHRT der Durchschlagskraft seiner Vorwürfe durch unnötige Polemik.) Den bereits erwähnten Nachdruck der l Piaster der Ausgabe 1884 mit blauem Aufdruck dürfte Kosack über die von ihm abhängigen Museumsbeamten um 1904 veranlasst haben. Denn wenn bis kurz nach der Jahrhundertwende die Mi.-Nr. 3b ungebraucht enorm selten war – noch 1962 hatte Hans Bothe darauf hingewiesen, dass er in seiner gesamten Prüftätigkeit nur drei echte ungebrauchte Exemplare der Mi.-Nr. 3b registriert hatte -, kamen um 1904 größere Mengen ungebrauchter Marken der l Piaster mit blauem Aufdruck auf den Markt. Sogar zwei komplette Bogen waren darunter.

Die Urmarken Mi.-Nr. 42 waren echt und original, unterscheiden sich aber durch ihre Farbe von den Originalen der DP Türkei Mi.-Nr. 3b und auch von Foures` Erzeugnissen. Denn die Druckerei konnte bei diesem Auftrag auf noch vorhandene kleinere Bestände der 20 Pfennig Reichspost, Ausgabe 1884 (Mi.-Nr. 42), zurückgreifen, die verschiedenen Druckperioden entstammten, und daher gibt es die von Kosack veranlassten Neudrucke in verschiedenen Farbnuancen, aber immerhin auf bekannten Urdruckvarianten. Auch die Farbe des Aufdrucks wie der Aufdruck selbst wiesen Unterschiede zum Original und zum von Foure` hergestellten Neudruck auf, so dass FRIEDEMANN bereits 1904 die Vermutung äußerte, die Marken stammten zwar aus der Reichsdruckerei, seien aber erst lange nach Außerkurssetzung der Serie angefertigt worden. Ähnlich urteilte die Aufklärungskommission des Berliner Philatelisten-Klubs von 1888. Kosack und die Verantwortlichen des Postmuseums hatten natürlich ein gemeinsames Interesse daran, die Angelegenheit nicht weiter aufzuklären. Kosack lenkte den Verdacht geschickt von sich ab und hin auf den bereits überführten Fälscher Foure` und den ungetreuen Graveur Schilling. Zwar trat Carl Lindenberg wegen seiner Zusammenarbeit mit Philipp Kosack als Museumskurator zurück. Der Museumsleiter, der Geheime Oberpostrat Hennecke, dessen Ehrgeiz die Sammlung auch mit nichtdeutschen Raritäten zu bereichern, das Museum in die Abhängigkeit von Kosack gebracht hatte, wurde abgeschoben, wurde aber nie disziplinarisch belangt (BRÜHL, S. 586-587). Die in mehreren Prozessen (die u.a. OHRT und Kosacks Kollege Gustav Freyse angestrengt hatten) geladenen Beamten wiesen alles von sich und ließen kein Unrechtbewusstsein erkennen.

Bei den Beratungen des Etats des Reichs-Postamtes kam es 1908 zu einer Erörterung des „Scandale allemand“ (OHRT, S. 596) im Reichstag. Der Abgeordnete Werner rügte die Beschaffungspraxis des Reichspostmuseums und die zu enge Zusammenarbeit mit Philipp Kosack, die diesem ein Monopol mit großen Verdienstmöglichkeiten in die Hände spielte, und er legte den Finger in die Wunde: Der Staatssekretär des Reichspostamts solle einen ordentlichen Etatposten für das Museum einstellen, um es von der Verwertung seiner Dublettenbestände unabhängig zu machen. Ein anderer Abgeordneter pflichtete ihm bei und regte die Ausgabe „schöner Briefmarken“ an, um die Sammeltätigkeit anzureizen und damit dem Museum Mittel zuzuführen. Er kritisierte, dass aus dem Etat nicht hervorgehe, welche Summen das Museum durch die Dublettenverwertung eingenommen hätte. Die Postverwaltung ging in der Etatdebatte auf diese Vorwürfe und Anregungen nicht ein Die Unterschiede zwischen Original, den Foure`-Fälschungen und den von Kosack veranlassten Nachdrucken sind offensichtlich und gehen aus Abb. 6 deutlich hervor. Die Urmarke des Originals ist grauultramarin, die Aufdruckfarbe indigoblau. Foures` Fälschungen sind selten und als Sammelstücke begehrt. Schwierig fällt die Entscheidung bei den Kosack-Drucken. Sie sind keine Neu-, sondern Nachdrucke, denn auch für sie wurde die Platte für den Aufdruck neu gesetzt. Sie wurden aber ohne Zweifel von dazu Befugten amtlich veranlasst und in der amtlichen Druckerei hergestellt. Sicher war nicht korrekt, dass die amtlichen Auftraggeber Kosack eine Monopolstellung eingeräumt hatten und andere mögliche Interessenten nicht zum Zuge kamen. Andererseits muss man wohl sehen, dass die Museumsverantwortlichen ihrem Auftrag — Pflege und Erweiterung der musealen Briefmarkensammlung — nur nachkommen konnten, wenn sie durch den Verkauf von überschüssigen Beständen und Dubletten die nötigen Mittel schafften. Dass hierfür kein ordentlicher Etat eingestellt würde, ist der Reichspost anzulasten. Dass Kosack überhaupt ein so starkes Interesse hatte, die von ihm über das Postmuseum bezogenen Marken zu besorgen, fällt auch auf die Reichspost zurück. Denn ihre sammlerfeindliche Politik verhinderte, dass die begehrten Kolonialmarken in einer Menge hergestellt wurden, die es jedem Sammler ermöglicht hätte, sie in seine Sammlung aufzunehmen. Wer will es einem rührigen und findigen Händler angesichts dieser Konstellation verdenken, dass er, einmal vorsichtig gesagt: ungewöhnliche Wege ging, die Wünsche seiner Sammlerkundschaft zu befriedigen und sich der guten Geschäftsbeziehungen zum Postmuseum dabei bediente?

Auch wenn bei Kosack das Geschäftsinteresse im Vordergrund stand, sollte man sich seiner doch als Händler erinnern, der die Philatelie in vielfacher Weise gefördert hat. Ihm verdanken wir z.B. definierte Qualitätsstandards für die Erhaltung von Briefmarken (BRÜHL, S, 136), er führte als erster die Quarzlampe als Untersuchungsinstrument in die deutsche Philatelie ein (BRÜHL, S. 756), und der von ihm ins Leben gerufenen „Berliner Briefmarken-Zeitung“ „gebührt“ nach dem ersten Urteil von Carlrichard Brühl (S. 817) unter allen je in Deutschland erschienenen sog. Hauszeitschriften „die Palme“. In ihren besten Jahren brauchte sie den Vergleich mit „Stanley Gibbons Monthly Journal“ nicht zu scheuen. So ist es verständlich, dass die deutschen Philatelisten Kosack auf ihrem 4. Bundestag 1927 neben anderen bedeutenden Philatelisten ehrten, indem sie sein Porträt auf einer Privatganzsache abdruckten. Mit dem Anbruch des „Dritten Reiches“ ereilte Philipp Kosack das Schicksal vieler Berliner Juden: 1935 musste er sein Geschäft zwangsweise verkaufen. Er konnte nach Kopenhagen emigrieren, wo er 1938 starb. So blieb ihm 1943 die Flucht über den Öresund oder gar Schlimmeres erspart.

 

Ernst Hollmann/Klaus Detering
überarbeitet M. M.

 

An dieser Stelle dankt Ernst Hollmann Gotwin Zenker, der ihm bei der Bestimmung der Urmarken eine unschätzbare Hilfe war und - wie immer – mit Rat und Tat geholfen hat.