Bund Mi.-Nr. XII
Unter den Ausgaben der Bundesrepublik gibt es verschiedene Werte, die nicht in der ursprünglich geplanten Form an die Schalter kamen. Die Nummerierung dieser Druckstücke nach Michel beginnt mit Mi.-Nr. X, der ersten Version „Brot für die Welt“ von 1961. Wer die vorangegangenen neun römischen Michelnummern sucht, muss bis zu den Bizone-Werten mit Band- und Netzaufdrucken zurückgehen. Die Marken zu l, 3 bis 6, 20, 42, 60 und 80 Pfennig auf Ziffernmuster sowie die Markwerte vom Juni 1948 wurden von der Hauptpostverwaltung nicht anerkannt. Im Oktober 1961 bereitete die Deutsche Bundespost eine Marke zur Unterstützung der Spendenaktion „Brot für die Welt“ vor. Der braunschwarze Wert zu 20 Pfennig sollte ein nacktes hungerndes Kind. mit Essnapf zeigen. Der Entwurf des Grafikers Heinsdorff wirkte jedoch so erschütternd, dass das Postministerium die Ausgabe der Marke stornierte. Erst ein Jahr später erschien ein geändertes Motiv mit neutraler Schriftlösung. Die wenigen existierenden Exemplare der ursprünglichen Version tragen in der Regel am Unterrand einen Gummistempel „Muster“; sie waren postseitig bereits zur Ankündigung verschickt worden. Das „Pausbäckchen“ als Erstversion der bundesdeutschen Weihnachtsmarke 1969 kam nur als Mustermarke in Umlauf.
Zu den „Unverausgabten“ zählt auch die allererste Weihnachtsmarke der Deutschen Bundespost. Mit Nennwert 10 Pfennig und fünf Pfennig Zuschlag sollte sie im Oktober 1969 erscheinen. Der Nürnberger Grafiker Heinz Schillinger entwarf das Motiv nach einer historischen Zinnfigur im Stil der Wohlfahrtsmarken jenes Jahrgangs. Die erste Version war bereits gedruckt, als Einwände gegen die Zeichnung des Christkindes laut wurden. Besonders störend wirkte das unfreundliche Gesicht des Christkinds mit seinen dicken „Pausbacken“, daher wird diese Version heute von Sammlern als „Pausbäckchen“ bezeichnet. Diese Erstauflage blieb nur in geringen Stückzahlen erhalten, die vor Erscheinen an die Presse verschickt worden waren, um die neue Zuschlagsmarke zu melden. Sie tragen am Unterrand einen Gummistempel mit Hinweis „Muster“. Der Restbestand wurde vernichtet, stattdessen ließ man den Entwurf ändern und eine neue Auflage drucken, die am 13. November 1969 zur Ausgabe kam. Der Katalogwert der „Pausbäckchen“ mit Mi.-Nr. XII lag Anfang der 80-er Jahre bei 5000 Mark, steigerte sich bis 1990 auf 8500 Mark und ging danach wieder auf aktuelle 2600 Euro zurück. In den Jahren 2000 - 2001 kamen mehrere Exemplare bei Auktionen zu Preisen bis 3200 DM zum Ausruf, blieben auf diesem Niveau aber ohne Resultat. Ein registrierter Zuschlag brachte damals 1700 DM plus Aufgeld.
In diesem Jahr waren weniger Angebote zu beobachten. Ein günstiges Exemplar fand zu 720 Euro plus Aufgeld einen neuen Besitzer. Stärkere Preisschwankungen sind bei solchen Seltenheiten keine Ausnahmefälle. Auch wenn es wenige Exemplare davon gibt - es gibt eben auch nur wenige Sammler, die sie um jeden Preis besitzen wollen.
überarbeitet M. M.