Auf Rhodos entstand im Dezember 1944 die erste Weihnachtsmarke Deutschlands. Die dort stationierten Soldaten durften zum Weihnachtsfest zwei zusätzliche Feldpostbriefe in die Heimat verschicken. Dazu stellte der italienische Postdirektor übrig gebliebene Neuauflagen von 5-Cent-Marken der Ägäischen Inseln zu Verfügung. Sie erhielten den zweizeiligen schwarzen Aufdruck „WEIHNACHTEN 1944“ und wurden am 22. Dezember 1944 an die Soldaten verteilt. Im September 2001 haben wir Ihnen in dieser Marktrubrik bereits einige Feldpost-Zulassungsmarken vorgestellt, die auf den Ägäischen Inseln Griechenlands von Soldaten der deutschen Besetzungstruppen verwendet wurden und haben darauf hingewiesen, dass aufgrund der enormen Fälschungsgefahr eine kompetente Prüfung aller Werte erforderlich ist. Die genaue Auflage der Feldpostmarke Michelnummer 12 ist nicht bekannt, die Menge wird auf 22000 bis 25 000 Stück geschätzt. Der überraschend verstorbene BPP-Prüfer Hanfried Müller warnte davor, dass etliches dubioses Material in Umlauf sei, das neueren Erkenntnissen nicht standhalten könne. Speziell in Italien gebe es viele Spuren, die auf „Nachdrucke“ bzw. Fälschungen hinweisen.
Der Aufdruck bei Mi.-Nr. 12 entstand in fünf verschiedenen Typen, die sich mit Hilfe der Beschreibungen und Michel-Abbildungen im Spezialkatalog relativ leicht unterscheiden lassen. Die Typenzuordnung kann erhebliche Wertunterschiede ausmachen. Grund ist das abweichend häufige Vorkommen der Typen im Bogen. Die Schalterbogen zu 50 Marken bestanden aus zehn senkrechten Fünferreihen. Fünf Reihen weisen die häufigste Type I auf, die damit rund 50 Prozent der Auflage beträgt. Die Typen II und V sind jeweils nur in einer senkrechten Reihe vorhanden. Type III stammt aus zwei Reihen, das verstümmelte „W“ der Type IV vom linken Seitenrand. Typenpaare kommen vor und sind zur Dokumentation interessant, verdienen aber laut Michel keinen Preisaufschlag. Eine Sonderstellung hat das linke obere Eckrandstück. Auf diesem Feld l gab es offenbar einen Wechsel beim Aufdruck-Klischee, es kommt daher sowohl in Type III wie auch als Type IV vor. Die Position wird laut Michel Handbuch-Katalog „Deutsche Feldpost 1937 – 1945“ mit einer erhöhten Bewertung von 1000 Euro für ** und gefälligkeitsgestempelt honoriert, mit Bedarfstempel sogar 5000 Euro. Bedarfsgestempelte, echt gelaufene Exemplare und Briefe mit Feldpost Mi.-Nr. 12 sind besonders rar, denn ein großer Teil der Bedarfspost wurde bei einem Flugzeugabsturz vernichtet. Die Unterscheidung von Gefälligkeitsstempeln macht erhebliche Beträge aus. Feldpoststempel mit Unterscheidungsbuchstaben „d“ und „e“ sowie italienische Ortsstempel RODI / EGEO gelten lose, aber auch auf Briefstücken, Souvenirkarten und Ganzsachen als Gefälligkeitsentwertungen.
Das Marktangebot der Weihnachtsmarken von Rhodos ist insgesamt recht gering, was sich in überdurchschnittlichen Zuschlagpreisen bei Auktionen ausdrückt. Selbst die übliche problematische Zähnung und Zentrierung wird bei dieser Ausgabe akzeptiert. Die anhaltende Nachfrage lässt somit eine solide Wertentwicklung für zweifelsfrei echtes Material erwarten.
MICHAEL BURZAN
überarbeitet M. M.