Faszination von Z-drucken und Markenheftchenbogen
Die Deutsche Post hat seit einigen Jahren wieder das vormals ungeliebte Markenheftchen entdeckt. Ob Maxi oder Mini, ob Business oder privat - für jeden gibt es etwas. Heute wie vor 50 Jahren war diese Heftchenflut bei Sammlern nicht unumstritten, waren die einzelnen Heftchen doch nicht gerade billig und häufig wurden sie nicht einmal über die Versandstelle geliefert. Die Folgen zeigen die aktuellen Kataloge: Markenheftchen sind „das Salz in der Suppe“. Ob das für die modernen ebenfalls gilt, wird man in einigen Jahren wissen. Uwe Bleeker schaut im zweiten Teil seiner Serie auf die frühen Heuss- Markenhefte zurück.
MH 4 x + y: Das Chamäleon unter den Markenheftchen
Im März 1958 gab es wieder ein neues Markenheftchen, das MH 4. Dieses Heft brachte einige Veränderungen im Vergleich zu den Vorgängern mit: es gab nur ein Heftchenblatt, die nützlichen und für uns Sammler interessanten Reklamemarken fielen weg. Um trotzdem einen Frankaturwert von l DM zu erreichen, wurden zwei Exemplare der bis dahin als Spaghettimarke bekannten oder auch verschrienen l Pf-Marken Mi.-Nr. 226 eingefügt, allerdings mit dem alten Wasserzeichen 4. Das neue Heftchen brachte also auch gleich eine neue Briefmarke mit auf den Markt, die nur aus MH und MHB zu bekommen war. Entsprechend hoch war die Nachfrage nach diesem Heft. Da es auch bei diesem Heft wiederum Randleistenvarianten gibt, kamen die RLV-„Freaks“ zum Zuge.
Folgende Varianten bietet dieses Heftchen:
- I weißer Rand
- II Strichleiste in rosalila
- III Doppelleiste in rosalila und blaugrau
- IV wie III, aber oben verkürzt
- V wie III, aber unten verkürzt
Nachdem alle zufrieden gestellt waren, ließ das Interesse der Sammler wieder nach. Schließlich gab es genug Hefte und MHB, um sämtliche Zusammendrucke und Einzelmarken der Mi.-Nr. 285 daraus zu gewinnen. Nach wie vor interessant, aber noch unerforscht, sind die Deckeltypen. Heute weiß man, dass es vom MH 4x zwei Deckelvarianten gibt. Die eine hat den Deckelkarton, ähnlich wie das MH 2 (der graue Deckel vom MH 3 hat sich wohl als wenig attraktiv erwiesen, so dass man wieder auf die herkömmliche Farbe zurückgegriffen hat). Dann gibt es noch Hefte mit einem etwas dunkleren Farbton aus glattem Karton, wie es auch die späteren Heftchen aufweisen. Da das Heft in zwei Auflagen hergestellt worden ist (der ersten in Höhe von ca. 500.000 folgte im Jahr 1959 eine weitere mit ca. 90.000 Stück), besteht die Möglichkeit, dass die Nachauflage mit dem dunkleren, qualitativ besseren Deckelkarton ausgestattet worden ist. Gewissheit darüber besteht beim heutigen Stand der Forschung allerdings noch nicht.
Liegendes Wasserzeichen:
Irrtum der Bundesdruckerei oder verkaufsfördernde Marketingmaßnahme der Post?
Im Februar 1960 kam eine weitere Teilauflage des MH 4x auf den Markt, nun allerdings mit liegendem Wasserzeichen. Dieses MH gab es nur für kurze Zeit und nur bei teilnehmenden Postämtern. Das waren in diesem Fall nur die Sammlerschalter. Da diese Heftchenversion ohne Ankündigung herauskam und bereits nach kurzer Zeit ausverkauft war, gab es bei den leer ausgegangenen Philatelisten natürlich einiges an Aufruhr.
Nachfolgend ein kurzer Abriss über die damaligen Geschehnisse:
Etwa zum Jahreswechsel 1959/1960 hin fand die Post mit der Firma Sieger einen neuen Auftraggeber, der die Firma Pelikan als Werbeträger auf der MH 4-Deckelrückseite ablöste. Die Produktion eines neuen Heftes mit veränderter Rückseite wäre sicherlich im Katalog mit einer neuen Unternummer aufgeführt worden. Dieses Heft hätte der Logik zufolge sicherlich die Unternummer MH 4b erhalten. Selbst wenn eine weitere Auflage mit gleicher Rückseite wie bei den ersten Heften aufgelegt worden wäre, hätten die Unterschiede durch das mittlerweile verwendete Papier mit glatter Gummierung nur bei den Spezialisten Interesse geweckt und eine neue Teilauflage ohne große Nachfrage hervorgerufen (möglicherweise das MH 4xw). Doch die Verwendung eines um 90 Grad gedrehten Papiers beim Druck und daher mit verändertem Wasserzeichen herausgekommenen Produktes löste eine Kettenreaktion bei den Sammlern aus und hatte damit etliche weitere für die Post nicht vorhersehbare Auswirkungen. Bereits kurz nach der Herausgabe dieses Heftchens wurde diese Besonderheit in Sammler- und Händlerkreisen bemerkt. Schon in der DBZ 7/1960 vom 5. April 1960 sind die ersten Anzeigen erschienen, allerdings wurden nur Einzelmarken angeboten, ohne die Herkunft der Stücke aus Markenheftchen oder MHB zu erwähnen. Wenn man eine Vorlaufzeit für Anzeigenerstellung usw. einberechnet, war der Wert dieser Besonderheit bereits kurz nach der Ausgabe von Spezialisten erkannt worden. In den folgenden Ausgaben der DBZ boten dann auch schon Händler aus Berlin, Frankfurt und Hannover ebenfalls diese Marken an, Ankaufsgesuche unter Chiffre ließen auch nicht lange auf sich warten.
Laut einem Bericht in der DBZ 10/1960 führte der nur kurzzeitig im März erfolgte Verkauf der MH und MHB mit liegenden Wasserzeichen durch die Versandstellen in Berlin und Frankfurt zu erheblicher Verstimmung bei den Sammlern. Folgebestellungen von interessierten Kollegen führten nur zur Lieferung noch vorhandener Restbestände des MH 4x mit der alten Pelikanreklame oder von deren Markenheftchenbogen mit normalem Wasserzeichen. Da nur insgesamt 2.000 MHB und 100.000 MH mit dem veränderten Wasserzeichen hergestellt wurden, reichten diese Mengen bei verstärkter Nachfrage nur für kurze Zeit. In einer Stellungnahme des Bundespostministeriums vom 28. März 1960 wurde zugegeben, dass die erwähnten Marken in der Stellung des Wasserzeichens abweichen, weil die Druckbogen verschiedenartig aus der Grundrolle geschnitten wurden.
Am 13. April 1960 wurde vom zuständigen Referenten des Bundespostministers versichert, dass die Ausgabe der genannten Werte mit dem liegenden Wasserzeichen ein Versehen gewesen sei, die Bundesdruckerei sei stets bemüht, keine Abarten herzustellen. Es könne sich nur um einen Bestand handeln, der sich aus einer Restrolle bzw. aus einer beschädigten Papierrolle habe herstellen lassen. Den Anträgen der Versandstellen für Sammlermarken, die Marken mit diesem andersartigen Wasserzeichen nachzudrucken, stand das Bundespost-ministerium ablehnend gegenüber. Zur Auflagenhöhe konnte sich keine offizielle Dienststelle der Post äußern. Aus dem Hause Sieger, dem Initiator für die neue Firmenreklame, kam die Information, dass ein Auftrag für 100.000 Heftchen bei der Post erteilt worden war.
Eine Anfrage der Zeitung „Der Deutschlandsammler“ brachte die folgende Antwort des Bundespostministeriums, datiert vom 15. März: Abweichungen der Stellung des Wasserzeichens und des Drucks, der sich außerhalb der eigentlichen Briefmarken befindet, sind für den Postdienst ohne Bedeutung. Die Druckerei ist von mir nicht beauftragt gewesen, verschiedenartige Ausführungen zu drucken. Sie hat sie selbst auch nicht absichtlich hergestellt...“
Weiter anhaltende Sammlerproteste führten schließlich doch dazu, dass die Post ihre anfangs ablehnende Haltung zurück nahm und die Abonnenten der Versandstelle Frankfurt im Mai schriftlich davon in Kenntnis setzte, dass ein Nachdruck geplant sei. Der Bedarf sollte mittels dem Schreiben angehängtem Bestellschein bis zum 7. Juni angemeldet werden. Nach den bereits bei der Herausgabe der 10 Pf. Europa Mi.-Nr. 268 gemachten schlechten Erfahrungen schien der Nachdruck der Marken für die Post wohl die beste Lösung zu sein. Auch bei dieser Marke wurde irrtümlich ein kleiner Teil der Auflage auf Wasserzeichenpapier gedruckt. Aufgrund zahlreicher Proteste der leer ausgegangenen Sammler sah sich die Post genötigt, im August 1958 einen identischen Nachdruck der Marke auf Wasserzeichenpapier herauszugeben, die Mi.-Nr. 294 (Auktionsangebote für eine Mi. 268 mit Wasserzeichen von bis zu 1.000 DM spielten hier bei der Entscheidung für den Nachdruck eine wichtige Rolle). So hatten alle interessierten Sammler die Möglichkeit, sich nachträglich noch zum Postpreis mit der Marke einzudecken. Ein identischer Nachdruck schien daher auch beim verunglückten MH 4 mit liegendem Wasserzeichen die Lösung zu sein, die alle zufrieden stellen könnte.
Leider waren nach der Herstellung der MH 4x, der MHB 5x und der Erstauflage mit dem liegenden Wasserzeichen die Druckplatten schon derart abgenutzt, dass ein Nachdruck nach den in der Bundesdruckerei geltenden Qualitätskriterien in so großer Stückzahl wie benötigt die Herstellung neuer Druckplatten notwendig machte. So nahm das Unglück also seinen Lauf. Aus den Bestellformularen wurde ein Bedarf von 155.000 MH ermittelt, außerdem wurden 22.000 zusätzliche MHB mit liegendem Wasserzeichen hergestellt (also sogar noch zehn Prozent mehr als beim MHB 5x). Doch bereits kurz nachdem die Heftchen ausgeliefert wurden, stellte man fest, dass es sich keinesfalls um einen identischen Nachdruck handelte, mit dem die Post die Sammlerproteste zum Schweigen bringen wollte. Die Nachauflage wies signifikante Unterschiede zum Urdruck auf: Die Farbe der Marken war unterschiedlich und auch das Druckbild wies Abweichungen auf. Während die erste Auflage von abgenutzten Platten gedruckt wurde - und auch so aussah - kam der Nachdruck frisch und farbenfroh daher. (siehe Abbildung) Nach dem Fauxpas mit dem verkehrten Wasserzeichen gab es nun also noch eine weitere Blamage durch die Druckbildunterschiede und die Farbabweichungen.
Die tiefer gehenden Unterschiede zwischen den Varianten interessierten nur noch die Spezialisten. Die MHB unterschieden sich nämlich ebenfalls durch die Strichleistenkonstellation. Daher gab es bei den Erstausgaben einige Zwischenstegkombinationen mit der Blinddruckleiste, die in der Nachauflage nicht mehr vorhanden waren. Daraus sind dann die MHB-Varianten 5yl I-III entstanden, heute nur noch in geringer Anzahl existierende Reliquien. Da die Unterschiede bei den Bogensignaturen zum Urdruck erheblich sind, sollen diese ebenfalls erwähnt werden. Denn anders als der ursprüngliche Markenheftchenbogen hat der Nachfolger eine Hausauftragsnummer: 015 048 und auf einigen Marken des Unterrandes finden wir die Formnummern l-4. Leider sind diese Signaturen nur auf wenigen Bogen mit sehr breitem Unterrand vorhanden und auch dort nur in angeschnittener Form. Daher sind sie nur den wenigsten Sammlern bekannt und werden von den meisten Katalogen ignoriert.
Bei den Randleistenvarianten bietet das MH 4y II die gleichen wie das MH 4x, lediglich bei der RLV H hat die YII- Ausgabe neben der rosalila Leiste noch eine weitere in blaugrau zu bieten. Wenn auch die Wogen Anfang der 60er Jahre wegen der Ausgabe des MH mit liegendem Wasserzeichen sehr hoch schlugen, so wurde aus heutiger Sicht dadurch das Spektrum der Heuss-Marken durch diese Vorgänge um einige sehr interessante Varianten bereichert. Aufgrund der starken Nachfrage verblieb ein großer Teil des Nachdrucks in philatelistischer Hand. Da in jedem Vordruckalbum Felder für die Marken mit liegendem Wasserzeichen vorhanden sind, handelt es sich bei diesen Stücken immer noch um stets gesuchte Marken - auch wenn die Geschichte ihrer Entstehung mittlerweile fast in Vergessenheit geraten ist.
Uwe Bleeker
überarbeitet M. M.