Städte auf Münzen

Prächtige Panoramen

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation besaßen seit dem Mittelalter viele Städte das recht einträgliche und mit viel Prestige verbundene Münzrecht. Aus Kostengründen wurde es nicht immer ausgeübt. Aber wenn man eigenes Geld prägen ließ, dann schmückte man die Taler, Dukaten und auch Medaillen mit aufwändig gestalteten Wappenschildern, allegorischen Figuren und prächtigen Panoramen - verbunden mit frommen Sprüchen, häufig in lateinischer Sprache, weil diese überall in gehobenen Kreisen verstanden wurde. Die metallenen Miniaturen unter dem Auge Gottes mit Kirchen sowie Rat- und Bürgerhäusern, manchmal auch eingefasst von einem Festungsgürtel, sind beliebte Sammel- und Ausstellungsstücke.
Vorlagen für die Stempel existierten direkt vor der Haustür: Den Stempelschneidern standen als „Muster“ die eigene Beobachtung, aber auch Stiche, Holzschnitte und Gemälde zur Verfügung. Um den Darstellungen Tiefe und Bedeutung zu geben, hat man sie oft mit allegorischen Figuren versehen und auch die Bereiche vor der Stadt ins Münzbild einbezogen. Manche Künstler schufen mit diesen minutiös ausgeführten Panoramen wahre Meisterwerke, die sich erst bei der Betrachtung mit der Lupe erschließen. Dass solche Bilder innere Spannungen und wirtschaftliche Probleme kaschierten und heute eine heile Welt projizieren, muss man sich dabei hinzu denken.
Dass man das Bedürfnis hatte, seine Stadt ins enge Münzrund zu bannen, hängt mit der langsam beginnenden bürgerlichen Emanzipation und dem Wunsch der Städter zusammen, sich auch auf geprägtem Metall darzustellen. Da die Münzen zum Teil weite Verbreitung außerhalb des eigentlichen Geltungsbereichs fanden, erhoffte man sich natürlich auch „Werbeeffekte“.
Die Darstellung von Stadtansichten auf Münzen und Medaillen kam erst im 17. Jahrhundert in Mode. Besonders die Reichsstädte Nürnberg, Augsburg und Regensburg taten sich mit sehr schönen, zum Teil nicht sehr teuren Münzen dieser Art hervor. Überliefert sind auch Stadtansichten auf Münzen von Münster, anlässlich des Friedensschlusses nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges.
Sogar die Fürsten brillierten auf Stadtansichtstalern und auf Medaillen als große Herren, auch wenn sie ganz unbedeutend waren. Neben den „üblichen“ Stadtansichten wurden auf solchen Stücken auch Grundsteinlegungen oder die Vollendung eines Schloss- oder Kirchenbaus verherrlicht. Verbunden wurden solche Motive mit religiösen, meist lateinischen Sprüchen, die den Segen Gottes auf die Monarchie oder die Stadt herab schwören sollten.

Helmut Caspar
überarbeitet M. M.


(C) 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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