ATM-Spezialitäten

Spannend und vielseitig

Der nachfolgende Beitrag befasst sich mit Spezialitäten und Besonderheiten bei deutschen Automatenmarken seit Einführung des Euro. Neben den katalogisierten Sätzen sind diese Besonderheiten für den ATM-Sammler das eigentliche Salz in der Suppe. Automatenmarken unterscheiden sich in zwei wesentlichen Punkten von allen anderen Postwertzeichen. Sie werden erstens als Blankovordruck auf einer Rolle hergestellt und zweitens erst im Automaten nach Vorgabe des Käufers mit einem Wertaufdruck versehen. Aus diesem Grund kann man auch zwei Arten von Besonderheiten unterscheiden, nämlich Vordruck- und Automaten-Besonderheiten.

Die Vordruck-Besonderheiten umfassen all die Auffälligkeiten, die bereits auf dem Vordruckpapier der Druckerei mitgeliefert werden. Hierzu zählen auch Plattenfehler. Alle nachfolgend beschriebenen Vordruck-Besonderheiten wurden von der Bundesdruckerei bestätigt, die entsprechenden Schreiben liegen der Redaktion vor.


Andersartige Postembleme

Auf dem Motiv „Postembleme“ (Mi.-Nr. 4) fallen drei Besonderheiten auf: Beim zweifarbigen Rahmen weist der obere Rand ein helles Gelb auf, während der senkrechte rechte Rand in einem dunkleren Gelb-Orange erscheint. Laut Bundesdruckerei handelt es sich hierbei um einen Farbfehler, bei dem im oberen Teil des Rahmens die rote Farbe fehlt. Ein türkisfarbener Streifen kam dadurch zustande, dass beim Verchromen des roten Zylinders eine Produktionsabweichung aufgetreten ist. Durch das teilweise fehlende Rot erscheint die Mischung aus Blau und Gelb türkis. Die „schmale Null“ stellt eine besondere Kuriosität dar, die auf einen Softwarefehler zurückzuführen ist. Bei der Programmierung der Tintenstrahl-Köpfe, mit denen die rückseitigen Zählnummern aufgebracht werden, hat man in den waagerechten Punktlinien der „0“ jeweils oben und unten einen Punkt vergessen. Somit weist die „schmale Null“ in der Waagerechten nur zwei statt drei Punkte auf. Laut Bundesdruckerei wurde dieser Makel etwa Ende 2004 korrigiert.



Besonderes beim Briefkasten

Auch die ATM mit dem Motiv „Briefkasten“ wartet mit einer Fülle von Vordruck-Besonderheiten auf. Eine von ihnen lässt sich etwa durch die gebrochene Schrift im Adressfeld des Briefes gut unterscheiden. Die Bundesdruckerei hat diese Besonderheit als Papierfehler bestätigt und darauf hingewiesen, dass hierfür eine Papierpartie verantwortlich war, die nicht über ausreichend Papierglätte verfügte. Beim Drucken wird überschüssige Farbe mit dem so genannten Rakelmesser abgezogen. Ist es beschädigt oder befindet sich ein Fremdkörper auf dem Druckzylinder, kommt es zu Rakelstrichen, die senkrecht, parallel zur Druckrichtung, durch die Marke verlaufen. ATM werden auf einer Bahn mit fünf nebeneinander liegenden Marken gedruckt. Parallel zum Druckvorgang werden die Transportlöcher ausgestanzt. Dort, wo sich die Transportlöcher befinden, ist vor dem Ausstanzen auf jeder elften ATM ein schwarzes Passerkreuz aufgedruckt, das zur Steuerung der Druckmaschine benötigt wird. Wenn diese Stanzung nicht passgenau erfolgt, werden Reste des Passerkreuzes sichtbar. Diesen sehr seltenen Fehler hat die Bundesdruckerei als Perforationsabweichung bestätigt.

Gelegentlich ist der Seitenrand einer ATM mal schmaler und mal breiter. In älterer Literatur wird diesbezüglich immer noch von „Klischee- bzw. Druckverschiebung“ gesprochen. Beides ist grundlegend falsch. Es handelt sich vielmehr um ein unsymmetrisches Trennen der fünf nebeneinander liegenden Markenbahnen. Somit kann man von einem Verschnitt sprechen, der in der Trenn-, Nummerier- und Umwickelmaschine entsteht und im Extremfall zum völligen Fehlen eines Seitenrandes führen kann.


Individuelle Fehler

Unter den Automaten-Besonderheiten werden alle Besonderheiten zusammengefasst, die direkt und individuell auf den einzelnen Automaten zurückzuführen sind. 0000-Drucke werden am Automaten immer dann automatisch erzeugt, wenn eine Markenrolle eingelegt wird. Der Nulldruck soll dem Bediener zeigen, dass das Druckwerk ordnungsgemäß arbeitet. Handelt es sich um den Rollenanfang, trägt der entsprechende Nulldruck rückseitig die Zählnummer 2000. Unter ATM-Sammlern sind neben den Nulldrucken besonders Marken mit der Nummer „5“ begehrt, die nur in ganz seltenen Fällen vom Automaten ausgegeben werden. Bisher waren diese Zählnummern grau, seit Mitte 2005 sind aber auch Nummern in tiefschwarzer Farbe festzustellen, die auf einer Material-Umstellung bei der Tinte beruhen. Bei den Doppeldrucken kann man horizontale und vertikale Ausführungen unterscheiden, die vermutlich durch nicht näher erkennbare Störungen im Druckerbereich hervorgerufen werden. Im normalen Betriebszustand trennt die Schneidevorrichtung die Marken horizontal in der Mitte der Transportlöcher. Wenn die Schneidevorrichtung aber gestört oder nicht richtig eingestellt ist, kommt es zu Fehltrennungen, bei denen die Transportlöcher oben bzw. unten und in ganz seltenen Fällen sowohl oben als auch unten geschlossen sind.

Teildrucke sind daran zu erkennen, dass nur ein Teil des Wertaufdruckes sichtbar ist. Sie sind meistens auf einen Farbbandfehler zurückzuführen. Durch eine Dejustierung des Druckwerkes kommt es zu Justierfehlern. Es sind die unterschiedlichsten Varianten möglich, bei denen der Druck so weit nach links verschoben sein kann, dass das €-Zeichen, der * - ja sogar das Komma und ganze Ziffern des Wertaufdruckes verschwunden sind. Teilweise treten auch sehr seltene Kombinationen aus Justierfehlern und Teildrucken auf. All dies zeigt, wie spannend und abwechslungsreich das Sammeln von ATM sein kann, wenn man weiß, worauf man zu achten hat. Das Schöne daran: Jeder Sammler kann jederzeit und an jedem Automaten solche ATM-Spezialitäten entdecken - mit etwas Glück und Geduld.


Wolfgang Court
überarbeitet M. M.


(C) 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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