Zuschlagsausgaben ufern aus! |
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Deutschland ist das Land mit den höchsten postfremden Zuschlägen weltweit. Bei allem Respekt für die guten Zwecke, denen das Zuschlagsaufkommen dient, ist die ausufernde Sondersteuer für Philatelisten - andere Personenkreise halten sich beim Kauf, um es vornehm auszudrücken, bekanntlich stark zurück - auf Dauer nicht mehr hinnehmbar. Die organisierte Philatelie, selbst Nutznießer des Zuschlagsaufkommens, hält sich mit Kritik leider zurück. Es begann 1949 nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland mit vier Wohlfahrtsmarken jährlich (Mi.-Nr.117/20) (BUN00082). Hinzu kamen Zuschlagsmarken aus wechselnden Anlässen (siehe etwa Mi.-Nr. 113, (BUN00073) 121/22, (BUN00087) 139/40, (BUN00101) 141/42, 151, (BUN00122) 153/54, (BUN00127) 163, (BUN00147) 171/72 (BUN00106) usw.). In der Bizone und den Ländern der Französischen Besatzungszone hatten sich allerdings in der Zeit davor die Zuschlagsausgaben gehäuft. Wegen des knappen Geldes war die Auflage der ersten Wohlfahrtsserie „Helfer der Menschheit“ zu hoch angesetzt, so dass erst 1951 wieder eine solche Serie erschien, jetzt mit deutlich gesenkter Auflage. (BUN00106) Ab 1962 kamen die Marken für die Jugend hinzu (Mi.-Nr. 376/79) (BUN00330), die vorher noch nicht alljährlich erschienen waren (Mi.-Nr. 153/54 (BUN00127), 232/33 (BUN00250), 250/51 (BUN00272), 286/87 (BUN00289) ), ab 1969 die Weihnachtsmarken und ab 1978 die Sporthilfe-Marken (Mi.-Nr. 958 (BUN00648), 968 (BUN00658) ), denen eine Fülle von Olympia-Marken vorausgegangen waren (ab Mi.-Nr. 561/65) (BUN00384) (BUN00395) (BUN00458) (BUN00412) (BUN00460) (BUN00459) (BUN00461) . Auch die Zahl der Marken aus diesen Anlässen wuchs an. So wurden aus zwei recht bald fünf Sporthilfemarken. Vier eingespielte Zuschlagsserien jährlich, alle zwei Jahre eine Zuschlagsmarke für den Umweltschutz sowie gelegentlich eine Marke mit Zuschlag zugunsten der Philatelie und „für besondere Zwecke“ (etwa Hochwasserhilfe, Kosovo-Hilfe) sind schon ein harter Brocken. Hinzu kommen weitere Aufwendungen für ein Markenheftchen mit zehn selbstklebenden Wohlfahrtsmarken (seit 2005) und Zuschlagsganzsachen. (BUN01023) (BUN01060) Der teure Block zur Fußball WM (4,25 Euro) mit seinen Zusammendruckkombinationen, eine Sonderpostkarte zur Internationalen Briefmarken-Messe Essen 2006 mit einem Wertstempel zu 45+25 Cent „Fahnenmeer“ und zwölf Zuschlagspostkarten für die Fußball WM 2006, ebenfalls mit diesem Wertstempel, haben den Sammler in diesem Jahr weit über das übliche Maß hinaus strapaziert. Die Erträglichkeitsschwelle ist längst überschritten. Bundesfinanzministerium und Deutsche Post sind in einen Zuschlagsmarkenrausch verfallen, dessen Maßlosigkeit in einem unüberbrückbaren Gegensatz zur sich laufend verschlechternden Einkommenssituation breiter Bevölkerungskreise steht. Wie sollen Schüler, Studenten, Arbeitslose und viele Geringverdiener dies alles bezahlen? Teures Rembrandt-Heftchen Entgegen anfänglichen Mitteilungen ist das aufwändige Rembrandt-Heftchen der Niederlande (siehe dazu BMS 9/2006, Seiten 10, 32 f.) in einer Auflage von 45000 Stück hergestellt worden, was für eine Aufstockung der Startauflage um 50 Prozent angesichts der starken Nachfrage spricht. Die Heftchen waren schnell vergriffen. Weitere Mengen sind wegen des deutschen Einspruchs gegen die Eigenmächtigkeit der niederländischen Post (TPG Post) nicht zu erwarten. Obwohl die deutsche Rembrandt-Variante im Heftchen keine Frankaturkraft hat und von der Deutschen Post als nicht autorisierter Nachdruck ohne die deutschen Produktions- und Sicherheitsstandards (Vignette) eingestuft wird, deren Entwertung in Deutschland nicht erfolgen darf, sind die Preise für das - schon von der TPG Post deutlich überteuert verkaufte Prestigeheftchen inzwischen – drastisch in die Höhe geschnellt. Wer nicht bereit ist, die geforderten Beträge auszugeben, mag sich damit trösten, dass eine Bund-Sammlung auch ohne dieses Heftchen mit der Vignette komplett ist. Stempelmaschinen werden sich um die Unterschiede nicht kümmern und die Vignette abstempeln, wenn auf der Sendung zusätzlich Marken mit maschinentauglicher Fluoreszenz kleben. Zudem dürfte auch das Schalterpersonal bei Stempelwünschen der Kunden mit einer Identifizierung des Produktes aus den Niederlanden überfordert sein. Neue Ganzsachen Obwohl im Postalltag bedeutungslos, sprudelt die Produktion von neuen Sonderganzsachen. Der Postkunde kann sie nur über die Post-Philatelie in Weiden oder im Briefmarkenfachhandel beziehen. Sie kommen deshalb im täglichen Posteingang kaum vor. Auflieferungen erfolgen ganz überwiegend aus philatelistischen Gründen. Am 5. Oktober 2006 beginnt der Verkauf von zwei Messeganzsachen und einer weiteren Sonderganzsache im Format DIN C6 (162 mal 114 mm, übrigens hergestellt im Mehrfarben-Offsetdruck der Firma DFS, Wermsdorf), von denen zwei mit einem postfremden Zuschlag versehen sind. Sie würdigen den Deutschen und Österreichischen Philatelistentag vom 6. bis 8. Oktober 2006 in Bad Reichenhall, die Internationale Briefmarken-Börse vom 27. bis 29. Oktober 2006 in Sindelfingen und das Jubiläum „75 Jahre Welttierschutztag“. Der erstgenannte Umschlag (Postpreis 65 Cent, Bestellnummer 008184) hat als Wertstempel die am selben Tag erscheinende Sondermarke zu 55 Cent „Deutscher und Österreichischer Philatelistentag“ aus der Serie „Tag der Briefmarke“. Als Bildschmuck dient die Wiedergabe einer Postkarte zum VIII. Deutschen Philatelistentag in Köln 1896 anlässlich der Rheintour des Bundes Deutscher und Österreichischer Philatelisten-Vereine am 22. Juni 1896 (Motive: Rheindampfer vor dem Panorama des Riesengebirges, Kölner Dom, Veranstaltungslogo). Der zweite Umschlag (Postpreis 90 Cent, Bestellnummer 008185) ist mit der Marke zu 55+25 Cent „1957 Trans Europ Express (VT 11.5) aus der diesjährigen Wohlfahrtsserie „Eisenbahn“ versehen. Der Bildzudruck bringt weitere Bilder vom legendären TEE (im Bahnhof Montabaur und im Frankfurter Hauptbahnhof) sowie das Börsenlogo. Der dritte Umschlag (Postpreis 90 Cent, Bestellnummer 011511) ist mit einem Wertstempel zu 55+25 Cent „Eichhörnchen“ aus der diesjährigen Serie „Für die Jugend“ ausgestattet. Der Zudruck zeigt das Gemälde „Der Heilige Franz von Assisi predigt zu den Tauben“ von Giotto di Bondone. Der Berliner und der Bonner Ersttagsstempel vom 5. Oktober 2006 für die Sondermarken zum Tag der Briefmarke und für die Wohlfahrtsmarken ist auch auf den Ganzsachen mit einem Eindruck dieser Marken erhältlich. Die Eichhörnchen-Marke ist jedoch bereits am 8. Juni 2006 erschienen, so dass dafür kein spezieller Ersttagsstempel zur Verfügung steht. Bei den Dienstganzsachen ist ein Umschlag im Format C6/5 mit Fenster zu melden, der als Werteindruck die Sondermarke zu 55 Cent „Briefzustellung im Norden“ (Mi.-Nr. 2447) trägt. Verwendung findet er bei Aussendungen der Post-Philatelie Weiden. Diese benutzt auch Großbriefe unterschiedlicher Aufmachung mit einem Wertstempel zu 145 Cent „Schwertlilie“. Plusbrief Kreativ und Pluskarte Kreativ Ganzsachen auf Privatbestellung blicken in Deutschland auf eine lange Tradition zurück. Sie fand ein recht jähes Ende, als die Post die Kosten für den Wertzeicheneindruck ab l. April 1989 stark erhöhte und dann als Folge des starken Auftragsrückgangs diese Ganzsachenart ganz abschaffte. Als Ersatzlösung bot sie Blankoganzsachen (Umschläge und Postkarten) mit jeweils einem Wertstempel im Muster der Freimarkenserien „Sehenswürdigkeiten“ und „Frauen“ an, deren Bezugspreis über dem Portowert lag. Der Käufer hatte die Möglichkeit, diese Ganzsachen mit Zudrucken für die jeweilige Veranstaltung zu versehen („Vereinsganzsachen“). Dann wurden auch diese Blanko-Ganzsachen abgeschafft und die interessierten Kreise auf die Möglichkeit verwiesen, den Zudruck auf den neu eingeführten Plusbriefen und -karten anzubringen. Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen. Plusbriefe und -karten bei einer Mindestauflage von l Million Stück mit einem Wertstempel nach Wahl des Bestellers aus der Palette der postgültigen Dauer- und Sondermarken zu bedrucken, sofern sich die ausgewählten Wertzeichen für einen solchen Eindruck unter herstellungstechnischen Gesichtpunkten eignen. Inzwischen ist diese hohe Mindestmenge längst überholt. Die gute alte Ganzsache auf Privatbestellung feiert als Plusbrief Kreativ und Pluskarte Kreativ fröhliche Urständ. Die Post-Philatelie in Weiden hat seit 2005 die Möglichkeit, solche Werteindrucke schon dann zu genehmigen, wenn der Kunde die Fertigungskosten für mindestens 1000 Stück trägt. Ordert er nur 500 Stück, was als untere Grenze akzeptiert wird, spart er zwar das Postentgelt für 500 Stück, muss aber gleichwohl die Produktionskosten für 1000 Stück tragen. Das verteuert Kleinstmengen zusätzlich. So hat die Post-Philatelie - um ein Beispiel zu nennen - einem Auftraggeber für 500 Umschläge mit einem Wertstempel zu 55 Cent „Europa-Marke 2006“ und einem Bildzudruck 1000 Euro berechnet. Daran wird deutlich, dass Ganzsachen zumindest in diesem Kleinstauflagenbereich für Geschäftskunden an die sich das Angebot der Post richtet, unter wirtschaftlichen Aspekten uninteressant sind, für Sammler aber ihren besonderen Reiz haben. In einer Großauflage von 250.000 Stück gab es jüngst im Rahmen einer Aktion des Clubs Berteismann und der Deutschen Post eine Pluskarte Kreativ mit einem Wertstempel zu 45 Cent „Margerite“. Sie war Bestandteil eines fünfteiligen Kartensets mit vorgedruckter Anschrift und mit speziellem Absenderfeld, über der eine Sonne strahlt. Die Karten sollten von den teilnehmenden Kindern unter dem Motto „individuelle Feriengrüße“ auf der Bildseite ausgemalt und dann an den Club Bertelsmann, Rheda geschickt werden. Portorabatte durch Konsolidierung Seit 2005 sind auf manchen Postsendungen schwarze Tintenstrahlaufdrucke zu finden, beginnend mit dem Großbuchstaben K, dem Ziffern folgen, etwa K4014 006893, wobei auch Datumsangaben vorkommen (K2049 23.11. 000456). Solche Aufdrucke kommen auch in blauer Farbe vor, bisweilen eingedruckt, gestempelt, integriert in den Absenderfreistempel oder als Aufkleber. K steht für Konsolidierer. Es handelt sich dabei um Dienstleister, die bei der Versendung von Postsendungen - überwiegend Standard- und Kompaktbriefe sowie Infopost - postalische Teilleistungen erbringen und dafür von der Deutschen Post Rabatte auf die Postentgelte erlangen. Die Konsolidierer tragen zu diesem Zweck größere Mengen Post zusammen, sortieren sie nach Leitregionen (nach den ersten beiden Ziffern der Postleitzahl) und versehen sie dabei mit einer fortlaufenden sechsstelligen Nummerierung. Auf diese Weise können auch solche Geschäftskunden in den Genuss von Rabatten kommen, deren Postmengen für Rabatte nicht ausreichen. Konsolidierer schließen mit der Deutschen Post einen Vertrag über die von ihnen zu erbringenden Teilleistungen, der dann der Bundesnetzagentur vorgelegt wird. Neben den gewinnorientierten Dienstleistern gibt es auch Genossenschaften (etwa Post- Con), die ebenfalls postalische Teilleistungen erbringen, jedoch die gewährten Rabatte nach Abzug ihrer Unkosten an die beteiligten Firmen ausschütten. Wegen dieser besonderen Struktur benötigen sie nach Auffassung der Bundesnetzagentur für ihre Tätigkeit keine Lizenz und führen bisher keine K-Nummer. Jedoch müssen auch sie die Sendungen durchnummerieren. Die Freimachung der konsolidierten Postsendungen lässt die Tatsache der Rabattgewährung und deren Umfang nicht erkennen, nicht einmal im Wertkästchen von Absenderfreistempeln. Dr. Hartmut Paetzold |
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