Neues von den Sachsen-Ringeln |
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Bei den Spezialgebieten der altsächsischen Briefmarkenkunde gibt es von Zeit zu Zeit überraschende Fortschreibungen. So sind über die bekannten Sachsen-Ringel durch weitere Auskünfte mit Bezug auf die Drucktechnik um 1850 neue Erkenntnisse gewonnen worden. Daher ist die Stift-Abdruck-Theorie zu ändern, denn die Stifte wurden nicht, wie bisher angenommen, in den Druckstock getrieben. Die Platte befestigte man nämlich durch Zwingen auf dem aus Hartholz bestehenden Druckstock. Die starken Ringel auf der l-Neugroschen (Ngr)-Platte (Nr. 4) der neunten Druckperiode sind nämlich die Mitdrucke der Randvertiefungen der vorderseitig in die relativ dünne, jedoch verzogene, aufgebeulte Platte gebohrten Stifte. Der Grund ist eine Panne gewesen. Sieht man sich in der „Alten Sachsenpost“ die Zahl der verwendeten Platten der König Friedrich August II.-Ausgabe an, so wurden für den Wert zu 3 Ngr. Bei nur acht Platten Verschleiß fast 3.000 Abzüge pro Platte erzielt, danach folgt der l/2 Ngr.-Wert mit 2.550, der l-Ngr.-Wert mit 2.375 und der 2-Ngr.-Wert mit 1.833 rein rechnerisch. Es ist also nicht einsehbar, dass die Panne von einer Überbeanspruchung der Platte abgeleitet werden könnte. Dies legt die Vermutung nahe, dass hier das Plattenkupfer von einer geringeren Härte war als alle anderen. Um nun nicht eine Verzögerung bei der Ablieferung des bestellten Kontingentes an die Oberpostkasse herbei zu rühren, entschloss man sich bei der Druckerei, anstelle der Anfertigung einer gänzlich neuen Platte die in Gebrauch befindliche quasi „über Nacht“ zu reparieren. Nun sind jedoch Stücke mit wesentlich schwächeren Ringeln an denselben Bogenfeldern zu finden. Hier, so ein Fachmann, seien die Stifte von der Rückseite in das Plattenmaterial gebohrt worden, die ihrerseits ebenso Spannungen mildern sollten wie die von der Bildseite eingetriebenen. Von diesen drückten sich die Ränder im Verlauf der Drucke von hinten ein und demzufolge erscheinen sie schwächer. Offenbar war die Methode schon bei den Wertstufen zu 2 (Nr. 5) und 3 Ngr. (Nr. 6) erprobt. Wie ich in der „Alten Sachsenpost“ schon schrieb, dass die Ringelplatte um sämtliche Markenfelder kräftigere Einfassungslinien hat, war wohl der erste Versuch, die Spannung der Druckplatte zu verringern. Durch vorhandene Revisionsabzüge ist bekannt, an welchen Bogenstellen die starken Ringel vorkommen. Das sind die Felder 25, 26, 27, 31, 36,49,55,58,59,60, 67, 80, 84 und 85. Stücke mit mehreren Ringeln stammen von derselben, jedoch nachgearbeiteten Platte. Es ist also immer ein Ur-Ringel da! Übrigens gibt es auch eines unter Feld 92 frei stehend im Unterrand, was meist nur angeschnitten nachweisbar ist. Ein Stück mit elf teils starken, teils schwachen Ringeln ist bekannt. 1854 gab es einen Gravurschaden unter Feld 94, den man ebenfalls durch einen Stift behob und dann beim Druck einen Ring bildete. Er ist der am ehesten zu findende. Diese Platte hatte keine kräftigen Umrahmungen. Bei der dunkelblauen 2-Ngr.-Marke (Nr. 7) existiert ebenfalls ein starkes Ringel bei der 65. Marke im Bogen. Er ist am Revisionsbogen ex Horst Möller nachweisbar. Bisher sind mir drei gebrauchte Exemplare bekannt. Ringartige Erscheinungen sind besonders bei der Markenausgabe König Johann bekannt. Das sind Relikte geplatzter Farbblasen. Meist haben sie unscharfe Ränder und sind nicht ganz kreisförmig. Die Ausnahme bestätigt die Regel: An der 1-Ngr.-Marke (Nr. 9) hatte sich die Druckfarbe am Fußstrich der mittigen Eins nicht verteilt, sondern konzentriert, platzte und hinterließ einen Ring. Ich nannte sie die „Reichsapfel-Eins“.
Horst Milde
Für Fragen mit Vorlage und Rückporto stehe ich gern zur Verfügung: Horst Milde, Lahmannring l0c, 01324 Dresden ... Weißer Hirsch. |
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