Olympisches Sportjahr

Die Olympischen Spiele des Jahres 1952 wurden mehr als ihre Vorgänger von Briefmarkenausgaben vieler Länder begleitet. Damit sorgten sie für einen Durchbruch des Sammelns von sportlichen Motiven. Kleine Auflagen und einige Besonderheiten konnten überdurchschnittliche Wertsteigerungen verzeichnen. Noch relativ preiswert zu haben sind die Ausgaben der Veranstalterländer. Die norwegische Post eröffnete den Reigen bereits am l. Oktober 1951 mit ihrer Zuschlagserie zugunsten der Winterspiele in Oslo. Die drei Werte, Mi.-Nr. 372-374 mit rund einem Drittel Aufpreis auf den Nominalwert erreichten Auflagezahlen zwischen 466 364  und 676 186 Stück. Heute sind sie für knapp zehn Euro in postfrisch wie gestempelt zu finden, auch Ersttagsbriefe kosten kaum das Doppelte. In der finnischen Hauptstadt Helsinki wurden die XV. Olympischen Sommerspiele durchgeführt, die eigentlich schon 1940 hier ausgetragen werden sollten. Die Briefmarken erschienen in zwei Tranchen, am 16. November 1951 mit 12+2 und 20+3 Mark, am 15. Februar 1952 die 15 +2 und 25+4 Mark (Mi.-Nr. 399-402). Bei Auflagen über einer Million Stück pro Sorte blieb der Wert mit 1,50 Euro pro Marke recht bescheiden, das Markenheftchen hat sich immerhin auf 60 Euro gesteigert. Übrigens wurde hierzu auch die erste Gedenkmünze zu Olympischen Spielen  der Neuzeit geprägt, und dies war bereits für 1940 geplant.

Österreichs Post unterstützte ihre Landsmannschaft mit 350 000 Exemplaren  einer Sondermarke vom 26. Januar 1952. Bei 2,40 Schilling Nennwert plus 60 Groschen Zuschlag eine Spende, die sich auch finanziell gelohnt hat: 22 Euro in postfrisch wie gestempelt kann Mi.-Nr. 969 verbuchen. Wer den Plattenfehler „Farbfleck unten am P von REPUBLIK“ entdeckt, freut sich über mehr als doppelten Preis. Günstig geblieben ist Italiens Mi.-Nr. 858 vom 22. März 1952, der Internationalen Ausstellung für Sportbriefmarken in Rom gewidmet, auch mit Aufdruck für Triest Zone A versehen. Zu den kleineren Auflagen zählt das Markenpaar aus dem Saarland, das eine eigene Mannschaft zu den Sommerspielen in Helsinki entsandte. Die Werte zu 15 und 30 Franc wurden mit je fünf Franc Aufpreis verkauft. 232 671 Exemplare der grünen Mi.-Nr. 314 und 224 854 Stück der blauen Mi.-Nr. 315 ließen sich absetzen. Dabei sind echt gestempelte Stücke und Belege deutlich knapper als postfrisches Material, und etwa doppelt bis fünfmal so teuer - daher Fälschungsgefahr beachten. Ersttagsbelege werten derzeit 85 Euro, etwa 20 Prozent höher als 1990.

Berlins Vorolympiade

Die Postverwaltung Berlins feierte die „Vorolympischen Festtage“ mit drei Sondermarken zu 4, 10 und 20 Pfennig ohne Zuschlag, am 20. Juni 1952 erschienen. Das Motiv zeigt eine Hand mit Fackel, Lorbeerkranz und die Olympischen Ringe. Die Auflage-Zahlen erreichten bei Mi.-Nr. 88 eine Million, Mi.-Nr. 89 und 90 je 500 000 Stück. Davon wurden 12 000 Sätze auf amtlichen Ersttagsbriefen zum Verkaufspreis von 50 Pfennig abgesetzt, heutiger Katalogwert 120 Euro. (BER00670) Die postfrischen Marken landeten in nennenswerten Mengen in den Händen von Anlegern, die in der Folge die Marktpreise stark beeinflussen konnten. So kostete der Satz schon Anfang der sechziger Jahre ** zwischen zehn und 13 Mark, 30- 40-fachen Postpreis. Nachdem die Bestände stärker verteilt wurden, konnten sich auch die Bewertungen weiter steigern. Doch die Euro-Umstellung hat ihre Spuren hinterlassen, mit einem gerechtfertigten Minus von etwa 20 Prozent seit 2000. Bei Auktionen blieben selbst Eckrandviererblocks links oder rechts oben mit 160 und 140 Mark unverkauft. Lohnen könnte sich die Suche nach einem neuen Plattenfehler, der erst seit wenigen Jahren im Michel-Spezial geführt wird: Mi.-Nr. 90 I mit „Bruch links oben in der Null der Wertangabe 20“. 1995 in postfrisch und gestempelt mit je 400 Mark notiert, in 2000 je 300 Mark, aktuell mit jeweils 150 Euro gelistet. Eine besonders unscheinbare Spezialität ist Mi.-Nr. 89 y: die 10 Pfennig mit waagrechter statt senkrechter Gummiriffelung. Ein postfrisches Prachtstück, geprüft Schlegel BPP, wurde 2000 bei der 201. Steltzer-Auktion zu 300 DM ausgerufen und für 420 DM zugeschlagen. Im Juni 2001 war ein vergleichbares Exemplar zu 150 DM ausgerufen und für 180 plus Aufgeld zu haben. Ein Kabinett-Unterrandstück ** mit Eigentumszeichen und Farbfotoattest Schlegel wurde bei Interphila im November 2001 von 250 auf 330 DM plus Aufgeld  getrieben.  Solide Festpreis-Angebote waren postfrisch geprüft um 400 Mark auf ähnlichem Niveau zu finden.

Früher im Michel nur postfrisch genannt, wird die Mi.-Nr. 89 y seit etwa 1990 auch gestempelt registriert, allerdings seither ohne konkrete Wertangabe (-,-), was leicht zu Fehleinschätzungen führen kann. Ein Exemplar mit idealem Ersttagsstempel und vollständigem Originalgummi, geprüft Schlegel BPP kam im Jahr 2000 zu jeweils 1800 Mark zum Ausruf, offenbar ohne Erfolg. Eine andere Mi.-Nr. 89 y mit Rundstempel Regensburg vom Sommer 1952, doppelt geprüft Schlegel BPP, war 2001 zum Festpreis von 750 DM zu haben. Im März 2002 lautete ein Preisansatz bei der Dresdner Auktion auf 500 Euro. Im Frühjahr 2001 kam ein Stück mit sauberem Eckstempel „REGENS“ ohne erkennbares Datum, aber signiert Schlegel BPP, bei einer Auktion „gegen Gebot“ zum Angebot. Nicht verkauft oder gleich weitergegeben - im Januar 2002 wurde offensichtlich dasselbe Stück mit 500 Euro ausgerufen und für 400 Euro zugeschlagen. Zu den attraktivsten Olympiaserien von damals gehören die großformatigen Quadrate, deren Motive auf einer Spitze stehen. Wie Ungarns preiswerte Mi.-Nr. 1247-1252 (UG00042) vom 26. Mai 1952 und Monacos kostspielige Reihe, die mit Verspätung am 23. Februar 1953 mit rund 60 000 Sätzen als eine der selteneren Ausgaben folgte (Mi.-Nr. 458-467). Auf gleichem Postfrisch-Niveau von 60 Euro liegt derzeit Luxemburgs flott gezeichnete Sportserie          Mi.-Nr. 495-500 mit Auflage 200 000, ebenso die sechs Marken Mi.-Nr. 698-703 für Helsinki aus Jugoslawien. Ihr Spitzenwert zu 100 Dinar mit 55 895 Stück wird an Seltenheit noch übertroffen von den bildgleichen Mi.-Nr. 74-75 mit Aufdruck „STT VUJNA“ für Triests Zone B mit 50 000 bzw. 23 000 Stück.

 

MICHAEL BURZAN
überarbeitet M. M.


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