Spezialgebiete bei Auktionen |
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Mit beliebigem bunten Bildchen-Einerlei aus moderner Markenproduktion sind Sammler entschieden unterfordert. Sie erwarten von ihrem Hobby mehr als das schlichte Wegsortieren von Neuheiten, mehr als das Warten auf die nächste Abo-Lieferung, mehr als das bloße Abhaken von Kataloghauptnummern. Entsprechend bezeichnet „Spezialisierung“ einen Trend, der seit Jahrzehnten ganz ungebrochen ist. Briefmarkenauktionen vollziehen diese Orientierung - dem Sammler mal vorausgehend, mal ihm eilends hinterherlaufend - nur zu gerne mit. In der Tat ist „Spezialisierung“ das Zauberwort, das eine Entwicklung kennzeichnet, die in den vergangenen Jahrzehnten vermutlich mehr als irgend etwas anderes zur Konsolidierung einer organisierten Sammlerschaft wie auch eines sehr differenzierten Briefmarkenmarktes beigetragen hat. In der Ausrichtung von philatelistischen Arbeitsgemeinschaften findet sie ebenso ihren Ausdruck wie in der Publikation immer detaillierterer Spezialkataloge und anderer Fachpublikationen für immer enger definierte Teilsammelgebiete. Spezialisierungsbemühungen sind unstreitig ein Glücksfall sowohl für die Philatelisten selbst, die gewissermaßen in eigener Regie den Gegenstandsbereich ihrer sammlerischen Leidenschaften beträchtlich ausgeweitet haben, als auch für den Briefmarkenmarkt, also für alle jene, die als Händler, Grossisten, Prüfer, Kommissionäre und vor allem als Auktionatoren die Sammlerschaft begleiten und versorgen und legitimerweise von ihr leben. Eine Versessenheit ? Schon dies aber legt die Vermutung nahe, dass man durchaus mehr als nur eine Sichtweise auf Spezialisierungen innerhalb der Philatelie haben kann. Eben dies soll unser Beitrag über Spezialgebiete auf dem Markt der Briefmarkenauktionen unter verschiedenen Gesichtspunkten etwas näher beleuchten. Der vorliegende erste Teil untersucht, in welchen Angebotsformen philatelistische Spezialgebiete auf dem Auktionsmarkt auftreten. Dabei werden wir feststellen, dass Briefmarkenauktionen der Spezialisierungs-Versessenheit der Sammlerschaft auf mehr als nur eine Weise Rechnung tragen. Der zweite Teil im nächsten Heft wird dann den Fokus neu ausrichten. Er wird untersuchen, welche Art konkreter Spezialitäten sich auf dem Markt aktuell des größten Zuspruchs erfreuen, welchen von ihnen mithin eine nicht zuletzt preislich gesunde Entwicklung bescheinigt werden kann. Was heißt „spezial“ ? Für all dies muss freilich zunächst wenigstens grob geklärt werden, was unter Spezialisierung, unter einer Spezialität und folglich auch unter einem Spezialisierten Auktionsangebot verstanden werden soll. Dabei ist uns für unsere Zwecke mit einer definitionstheoretisch ausgefuchsten Begriffsbestimmung weniger gedient als mit einer eher groben, dafür aber besonders handlichen Arbeitsdefinition. Unter einer „Spezialität“ soll im folgenden all das verstanden werden, was mit der Angabe einer Kataloghauptnummer nicht ausreichend beschrieben ist. Es liegt auf der Hand, dass dazu Farbvarianten von Briefmarken ebenso zählen wie sämtliche Druck-, Wasserzeichen-, Zähnungs-, Papier- oder sonstige Abarten. „Spezialitäten“ sind aber auch alle Arten von Bogenranddrucken wie Plattennummern, Hausauftragsnummern, Druckerzeichen, Platten- und Walzendruck-Kennungen, Druckdaten, Bogenzählern, Farbrandstreifen, Papiervarianten, Firmenlochungen und vielerlei mehr. Mit dem Wort „Spezialisierung“ haben wir es im Anschluss vergleichsweise leicht, denn es soll lediglich die Konzentration des Sammlers auf die vorstehend genannten Spezialitäten bezeichnen. Ein „Spezialgebiet“ ist dann einerseits eines, das eben diese Spezialitäten zum Sammelgegenstand hat. Darüber hinaus ist ein Spezialgebiet aber auch jedes Sammelthema, das von der üblichen Katalogeinteilung abweicht oder sich auf Teilbereiche katalogisierter Hauptgebiete beschränkt. Kollektionen von Markeneinheiten, besonderen Frankaturen oder Destinationen, Feld-, Lager-, Flug-, Zeppelin-, Bahn-, Straßenbahn-, Schiffs-, U-Boot-, Katastrophen-, Desinfektions- oder Lokalpost sind dann ebenso gemeint wie Sammlungen vorphilatelistischer Belege, altdeutscher Nummernstempel, Einschreibe-, Wert- oder Nachnahme- Belege und manches mehr. Individueller Gestaltungsphantasie und Konzentrationsfreude sind hier wenige Grenzen gesetzt. Mit einem Spezialgebiet im Rahmen eines Auktionsangebotes kann ferner, drittens, auch ein solches gemeint sein, das zwar ein gängiges Sammelgebiet (etwa Französische Zone, China oder Schweiz) zum Gegenstand hat, dieses aber so umfangreich und detailliert präsentiert, dass es erwartbar auch die Interessen sehr fortgeschrittener Sammler ausreichend bedient. Bitte differenzieren Sie! Die ganze, hier nur beispielhaft angedeutete Vielfalt philatelistischer und postgeschichtlicher Spezialisierungs- Möglichkeiten wird von Sammlern faktisch auch genutzt. Und sie findet entsprechenden Widerhall in den gleichfalls spezialisierten Angeboten des Briefmarken- Auktionsmarktes. Wer aber diesen Markt aufmerksam und gewappnet mit einiger Erfahrung betrachtet, der wird rasch zu der Einsicht gelangen, dass es guten Sinn macht, auch Auktions-Spezialangebote nochmals differenzierter zu betrachten. Dass Spezialauktionen nicht nur besonderes, bisweilen selten zu sehendes Material oft nach längeren Zeiträumen wieder in die Sammlerschaft zurückführen, sondern den selbst wiederum spezialisierten Interessenten auch Gelegenheiten geben, bei besonderen Veranstaltungen auch wirklich Besonderes zu finden, veranschaulichen zudem einige Hinweise, die hier separat als Checkliste gesetzt sind. Spezialauktionen als Regelfall Wie bereits erwähnt, tragen Auktionsfirmen den Spezialisierungsvorlieben ihrer sammelnden Kundschaft gerne Rechnung. Denn ebenso wie die Wahl eines Spezialgebietes die Betätigungsmöglichkeiten des Philatelisten selbst beträchtlich erweitert, eröffnet sie zugleich auch Chancen für ausgiebigere bzw. tiefergehende, eben spezialisiertere Auktionsangebote. Die Auktionshäuser sind zwar manchmal auch Vorreiter neuer Spezialisierungstrends, in aller Regel aber nehmen sie - vernünftigerweise und in wohlverstandenem Eigeninteresse - entsprechende Vorlieben ihrer Kundschaft auf und versuchen, ihnen mit entsprechenden Angeboten entgegenzukommen. Der Umstand, dass beim Aufeinandertreffen mehrerer engagierter Spezialsammler anlässlich eines entsprechenden Auktionsangebotes nicht selten überdurchschnittlich gute Zuschlagspreise Zustandekommen, sorgt ohne Zweifel für zusätzliche Motivation, seitens der Auktionatoren, sich eigens um Material für Spezialofferten zu bemühen. Ein eigenes Profil Doch noch aus einem weiteren Grund kommt den Auktionsfirmen das Spezialistentum der Sammlerschaft entgegen. Wenn sich diese Sammelvorlieben der Kundschaft nämlich mit philatelistischen Neigungen, Kompetenzen oder Möglichkeiten der Materialbeschaffung seitens des Auktionators in Einklang bringen lassen, dann bietet sich letzterem die Gelegenheit, sein Unternehmen als Spezialanbieter im Rahmen eines bestimmten philatelistischen Spektrums unverwechselbar zu profilieren. Nichts ist nämlich angenehmer und vernünftiger, als einen Teil der Kundschaft mit kontinuierlichen Spezialofferten langfristig an das eigene Haus zu binden. Dies ist der Grund, weshalb bei nicht wenigen Auktionsfirmen umfangreiche Offerten bestimmter Spezialgebiete nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall sind. Es gibt sogar einige Unternehmen, die sich ausschließlich oder überwiegend auf bestimmte spezialisierte Marktsegmente konzentrieren, dort auch besondere eigene, von den Sammlern anerkannte und goutierte Kompetenzen entwickelt haben und auf diese Weise ein solides wirtschaftliches Auskommen finden. So existieren deutsche Auktionsfirmen, die beispielsweise praktisch ausschließlich ostasiatische (China-Philatelie) oder türkische (Tokoglu) Philatelie und Postgeschichte anbieten oder solche, die ständig mehrere hundert spezialisierte Lose Liechtenstein (Rauss & Fuchs) oder Schweiz (Lenz) im Angebot führen. Andere Auktionatoren gelten als Experten und Spezialisten für Bedarfspostbelege jeder Art (Koegel, Löffler, Schmidt, Harlos, Pumpenmeier), verknüpfen Post mit Zeitgeschichte (Kraus & Silbernagel), spezialisieren sich ausschließlich oder in nennenswerten Angebotsteilen auf moderne Besonderheiten (Friedrich), auf Luftpost (Palmer) oder Schiffspost (Schwerdt, Gogolinski), auf Thematik (Wapler), auf Deutsche Besetzungsausgaben oder Danzig (Fischer), Deutsche Kolonien (Württembergisches, Köhler Wiesbaden) und Lokalausgaben ab 1945 (Köhler Berlin), auf Ansichtskarten (Raith, Meixner, Weissenböck), auf das Saargebiet (Steifen), auf Altbaden (Wohlfeil, Müller), Bayern (Deider, Sem, Kirstein-Larisch), auf Vorphilatelie (Feuser, Potsdamer) oder überhaupt auf die klassische deutsche Philatelie (Köhler, Württembergisches, Feuser, Derichs, Deider, Sem, Kruschel, Rauhut, Potsdamer, Steltzer). Spezialsammler werden hier in aller Regel ausgesprochen kompetent bedient, weil die verantwortlichen Auktionatoren oder Sachbearbeiter selbst von jeher einschlägig spezialisiert und erfahren sind. Sie wissen, was ihre Kunden suchen und worauf sie besonders zu achten pflegen. Trotz prinzipiell unterschiedlicher Rollen und Interessen herrscht hier ein Stück weit Geistesverwandtschaft, die sich für beide Seiten auszahlt. Spezialauktionen bei Gelegenheit Alternativ oder zusätzlich zu bereits etablierten Angebots-Spezialisierungen der vorstehend beschriebenen Art lösen Auktionsfirmen in jedem Jahr zahlreiche weitere Spezialobjekte während ihrer Versteigerungen auf. Teils handelt es sich um - mitunter hochspezialisierte - Kollektionen, die ein Auktionator gezielt eingeworben hat, weil er weiß, dass er über die geeignete Kundschaft für das betreffende Material verfügt; teils sind es aber auch Sammlungen, die ihm von Philatelisten anvertraut werden, die gerade diesem Auktionshaus die kompetente Bearbeitung und Präsentation ihres spezialisierten Objekts zutrauen. Gerade während der letzten zwei, drei Jahre haben deutsche Auktionsfirmen ihren Kunden eine bemerkenswerte Zahl teils aufsehen erregender Spezialkollektionen detailliert anbieten können. Nicht selten werden sie den Sammlern in anspruchsvoll gestalteten Sonderkatalogen vorgestellt. Hier können nur wenig Beispiele stichwortartig angeführt werden, die zugleich aber auch besonders gängige Spezialgebiete namhaft machen. Dass man selbst philatelistische Fachliteratur hochspezialisiert sammeln kann, belegt nicht nur die Auflösung der Kollektion des bibliomanen Büchersammlers Garratt- Adams durch Huys-Berlingin, sondern ebenso Literatur-Spezialauktionen bei Felzmann (Roland-Bibliothek) und Schwanke. Die Auflösung der gigantischen Sammlung lithographischer Ansichtskarten, die Bischof Dr. Dyba zusammengetragen hat, geht dieser Tage bei Raith bereits in die fünfte Runde. Die Köhler-Auktion in Berlin hat soeben die bedeutende post- und zeitgeschichtliche Forschungssammlung „Wiederaufbau der Post in Berlin 1945“ aufgelöst, während in der Nachbarschaft, beim Potsdamer Philatelistischen Büro, nacheinander die Preußen-Kollektion „Sanssouci“ und die postgeschichtlichen Sammlungen „Der Krieg 1870/71 und die Post“, „Briefe mit Benachrichtigungsaufklebern von Sachsen und der frühen Reichspost“ und „Tauchbootpost 1916/17“ en detail zu haben waren. Steltzer in Oberursel konnte unlängst Spezialauktionen für „Suchdienstkarten der SBZ“ und für die Ausgaben der russischen „Zemstvo-Landschaftsposten“ durchführen, Fischer die US- und britische Philatelie spezialisiert anbieten, Köhler Wiesbaden u.a. herausragende Sammlungen Schweiz, Frankreich und Österreich, Brustschilde und Olympia-Thematik (letzteres demnächst auch bei Schreyer) auflösen, das Württembergische Auktionshaus mit den Sammlungen „Windhuk“ und „Waterberg“, Dr. Derichs mit der „Lüderitz“ Kollektion koloniale Glanzpunkte setzen. Internationale Markenheftchen-Raritäten sind dieser Tage, spezialisiert angeboten, bei Hettinger zu haben. Mehrere bedeutende SBZ- Spezialsammlungen kamen bei der Hanseatischen Briefmarkenauktion und bei Felzmann zur Auflösung. An letztgenannter Stelle zudem ein halbes Dutzend Zeppelinpost-Sammlungen von Weltrang, zuletzt die famose „Kirch Collection“. Belege aus dem Nachlass von Zeppelinpionier Eckener fanden bei Schulz große Beachtung. Bizone spezial folgte wiederum bei Felzmann sowie auch bei Jennes & Klüttermann, Bayern bei Deider und Sem (dort auch Thurn & Taxis), klassische Briefekollektionen, teils aus Übersee, bei Schwanke, Belege der Donaudampfschiffahrts-gesellschaft bei Loth usw. Die schiere Fülle schon dieser Beispiele allein aus der letzten Zeit belegt nicht zuletzt eindrucksvoll, dass es kein Sammelgebiet gibt, das sich nicht auch ausgesprochen spezialisiert pflegen ließe. Und entsprechend keines, das nicht in der Form einer Spezialauktion der interessierten Sammlerschaft irgendwann wieder kompetent aufbereitet zur Verfügung gestellt würde.
Gerd H. Hövelmann |
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