Auch bei der im Zuge der Postautomation entwickelten Heussausgabe auf fluoreszierendem Papier wurden Rollenmarken herausgegeben. Allerdings nicht von allen Werten, sondern nur von den Marken zu 10 Pf. bis 25 Pf. und 40 Pf. Alle Ausgaben erschienen in Rollen zu 1.000 Marken. Auffällig und interessant war, dass die Nummern nicht in schwarz, sondern in roter Farbe aufgedruckt wurden. Somit sollte ähnlich wie bei den Bogenausgaben, bei denen der Bogenzähler in rot vorhanden war, auch hier auf den ersten Blick erkennbar sein, dass es sich bei den Marken um Lumogenausgaben handelt. Auch die ganzen Rollen waren sofort als Lumogen erkennbar: das Papier der Banderole war nicht weiß, sondern orange.
Im Gegensatz zu den anderen einzelnen Rollenmarken sind hier die gestempelten Marken mit Nummer die wesentlich selteneren Stücke (ähnlich wie bei den Geschwistern aus dem Bogen). Bemerkenswert an dieser Ausgabe ist, dass der Anteil der Rollenmarken an der Gesamtproduktion wesentlich höher war als bei allen früheren Serien. Die Post hat damit einen entscheidenden Schritt in die Richtung unternommen, ihre am meisten benötigten Marken überwiegend in Rollen abzugeben. Bei den späteren Dauerserien stieg der Anteil der Rollenmarken immer weiter an - aber die Lumogenausgaben von Heuss waren der Ausgangspunkt dieser Entwicklung.
5 Pf Heuss in Rollen mit glattem Gummi - Nachzügler und Senkrechtstarter:
Der „letzte Mohikaner“ der Heussrollenmarken war der 5 Pf-Wert. Als Rollenmarke mit und ohne Nummer war die 5er schon länger im Einsatz, allerdings nicht auf Papier mit glatter Gummierung. Die Mi.-Nr. 179x war auch der einzige Heusswert, der bis nach 1960 im Plattendruck hergestellt wurde. Für die Rollenmarkenproduktion von den Rotationsdruck-Maschinen musste es daher eigene Klischees geben, von denen die Rollen bis 1958 gedruckt wurden. In der Chronologie des Herstellungsprozesses klafft allerdings eine größere Lücke. Der Zeitraum von Ende 1958 bis 1960 konnte bisher nicht durch Verpackungsdatumsstempel auf den Banderolen belegt werden.
Als die Bundesdruckerei im Frühjahr 1960 dazu überging, die 5er in Walzendruckform in Bogen zu produzieren, wurde mittlerweile nur noch Papier mit glatter Gummierung verwendet. Wahrscheinlich wurden auch zeitgleich Werte in Rollen hergestellt: Mi.-Nr. 179 mit rückseitiger Nummer und glatter Gummierung. Diese Marke kam als Nachzügler ohne besondere Ankündigung an die Schalter, sie wurde von den wenigsten Sammlern beachtet und aufgehoben. Da es kurz darauf die Ausgabe „Bedeutende Deutsche“ gab, verschwand die glatte 5er Heuss von der Rolle in der Versenkung. Erst später zeigte sich, dass die erhalten gebliebene Menge minimal war. Neben dem bereits erwähnten Provisorium der Mi.-Nr. 188 aus Bremerhaven und der erst wesentlich später versuchsweise erschienenen 40 Pf Unfall-Marken mit blauer Nummer ist die 5 Pf. Heuss-Rollenmarke mit glatter Gummierung die seltenste Rollenmarke aller Bundausgaben. Bei diesem Wert bleiben noch viele Fragen offen: Weshalb wurde die 5er auf fluoreszierendem Papier nicht als Rollenmarke hergestellt ? Weshalb erfolgte die Rollenproduktion dieses Wertes auf Papier mit glatter Gummierung erst so spät ? Ab wann genau erfolgte die Herstellung dieses Wertes in Rollenform ? Waren ggf. von der alten RM mit v-Gummi noch ausreichende Mengen vorhanden, so dass zwei Jahre nichts nachgedruckt werden musste?
Verpackung der Rollen: Verpackungsmüll damals und wertvolles Forschungsmaterial heute
Erforschenswert sind aber nicht nur die Marken selbst, sondern auch ihre Verpackung. Während die Bogenausgaben einfach zu 20 Stück in Bogentaschen und diese wiederum in größeren Umverpackungen gestapelt wurden, gestaltete sich die Verpackung von Rollen-marken wesentlich komplizierter. Dieser Vorgang war damals ziemlich umständlich und soll hier aufgrund seiner Komplexität auch nur ansatzweise erläutert werden. Nach Fertigstellung der Marken kam in die fertigen Rollen innen - zumindest in der Anfangszeit der Rollenmarkenfertigung - ein Pappring und außen eine Banderole. Um die missbräuchliche Entnahme von Marken zu verhindern, wurden zudem Innen- und Außenbanderole noch mit einem Papierstreifen oder einem Fadenverschluss, später auch mit einem so genannten V-Verschluss verbunden. Innen erhielten die Rollen zudem noch einen so genannten roten Adlerstempel, der über Banderolenverschluss und den Rollenendstreifen ging. (Dieser Adlerstempel ist auf der Gummiseite der meisten Rollenenden bis zu den Ausgaben der bedeutenden Deutschen zu finden).
Auch hier sind noch Fragen offen: Wer hat Rollenenden von Posthorn und aus der l. Heussausgabe ohne Nummer mit rotem Adlerstempel rückseitig auf den Leerfeldern ? Aus dem Aufdruck der Banderole ging hervor, um welche Markenausgabe von welcher Dauerserie es sich handelte, wie viele Marken in der Rollen enthalten waren, ob die Rückseiten der Marken nummeriert waren und ob die Marken von den Berliner Ausgaben stammen oder für das Bundesgebiet vorgesehen waren.
Außen auf die Banderole kamen noch Stempel mit dem Rollenverpackungsdatum sowie weitere Kontrollstempel dazu. Die so verpackten Rollen kamen zu je zehn Stück in so genannte Rollenkartons, eine Art „Pappsarg“ mit Unterteil und Deckel. Dieser Karton wurde ebenfalls versiegelt und mit allen erforderlichen Daten und Kontrollstempeln versehen. Die deutsche Gründlichkeit zeigte sich hier mal wieder ganz deutlich. Von den Banderolen der 50er Jahre sind leider nur sehr wenige erhalten geblieben, Grund dafür ist im Wesentlichen in dem damals fehlenden Interesse an Verpackungsmaterial bei den Philatelisten zu suchen. Dabei bieten die Verpackungsdokumente wesentlich mehr Informationen als die Marken. Genau wie bei den Bogenmarken der Heuss-Serie liegen heute nur noch sehr wenige Informationen über Ausgabedaten, technisch bedingte Umstellungen oder Neuerungen vor. Da der Wechsel von einer Papierform auf eine andere, von geriffelter Gummierung zu glatter und von nummernlosen Marken zu nummerierten Ausgaben für Post und Bundesdruckerei „business as usual“ war, hielt man es nicht für notwendig, die Sammler davon zu unterrichten.
Das was die Post nicht preisgibt und was aus den Marken alleine nicht hervorgeht, steht aber häufig auf dem Verpackungsabfall. Und hier bieten die Verpackungen der Rollenmarken eine besondere Fülle an Informationen, die uns Aufschluss geben z. B. über den Zeitpunkt der Umstellung auf nummerierte Marken, Rollengrößen oder den Beginn des Drucks einer neuen Marke. Ob eine Rolle ursprünglich 500 oder 1.000 Marken enthalten hat, kann der ll er-Streifen nicht erzählen, auf der Banderole steht es aber drauf. In den 60er Jahren haben Pioniere wie Hans Rumpel und Günter Schwarz den eigentlichen Wert von Banderolen und Verpackungskartons erkannt und daraus zahlreiche Erkenntnisse über die Briefmarken-herstellung gewonnen, die Grundlage für viele heute wichtige Forschungsarbeiten. Erwähnt sei hier der legendäre Katalog über die Rollenmarkenbanderolen Bund und Berlin von Hans Rumpel, das erste überhaupt über Verpackungsmaterial von Briefmarken herausgegebene Handbuch (!). Heute erreichen Banderolen aus den 50er Jahren teilweise höhere Preise als die ursprünglich darin enthaltenen Marken.
Eine seltene Eigenart der früheren Rollenmarkenausgaben sind die sogenannten Rollen-kartons, denn die wurden nicht weggeschmissen, sondern sollten an die Bundesdruckerei zurück gegeben werden, um nochmals Verwendung zu finden. Erst gegen Ende der Produktion der Heussmarken wurde diese besonders aufwendige Form der Verpackung eingestellt. Die Rollen wurden dann in 10er Stapeln mit Plastikfolie umhüllt und mit einem bedruckten Stangendeckel versehen, auf dem alle notwendigen Angaben vorhanden waren. Der Inhalt konnte durch die Folie hindurch begutachtet werden. Allerdings sind bisher von Heuss keine Stangendeckel gefunden worden. Genauso wenig wie eine Banderole des Wertes zu 5 Pf. mit Verpackungsstempel nach 1960.
Varianten und Variationen
Am Anfang war der unnummerierte 11 er-Streifen, später kamen Einzelmarken mit Nummer, sowie Dreier-, Fünfer-, Sechser- und 11 er-Streifen mit Nummer dazu. Außerdem gibt es verschiedene drei- und vierstellige gerade und ungerade Nummerntypen bei den Rollen zu 500 und 1.000 Marken und alles mit geriffelter oder glatter Gummierung postfrisch oder gestempelt. Das sind bei allen Heuss-Ausgaben zusammen schon Varianten genug, um ein kleines Album zu füllen. Die Fakten dieser Ausgaben kann der interessierte Sammler im MICHEL-Rollenmarkenkatalog nachlesen. Während die Einzelmarken gestempelt (außer bei den Lumogenmarken) wesentlich häufiger zu finden Sind als die postfrischen, ist es bei den 11 er-Streifen genau umgekehrt. Wer klebte damals schon einen solchen Streifen auf einen Brief, selbst bei dem postfrisch häufigen Wert zu 4 Pf sind gestempelte Streifen von mehr als fünf Marken selten, ein kompletter gestempelter 11er-Streifen eine gesuchte Rarität.
Wem das noch nicht genug ist, der kann auch Rollenanfänge sammeln (als Einzelmarke, als Sechser- oder 11 er-Streifen). Rollenenden bieten folgende Varianten: Vier Leerfelder in verschiedenen Farben mit und ohne Adlerstempel mit einer, fünf oder elf Marken. Die vier Leerfelder am Ende einer Rolle sorgten beim Verkauf der Marken aus Automaten dafür, dass der Abgabemechanismus bis zur letzten Marke der Rolle richtig funktionierte und danach abschaltete. Da für die Bundesdruckerei die Art des Papiers, das für die Leerfelder verwendet wurde, völlig belanglos war, benutzte man das, was gerade vorhanden war: Papiere in unterschiedlichen Farben, mit geriffelter und später auch mit glatter Gummierung. Leider ist die Technik heute so weit entwickelt, dass die Leerfelder am Rollenende nicht mehr notwendig sind. Eines der Zugpferde, das das Sammeln von Rollen-marken interessant machte, ist damit weggefallen und hat die Attraktivität dieses Sammelgebietes erheblich reduziert.
Eine weitere Besonderheit sind Flickstellen, die entstanden, wenn bei der Produktion eine Rolle gerissen war oder, was wohl häufiger vorkam, dass eine der losen Papierrollen für die Markenfertigung nicht mehr genug Marken enthielt, um 500 oder l .000 Marken für eine ganze Rolle zusammen zu bekommen. Dann findet der fleißige Sammler mit der Lupe noch so genannte Ausgleichszähne. Diese Ausgleichszähne in spitzer oder breiter Form haben den Sinn, Zähnungstoleranzen bei der Fertigung auszugleichen. Bei den Walzendruckbogen gibt es sie am Bogenober- oder Unterrand. Da bei der Rollenmarkenfertigung die Ober- und Unterrandklischees durch ein Klischee mit Marken ersetzt wurden, sind Zähnungsausgleiche bei den Rollenmarken auf jeder 11. Marke vorhanden. Häufig mit nur sehr geringen Abweichungen vom Mittel, ab und zu aber auch in sehr breiter oder sehr spitzer Form (späte Anerkennung fanden diese Ausgleichszähne vor allem bei den Markenheftchen 22 und 23 der Burgen & Schlösser-Periode). Das Komplettieren der Nummernvarianten der Heussmarken verlangt schon einiges an Geduld, ein Versuch, alle Varianten zu komplettieren, ist eine echte Lebensaufgabe. Viele Stücke sind nicht nur selten, sondern auch sehr teuer, wenn sie denn einmal angeboten werden. Jeder mag selbst entscheiden, was er davon sammeln mag.
Während die meisten der hier genannten sehr interessanten Varianten druck- und produktionsspezifische Eigenarten der Rollenmarkenfertigung sind, sind echte Abarten bei diesem Markentyp eher selten zu finden. Eine Ausnahme ist wohl die legendäre Mi.-Nr. 263z, eine Art kleine „Schweinebuchtaffäre“ der Bundesdruckerei, denn hier ist das Papier auf der falschen Seite gummiert worden. Da die ungummierte Seite des Papiers dann natürlich bedruckt worden ist, ist durch diesen Fehler eine Rollenmarke mit spiegelverkehrtem Wasserzeichen entstanden.
Produktionstechnisch betrachtet mangelhafte Marken wie die Mi.-Nr. 263z sind heute die kleinen und großen Lieblinge der Briefmarkensammlungen. Fehler entstanden nicht nur an den Postwertzeichen selbst, sondern auch bei den Verpackungen, wie die hier abgebildete Banderole mit dem Satzfehler beim Wörtchen Mert (statt Wert) zeigt. Bei einer Briefmarke wäre der Fehler sicherlich behoben worden, auf der Verpackung maß man einem solchem Mangel keine Bedeutung bei.
Um die Fehlerquote bei der Produktion und Abgabe der Rollenmarken möglichst niedrig zu halten, wurden natürlich im Vorfeld Versuche und Tests angestellt. Dazu benötigte die Post Versuchsrollen mit Leerfeldmarken. Mit ihnen wurden unter anderem die Automaten für die Abgabe der Marken getestet. Da es in der Anfangszeit der Heuss-Ära Rollenmarken in verschiedenen Formaten gab, benötigte man natürlich auch Teststreifen in verschiedenen Größen.
Für verschiedene Tests benötigt: Versuchsrollen ( A00001 )
Teure Rollenmarken ziehen Fälscher an
Die hier beschriebenen Raritäten und seltenen Ausgaben der Rollenmarken unterliegen wie nahezu alle anderen teuren Stücke der Fälschungsgefahr. Bereits in der guten alten Zeit des deutschen Reiches war der große „Manipulator“ aktiv und machte aus billigen Streifen teure Rollenenden. Daher war das Sammeln von Rollenmarken bereits damals nicht ganz ohne Risiken. Die heute oftmals schon in vielen Privathaushalten vorhandene Technik erlaubt mittlerweile noch hochwertigere Manipulationen. Mit Fotokopierern können aus billigen Bogenwerten teure Rollenmarken produziert werden. Durch An- und Umkleben von einzelnen billigen Leerfeldstreifen werden seltene Rollenenden gefertigt. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Daher sollten teure Ausgaben - und die Rollenmarken der Heuss-Ära gehören überwiegend dazu – vor dem Kauf unbedingt von BPP-Fachprüfer Horst K. Schmidl geprüft werden.
Tipps zum kostengünstigen Sammeln von seltenen Rollenmarken
Wer es nicht ganz so teuer mag, der kann auch auf gestempelte Rollenmarken oder Streifen mit Nummer zurückgreifen. Gestempeltes Rohmaterial schlummert heute noch in Kiloware oder auf Briefstücken, Briefen und Karten, hat allerdings bei den Sammlern meistens bei weitem nicht den Wert und die Beliebtheit wie die postfrischen Stücke. Daher lassen sich aus diesen Quellen wesentlich kostengünstiger und fälschungssicher komplette Kollektionen zusammen stellen.
Allerdings spielen hier die Qualität der Stempel und der Erhalt der Marken und der Nummer eine große Rolle. Wer die Marken vom Papier ablösen möchte, sollte Vorsicht wallten lassen. Denn unvorsichtiges Ablösen lässt die rückseitige Nummer auf Nimmerwiedersehen im Spülwasser verschwinden. Der Handel bietet hier aber Abhilfe durch verschiedene Produkte zum nummernschonenden Ablösen an.
Hier heißt es einfach nur: Augen auf. In welcher Form und in welchem Umfang man Rollenmarken sammelt, bleibt jedem selbst überlassen. In jedem Fall ist die Ergänzung um einige Rollenmarken, in welcher Form auch immer, eine echte Bereicherung für jede Sammlung. Viel Spaß und Erfolg beim Sammeln.
Uwe Bleeker überarbeitet M. M.
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